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Was kann Duolingo: Die Wahrheit über die bekannte Sprachlern-App in unserem Test (2018)

Kann man mit Duolingo eine neue Sprache wie Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Russisch oder auch Deutsch lernen? Eine Frage, die Dir wahrscheinlich nicht nur Du stellst, sondern genauso eine ganze Reihe weiterer potentieller Sprachlerner.

In diesem Beitrag erhältst Du ausgehend von meinen persönlichen Erfahrungen eine Antwort auf Deine Frage. Dafür habe ich Duolingo zuerst einem ausgiebigen Test unterzogen, um anschließend eine möglichst fundierte Bewertung abgeben zu können. Das Ergebnis von meinem Duolingo-Test findest Du in diesem Beitrag.

Finde hier: Die besten Sprachtools – Welches Online-Wörterbuch ist der beste digitale Übersetzer?

Inhaltsverzeichnis: Durch das Anklicken von einem Unterpunkt kannst Du auch direkt zu einem für Dich interessanten Kapitel springen.

  1. Einleitung – Was ist Duolingo?
  2. Wie funktioniert Duolingo?
  3. Was kostet Duolingo und wie wird Duolingo finanziert?
  4. Welche Sprachen bietet Duolingo? Kann man mit Duolingo auch 2 oder mehr Sprachen gleichzeitig lernen?
  5. Der Duolingo-Test – Was bringt Duolingo?
  6. Fazit – Meine persönliche Duolingo-Bewertung.
  7. Babbel vs Duolingo – was ist besser?

Einleitung – Was ist Duolingo?

Zu Beginn will ich mich kurz der Geschichte von Duolingo und dem Konzept der Sprachlern-App widmen. Gegründet oder erfunden wurde es im Jahr 2012, also vor nicht einmal 6 Jahren, von zwei nicht unbekannten Größen der Digitalwelt, nämlich Luis von Ahn (gebürtiger Guatemalteke) und Severin Hacker (gebürtiger Schweizer) an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh.

Aufgrund der Einfachheit des Prinzips, und wahrscheinlich auch aufgrund der schon vorherigen Bekanntheit eines der beiden Gründer (Luis von Ahn gilt doch unter anderem als der Erfinder des Captcha und verkaufte seine Firma reCAPTCHA an Google), setzte die App unverzüglich zum Steilflug an. So wird der Wert von Duolingo heute mit 700 Millionen Dollar beziffert, die Nutzerzahlen sollen sich um die 200 Millionen Nutzer weltweit bewegen.

Die Duolingo-Startoberfläche. Hier werden Dir alle wichtigen Informationen zu Deinem Account und Deinem aktuellen Lernfortschritt angezeigt.

Doch sprechen nun wirklich 200 Millionen Menschen weltweit aufgrund des Online-Sprachkurses eine neue Sprache? Oder sogar mehrere, da es ja nicht wenige Nutzer gibt, die schon in mehreren bis vielen Fremdsprachen bis auf das höchste Level 25 aufgestiegen sind? Oder wie erklärt sich der enorme Erfolg der Applikation ansonsten?

Um diese Frage zu klären sehen wir uns am Besten zuerst einmal die Funktionsweise von Duolingo an, um uns der Antwort auf die Frage was Duolingo wirklich bringt ein Stück weiter zu nähern.

Wie funktioniert Duolingo?

Zu Beginn musst Du Dir zwingend ein Duolingo-Profil erstellen, denn ohne dieses ist die Nutzung der Online-Sprachkurse nicht möglich. Die Erstellung von Deinem Profil ist jedoch auf jeden Fall kostenlos und in einigen Augenblicken erledigt. Danach kannst Du auch schon loslegen.

Alle Duolingo-Sprachkurse sind ähnlich aufgebaut. Beginnend von Level 1 musst Du Dich durch verschiedene Lerneinheiten (Fähigkeiten genannt) arbeiten, um Level für Level aufzusteigen und schließlich irgendwann das höchste Level 25 zu erreichen. Diese Level entsprechen aber nicht irgendwelchen Sprachniveaus, sondern stellen lediglich Deinen Fortschritt innerhalb der Lernapplikation dar.

Hier siehst Du anhand des Beispiels Spanisch den grundsätzlichen Aufbau von Duolingo. Ein sogenannter Baum aus „Fähigkeiten“, welchen Du Lektion für Lektion und Fähigkeit für Fähigkeit hochklettern musst.

Eine Lerneinheit oder Fähigkeit ist dabei immer einem bestimmten Thema gewidmet. Das können einerseits allgemeine Themen wie Essen, Kleidung oder Fragen sein. Doch genauso spezielle wie bestimmte Gruppen von Verben, Zeitformen, Pronomen, Konjunktive oder Adjektive.

Innerhalb einer Einheit gibt es dann wiederum mehrere Lektionen (in der Regel zwischen 2 und 5), welche Du alle abschließen musst, um die Fähigkeit abzuschließen und mit der nächsten fortzufahren.

Innerhalb jeder Lektion übst Du eine bestimmte Anzahl an Wörtern, Phrasen und Ausdrücken mit Hilfe von verschiedenen Arten von Übungen. Du musst

  • hören (und teilweise nachsprechen),
  • schreiben,
  • lesen
  • und Mulitple-Choice-Fragen beantworten.

Im Gesamten beträgt der Duolingo-Wortschatz pro Sprache rund 2000 Wörter. Alle diese Tätigkeiten auch immer in beiden Richtungen, das heißt sowohl von Deiner Ausgangssprache in Deine Zielsprache (also zum Beispiel von Deutsch nach Englisch) als auch umgekehrt (von Englisch nach Deutsch).

Und natürlich kannst Du auch das Mikrofon und den Ton bei den Übungen abschalten. Falls Du zum Beispiel gerade in der U-Bahn oder im Wartezimmer vom Zahnarzt sitzen solltest und nicht möchtest, dass Deine komplette Umgebung mitbekommt, dass Du gerade Level 12 in Italienisch  abgeschlossen hast. Vielleicht solltest Du in so einer Situation sogar den Ton abschalten, um nicht übermäßig unhöflich zu wirken.

Für abgeschlossene Lektionen und Fähigkeiten erhältst Du eine gewisse Anzahl an Erfahrungspunkten (sogenannte „experience point“ oder XP). Die Anzahl der erhaltenen XP, sowie die Anzahl der erlaubten Fehler pro Lektion, unterscheiden sich einerseits zwischen den verschiedenen Übungsformen (normal, stärken, auf Zeit, freispielen), andererseits zwischen den verschiedenen Plattformen.

  • Duolingo-Desktop: 10 XP pro Lektion (normal) und unbegrenzte Fehlermöglichkeiten. Begehst Du einen Fehler geht lediglich der Fortschrittsbalken etwas zurück.
  • Duolingo-App für iOS oder Android: Ebenfalls 10 XP (normal), aber lediglich 5 erlaubte Fehler.
  • Duolingo-App für Windows Mobile: 3 Leben pro Lektion, bei dem vierten Fehler musst Du die Lektion wiederholen. Diese Variante existiert in der Desktop-Version auch noch für die Variante „Freispielen“ wie mir bei meinem Test aufgefallen ist. Bei dieser kannst Du anstatt aller Lektionen einer Einheit einfach diese „Challenge“ absolvieren, um die Einheit abzuschließen.

Je nachdem, wie motiviert Du bist, kannst Du Dir ein Tageslimit an verdienten Erfahrungspunkten festlegen. Das Minimum ist dabei ein XP, das Maximum sind 30. Wenn man bedenkt, dass man zum Absolvieren einer Lektion bei Duolingo circa 5 Minuten benötigt, dann ist meiner Meinung nach eine gute Einstellung 30 XP. Damit ergäben sich rein rechnerisch 15 Minuten Tagesaufwand.

Falls Du dieses selbst festgelegte „Limit“ erreichst, dann beginnt sich ein sogenannter „Streak“ aufzubauen. Nach dem ersten Tag hat dieser die Dauer 1. Mit jedem weiteren Tag, an welchem Du (ohne einen Tag zu pausieren) Dein Tagesziel erreichst, verlängert er sich um 1. Das heißt nach 30 Tagen ununterbrochenem Üben würde dein Streak 30 Tage betragen.

Lingots sind die virtuelle Duolingo-Währung, welche Du Dir durch fleißiges und regelmäßiges Üben verdienen kannst. Danach kannst Du diese für kleine Zusatzspiele oder für Interaktionen in der Community ausgeben.

Durch das Ausbauen Deines Streaks, sowie für das Abschließen von Fähigkeiten und Erreichen von einem neuen Level verdienst Du außerdem sogenannte Lingots. Lingots sind die virtuelle Duolingo-Währung, mit welcher Du in weiterer Folge bestimmte Extras erwerben oder auch Kommentare im Forum hochbewerten kannst. Umso mehr Lingots ein Kommentar bekommt, umso wahrscheinlicher ist es, dass es die Aufmerksamkeit der Duolingo-Mitarbeiter erregt und berücksichtigt wird.

Das Forum ist allen Nutzern zugänglich und dient nicht nur dem Austausch unter diesen, sondern ebenso mit dem Entwicklerteam. Wie Du siehst hat die Sprachenlern-App nicht wenig zu bieten und Du wirst Dich deshalb eventuell gerade fragen:

Was kostet Duolingo und wie wird Duolingo finanziert?

Prinzipiell sind die Duolingo-Sprachkurse umsonst. Natürlich ist die Entwicklung eines solchen Programms aber alles andere als kostenlos, weshalb sich selbstverständlich die Frage stellt wie Duolingo denn nun Geld verdient?

Nun wie bereits eingangs erwähnt war einer der Gründer, Luis von Ahn, schon als sehr junger Student sehr erfolgreich als Entwickler und Programmierer tätig und verkaufte nicht weniger als zwei komplette Unternehmen an den Google-Konzern. Doch anstatt sich auf den Lorbeeren (oder besser Geldscheinen) auszuruhen, investierte er lieber einen Teil seines Vermögens in das nächste Projekt – Duolingo.

Zusätzlich war das Vertrauen in den jungen Mann von Anfang an so groß, dass Duolingo nicht unwesentliche Summen von Investoren übertragen bekam, unter anderem von Timothy Ferris und Ashton Kutcher oder wiederum Google. Und schließlich erscheinen in der Anwendung selbst inzwischen mehr oder weniger unauffällige Werbeeinblendungen, welche bei der schieren Anzahl an Nutzern sicherlich nicht unerhebliche Summen in die Unternehmenskasse spülen.

Seit einer gewissen Zeit erscheinen bei Duolingo an verschiedenen Stellen der Benutzeroberfläche zielgruppengerechte Werbeeinblendungen. Wie bei mir zum Beispiel als spanischsprachiger Großinvestor.

Von dieser Werbung kannst Du Dich aber problemlos mit einer monatlichen Gebühr loskaufen, welche je nach Laufzeit zwischen 10 (1 Monat Vertragslaufzeit) und 7 Dollar (12 Monate) schwankt. Nicht ganz günstig, für das was im Endeffekt geboten wird, würde ich zumindest meinen.

Denn damit kaufst Du Dich im Endeffekt nur von Werbung frei, kannst Lektionen auf Dein Handy herunterladen (Duolingo offline nutzen) und unterstützt das Projekt. Immerhin ist das Unternehmen hier ehrlich, das kann man nicht bestreiten.

Duolingo offline zu nutzen ist ansonsten nur in begrenzten Ausmaß und nur über die App, nicht aber über die Desktop-Version, möglich. Im Endeffekt handelt es sich dabei um einen Puffer, falls Du während der Verwendung die Internetverbindung verlieren solltest.

Dieser sorgt dafür, dass Du zumindest die schon freigeschaltenen aber noch nicht abgeschlossenen Fähigkeiten weiter üben kannst. Bereits abgeschlossene Fähigkeiten zu wiederholen ist genauso wenig möglich wie neue Fähigkeiten freizuschalten.

Hier siehst Du die derzeit gültigen Duolingo-Preise (Januar 2018) für die verschiedenen Formen des monatlichen Abonnements.

Und last but not least arbeiten an Duolingo noch eine ganze Reihe Freiwilliger rund um den Globus mit. Diese übersetzen von Unternehmensseite vorgegebene Wörter, Sätze und Phrasen für die verschiedenen Sprachkurse.

Damit treiben sie nicht nur kostenlos den Ausbau des Angebots voran, sondern erwirtschaften nebenbei noch einen Gewinn, da diese Übersetzungen durchwegs von zahlenden Kunden wie etwa CNN und Buzzfeed genutzt werden. Ein Umstand, welcher eventuell auch nicht allen freiwilligen Helfern bewusst sein dürfte.

Welche Sprachen kann man mit Duolingo lernen?

Das hängt in erster Linie einmal stark von Deiner Ausgangs- oder Muttersprache ab, da die Erstellung neuer Kurse wie bereits erwähnt im Wesentlichen Freiwilligenteams von Nutzern aus aller Welt obliegt.

Diese müssen einerseits fließend in beiden Sprachen des Kurses sein, an dessen Gestaltung sie mitwirken wollen, andererseits darfst Du in der Regel nur in Deine Muttersprache übersetzen. Das heißt, falls Du deutscher Muttersprachler bist und zusätzlich fließend Russisch sprichst, dann dürftest Du für Duolingo Übersetzungen von Russisch nach Deutsch vornehmen.

So gibt es folglich für Englisch schon eine sehr breite Kombination an Sprachen – nicht weil die Britten oder US-Amerikaner so sprachbegabt wären, sondern ganz einfach weil Menschen in aller Welt Englisch sprechen. Wohingegen die Auswahlmöglichkeiten für Sprachen wie zum Beispiel Ungarisch oder Hindu schon weitaus geringer ausfallen. Für Deutschsprachige (oder auf Deutsch) stehen derzeit Spanisch, Englisch und Französisch zu Verfügung.

Für Deutsch gibt es bei Duolingo derzeit folgende drei Sprachen: Englisch, Spanisch und Französisch.

Natürlich kannst Du, falls Du bereits Englisch sprechen solltest, auch übers Eck lernen. Das heißt eine Kombination aus Englisch und einer Sprache wählen, welche Du gerne üben würdest, die aber in Kombination mit Deutsch nicht verfügbar ist.

Genauso kannst Du mit Duolingo zwei (oder mehr) Sprachen gleichzeitig lernen. Du musst dazu nur im Menü jeweils die Zielsprache ändern und schon wechselt der Baum mit den Einheiten und Fortschritten auf diese. Was Du dabei bedenken solltest ist, dass Du dann auch den doppelten Zeitaufwand einrechnen musst. Also statt zum Beispiel 15 dann eben 30 Minuten täglich.

Der Duolingo-Test – Was bringt Duolingo?

Ich persönlich habe Duolingo zum Spanisch lernen ausprobiert und ausgehend von meinen Erfahrungen möchte ich Dir nun folgende Frage beantworten: Ist Duolingo zu leicht oder kann man mit der App ernsthaft Sprachen lernen?

Duolingo ist prinzipiell sehr unterhaltsam und der große Erfolg seiner Sprachkurse ist aufgrund folgender Faktoren leicht zu erklären.

  • Kostenlose Nutzung.
  • Spielerische Art des Lernens mit stetigem Fortschritt und kleinen Erfolgserlebnissen. Du sammelst Erfahrungspunkte, steigst Level auf, sammelst Lingots und kannst diese in kleinen Zusatzspielen wieder riskieren, Dein Streak verlängert sich und möchte aufrechterhalten werden. All diese Faktoren sorgen dafür, dass Du am Ball bleibst.
  • Community: Jeder Nutzer kann aktiv an der Gemeinschaft bis hin zu der Mitarbeit an neuen Kursen teilnehmen. Das Forum ist sehr aktiv, es herrscht ein reger Austausch nicht nur zwischen den Lernenden, sondern genauso mit dem Entwicklerteam. Des Weiteren kannst Du in sozialen Medien wie Facebook sehen, welche Deiner Freunde genauso mit Duolingo Sprachen üben und mit diesen in „Wettbewerb“ treten. Ein weiterer wichtiger Faktor, damit Du die Motivation nicht verlierst.
  • Ständige Weiterentwicklung: Das Kursangebot wird genauso ständig erweitert und aktualisiert, wie das Programm selbst. Dabei können die Nutzer durch den stetigen Austausch mit dem Team bis zu einem gewissen Grad mitbestimmen in welche Richtung die Entwicklung vorangetrieben wird.

So weit, so gut – doch reichen diese gesammelten Faktoren wirklich aus, um eine Sprache fließend sprechen zu lernen? Ich kann aufgrund meiner Erfahrungen mit Duolingo nur sagen – nein, natürlich nicht. Denn dazu reicht es nun einmal nicht aus täglich ein paar Minuten im Endeffekt recht monotone Übungen am Computer oder Smartphone auszuführen, welche sich nur durch die zu übenden Vokabeln und Phrasen unterscheiden. Zusätzlich sind die Übungen recht wahllos zusammengewürfelt und in keinster Weise irgendwie aufeinander aufbauend oder sonst irgendwie verknüpft.

Auf diese Art und Weise wirst Du Dir zwar einen gewissen Grundwortschatz  (im besten Fall bis zu den maximalen 2000 Wörtern, welche jeder Sprachkurs beinhaltet) und somit auch ein gewisses Grundverständnis für die Sprache aufbauen. Dieses wird ausreichen, um den Sinn von einfachen Texten, Konversationen und auch Liedern zu verstehen. Zum Erlernen der Sprache und vor allem dem fließend Sprechen ist dies jedoch zu wenig.

Denn um eine Sprache sprechen zu lernen, musst Du diese in erster Linie einmal selbst sprechen. Und dazu ist es nicht ausreichend kurze Sätze oder Phrasen nachzusprechen, sondern Du musst Sprache wirklich selbst produzieren. Dich an Vokabeln erinnern, diese zu Sätzen verknüpfen und dabei die entsprechenden grammatikalischen Regeln anwenden.

Die Bots sollen in Zukunft das übernehmen, was Duolingo bisher am meisten abgeht – Sprechtraining.

Zwischenzeitlich wurden von Seiten der Entwickler sogenannte Duolingo-Bots vorgestellt, welche genau diese Funktion übernehmen sollen. Diese Bots sind im Moment für drei Sprachkombinationen verfügbar: Englisch – Deutsch, Englisch – Französisch und Englisch – Spanisch.

Falls Du die normale Duolingo-App am iPhone (nicht für Android!) hast, dann lassen sich die Bots bereits nutzen. Du musst nur die Ausgangssprache auf Englisch umstellen und danach eine der drei erwähnten Zielsprachen auswählen.

Ich persönlich bin bei diesen Bots noch etwas zurückhaltend, da diese einerseits natürlich nur ein eingeschränktes Repertoire an Antwort- und Fragemöglichkeiten besitzen. Und ich andererseits nicht nur deshalb der Meinung bin, dass ein Computer (noch) keinen echten Tandempartner ersetzen kann. Was die Zukunft in dieser Hinsicht bringen wird – seien wir gespannt.

Genauso wird Dir immer das Verständnis für die grammatikalischen Regeln der Fremdsprache fehlen. Weil Du diese zwar (in einem beschränkten Rahmen) anwendest, aber nie die zugrundeliegenden Regeln lernst. Nicht, dass ich dem sturen Auswendiglernen von Grammatik jetzt allzu Gewicht verleihen möchte, doch zumindest gehört solltest Du sie einmal haben.

Mit Duolingo wirst Du zwar zu Beginn schnell Fortschritte machen, doch genauso schnell wirst Du dann auch an Deine Grenzen stossen.

Ein höheres Sprachniveau wie A2 wirst Du mit der alleinigen Hilfe von Duolingo also nur schwer erreichen können. Und natürlich schmückt sich das Unternehmen gerne damit, dass seine Methode wissenschaftlich nachgewiesen effektiv ist.

Doch erstens muss hier dazugesagt werden, dass diese Studie von Duolingo selbst in Auftrag gegeben und dementsprechend bezahlt wurde. Und in dieser zweitens lediglich untersucht wurde, wie schnell der vermittelte Lernstoff von den Nutzern aufgenommen wurde.

Dabei wurde ein Vergleich mit Einführungskursen an US-Universitäten angestellt (entsprechen Sprachniveau A1 und A2), in welchem die Fähigkeiten Hören und Schreiben überprüft wurden. Sprechen zum Beispiel nicht.

Fazit – Meine persönliche Duolingo-Bewertung.

Wie bereits erwähnt reicht Duolingo alleine meiner Meinung nach nicht aus, um eine neue Sprache zu lernen. Warum ich sage alleine? Weil es trotz allem eine gute Ergänzung sein kann (oder ein guter Anfang, wie im vorherigen Kapitel beschrieben).

Falls Du eine Fremdsprache bereits beherrscht und diese aktiv halten möchtest, dann kann die tägliche Auseinandersetzung mit dieser durchwegs vorteilhaft sein, auch wenn es sich nur um recht einfache Übungen und Spiele handelt. Trotzdem solltest Du dabei noch auf andere Dinge setzen, wie zum Beispiel Bücher, Hörbücher, Filme, Videos, Podcasts und Musik.

Genauso kann es eine gute Ergänzung zu einem ernsthaften Sprachkurs oder Deiner eigenen Lernroutine außerhalb von einem solchen sein. Manchmal bleibt eben nur wenig Zeit oder Deine Motivation ist gerade nicht besonders hoch. In diesem Fall kann eine Sprachenlern-App wie Duolingo eine gute Möglichkeit sein, um nicht komplett auszusetzen und damit die Routine beim Sprachen lernen zu verlieren.

Die Flashcard-Anwendung Tinycards eignet sich recht gut, um zwischendurch und unterwegs alle möglichen Lerninhalte (wie Vokabeln) zu üben. Besonders gut gefällt mir die kostenlose Bereitstellung von Bildmaterial zu einer Vielzahl von Begriffen.

Eine ebenfalls noch recht neue Anwendung von Duolingo, welche Du gut dazu nutzen kannst, ist die unternehmenseigene Flashcard-Applikation Tinycards. Mit dieser kannst Du von anderen Nutzern erstellte Kartensets üben oder auch Deine eigenen Sets erstellen.

Der Vorteil des Duolingo-„Vokabeltrainers“ ist dabei, dass Du Dir zu jeder neu erstellten Karte auch immer gleich ein passendes Bild aussuchen kannst. Und in Kombination mit einem passenden Bild merkst Du Dir neue Wörter bei weitem schneller. In Anführungszeichen habe ich Vokabeltrainer deshalb gesetzt, weil Du mit Tinycards ja nicht nur Vokabeln, sondern jeglichen Lernstoff wiederholen kannst.

Babbel vs Duolingo – was ist besser?

Eine Frage, die ich schon öfter gehört habe ist „Was ist besser – Babbel oder Duolingo?“. Diese kann man in meinen Augen aber nicht pauschal beantworten. Je nachdem, was Deine persönlichen Ansprüche sind, kann die eine oder die andere Sprachenlern-App von den beiden besser für Dich geeignet sein.

Meiner Meinung nach ist zwar keine der beiden alleine dafür ausreichend, um eine neue Sprache zu lernen, aber als Ergänzung oder Erweiterung sind sie sehr wohl geeignet. Ich habe Dir deshalb die wichtigsten Charakteristika der beiden Anbieter in der folgenden Tabelle kurz gegenübergestellt.

 BabbelDuolingo
KostenCirca 5 Euro pro MonatKostenlos
Dauer pro Lektion10 Minuten5 Minuten
Schwierigkeit der ÜbungenEinfach – MittelEinfach
Qualität der ÜbungenMittel – HochNiedrig
AbwechslungsreichtumMittelNiedrig
GrammatikerklärungenJaNein
Eigener VokabeltrainerJa (füllt sich selbst)Ja (muss befüllt werden)
Erreichbares Sprachniveau (alleine mit dem jeweiligen Programm).B1A2

Wie Du siehst wird Duolingo vor allem dann für Dich geeignet sein, wenn Du auf der Suche nach einer kostenlosen und einfachen Methode bist, um bereits vorhandene Sprachkenntnisse zu trainieren. Oder eine Ergänzung zu einem hochwertigeren Sprachenlernprogramm für Tage mit wenig Zeit und/oder Motivation suchst, dass Dich ebenfalls nichts kostet, wobei Deine Ansprüche im Allgemeinen aber eher gering sind. Genauso gering ist ebenso der mit Duolingo verbundene Zeitaufwand.

So kurzweilig sie auch sein mögen – besonders anspruchsvoll oder hochwertig sind die Duolingo-Übungen nun einmal nicht.

Babbel (hier kannst Du übrigens unseren ausführlichen Babbel-Test nachlesen) ist zwar kostenpflichtig, bietet Dir dafür aber auch bei weitem mehr und gar nicht so wenig. Babbel alleine wird zwar genauso wenig ausreichend sein, um Deine Wunschsprache zu lernen – doch aufgrund des umfangreicheren und hochwertigen Angebots kannst Du Dir mit einem Babbel-Sprachkurs eine gewisse Basis schaffen. Falls Du diese mit den richtigen Dingen ergänzt, dann kann Dich der Duolingo-Konkurrent durchwegs zum Ziel führen. Natürlich auch mit etwas mehr Aufwand (vor allem an Zeit) wie Duolingo.

Ich persönlich würde an Duolingo zusammenfassend 3,5 von 5 möglichen Sternen vergeben:

Hier nachlesen: Duolingo im Vergleich mit weiteren bekannten Apps zum Sprachen lernen.

Damit wäre ich am Ende meines Duolingo-Tests. Was denkst Du darüber? Findest Du meine Duolingo-Bewertung gerechtfertigt oder bist Du anderer Meinung? Über Deine Meinung, Anregungen und Kommentare freue ich mich wie immer sehr!

Jeremy-James Peter :Jeremy-James Peter - Österreicher und Agrarwissenschaftler. Nachdem er eine Zeit lang in der Forschung tätig war, wollte er noch einmal etwas Neues erleben und ist ohne Plan, Rückflugticket und Spanischkenntnisse nach Südamerika aufgebrochen. Heute spricht er nicht nur Spanisch, sondern schreibt auch für Sprachheld.

Kommentare ansehen (20)

  • Hallo Jeremy-James,
    habe gerade deinen Beitrag gelesen. Jeden Tag nutze ich als Ergänzung die App. Ich kann dir nur zustimmen. Nur die App wird nicht funktionieren, aber als Ergänzung ist das in Ordnung. Motivierend finde ich den Club. Jede Woche treten alle Teilnehmer gegen einander hinsichtlich, wer hat die meisten XP der Woche, an. Ich hatte mir mal das Ziel gesetzt, in einer Woche zu gewinnen. Da ich nicht alleine scheinbar das Ziel hatte, war das ein harter Kampf mit einem anderen Nutzer bis kurz vor Mitternacht. So viele Lektionen habe ich nie wieder gemacht bei Duolingo. Guter Beitag.

    • Guten Tag Dir Uwe,
      und vielen Dank zuerst einmal für das Lob - freut mich, dass Dir mein Beitrag mit dem Duolingo-Erfahrungsbericht gefallen hat - und Deine Ergänzungen beziehungsweise eigenen Erfahrungen. Und, wer hat dann schlussendlich gewonnen? Und ja, wie Du das richtig angemerkt hast, sind genau das die Stärken von Duolingo. Durch seine spielerische Art (oder eigentlich ist es ein Spiel mit dem man Vokabeln und Phrasen in einer Fremdsprache übt) in Kombination mit dem Gemeinschaftseffekt wird die Motivation hoch gehalten etwas zu tun. Auch um täglich etwas zu tun - damit der Streak nicht abreißt, man den Anschluß an die Mitstreiter nicht verliert, das Level nicht wieder sinkt. Die beiden Gründer sind ja Informatiker, deren Spezialgebiet das Lernen von Computern (künstlicher Intelligenz) im Austausch mit Menschen in Form von Spielen ist. Aber ist ja per se nichts Schlechtes und wie gesagt, seinen Zweck erfüllt die Duolingo-App ja. Schade finde ich nur dann immer, wenn jemand eine zu hohe Erwartungshaltung an Programme wie Duolingo (oder ähnliche wie Babbel) hat und dann enttäuscht ist. Dann Dir weiterhin noch viel Erfolg beim Sprachenlernen - was immer Du auch gerade für eine Sprache lernst und vielen Dank noch einmal für Dein ausführliches Kommentar!

  • Hallo Jeremy-james,
    Gut zu wissen und ein herzliches Dankeschön für deine Erläuterungen.
    Viele deine Anmerkungen kann ich sehr gut nachvollziehen, bzw. bestätigen.
    Für mich, der sich künftig häufiger in Spanien aufhält, zumindest eine gute Möglichkeit die Sprache soweit zu lernen, als dass ich im Alltag nicht ganz dumm dastehe.
    Oder?
    Nochmals vielen Dank
    Eric

    • Guten Tag Dir Eric,

      und vielen Dank zuerst einmal für Dein Kommentar und dein Lob.

      Und wie gesagt - meine Einschätzung zu Duolingo ist die folgende: Um sich einen Grundwortschatz und ein Grundverständnis der Sprache (in deinem Fall Spanisch) anzueignen ist es sicherlich geeignet. Inwieweit das dann allerdings ausreichend ist, um ein Gespräch zu führen, wage ich dann schon wieder zu bezweifeln.

      Darum meine Frage - was ist Dein Ziel damit? Dich in Spanien zurechtfinden, den Sinn von Gesprächen verstehen und selbst einfache Konversationen führen? Dafür reicht Duolingo sicherlich völlig aus. Echte Gespräche, die über das Bestellen von Essen oder dem Fragen nach einem Weg hinausgehen? Dafür solltest Du Dich eventuell nach einer anderen Möglichkeit zum Spanisch lernen umsehen.

      Es gibt inzwischen eine Riesenvielfalt an Lernhilfen für nahezu alle Sprachen. Die meisten davon haben auch Ihre Vorteile (neben Nachteilen) - die Kunst oder Schwierigkeit liegt also darin die für einen passende zu finden. Und dafür sollte man sich immer zuerst die Frage stellen "Was will ich mit der Sprache erreichen, was sind meine Ziele und welcher Grad der Sprachbeherrschung ist dafür ausreichend?".

      Übrigens: Wir haben auch schon einiges an Spanisch-Lernmaterial zusammengestellt (und arbeiten an weiterem). Findest Du ganz einfach, wenn Du am Fuß der Seite in die Suchmaske "Spanisch" eingibst.

      Ansonsten viel Spaß beim Spanisch lernen und weiterhin eine gute Zeit in Spanien.

      LG, Jeremy-James

  • Hey!

    Ich habe vor etwa einem Jahr nach einem Irisch-Sprachkurs gesucht. Gefunden hab ich ihn für lau bei Duolingo. Seitdem sitze ich täglich in der Bahn zur Arbeit und arbeite 1 bis 2 Lektionen durch. Sprechen kann ich nach wie vor nicht, aber zumindest vermittelt Duolingo einen guten Eindruck von der Sprachstruktur.

    Dennoch gibt es hier einiges zu kritisieren:

    1. Die App selbst erklärt nichts. Ausspracheregeln, besonders bei "seltenen" Sprachen wie dem Irischen, sucht man hier vergeblich. Die Desktop-Version verschafft in Sachen Grammatik zwar Abhilfe, aber das auch nur punktuell. Dass es z.B. "schlanke" und "breite" Vokale gibt, wird zwar erwähnt, aber dass davon die Aussprache einer und derselben Silbe abhängt, wird nur angerissen.

    2. Der Vergleich mit Wikipedia ist gar nicht verkehrt. Nicht nur, was das Demokratie-Prinzip der Kurse angeht, sondern bezüglich der Subjektivität der Informationen. Da ich in der Schule bereits etwas Spanisch und Französisch gelernt hatte, wurde ich auf einen Rumänisch-Kurs aufmerksam (vorausgesetzt, man spricht Englisch, erhöht sich die Auswahl an Kursen ungemein).

    Dort ist mir aufgefallen, dass nur erläutert wird, was die Macher eines Kurses für wichtig erachten. Das führt dann auch zuweilen dazu, dass Verben auftauchen, die im "normalen" Sprachgebrauch eher selten verwendet werden (weil sie z.B. eher in einem intellektuellen Kontext auftauchen). Auch manchen Konjugationen haben sich im Nachhinein als schlichtweg falsch erwiesen (offenbar prüft Duolingo seine Kurse nicht mehr, sobald sie freigegeben sind).

    3. Auch die didaktische Tiefe der Sprachkurse ist sehr unterschiedlich: Gibt es bei Französich (für deutschsprachige Lerner) u.a. Hörverständnis-Übungen, wird im Rumänischen wenigstens noch jedes Wort vorgelesen, wenn man es einzeln anklickt. Im Irischen hingegen fehlt selbst das. Es werden weniger Sätze (und dann auch nur im Ganzen) vorgelesen. Also: Wo liegt die qualitative Messlatte, ab wann ein Kurs veröffentlicht werden kann?

    Das gleiche gilt auch für die (ohnehin schon spärlichen) Erläuterungssektionen. Sowohl in der App als auch am PC gibt es irgendwann einfach keine Erklärungen mehr. Warum Dinge sind, wie sie sind, welche grammatikalischen Überlegungen der Übung zugrunde liegen, verschweigt Duolingo seinen Lernen ab einem bestimmten Zeitpunkt (der aber auch nicht überall gleich liegt).

    A propos "Qualitätsmanagement": Irgendwer der Nutzer kam auf die glorreiche Idee, Kurse in Klingonisch und Hoch-Valyrisch zu erstellen. Aber auf einen Finnisch-Kurs darf nach wie vor gewartet werden. Diese Sichtweise ist natürlich rein subjektiv. Allerdings dürften mehr Menschen im Alltag Finnisch sprechen als es Klingonen oder Valyrer gibt... Also: Welche Maßstäbe setzen die Kollegen an?

    4. Darüber hinaus bin ich mir auch nicht sicher, ob die Aussprache immer so "richtig" ist, da z.B. bei YouTube irische Muttersprachler dieselben Wendungen anders aussprechen. Was auch Seiten mit Sprachaufnahmen einzelner irischer Wörter belegen...

    Fazit: Am besten eignet sich Duolingo, um verschüttete Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen. Wenn man eigentlich keine Grammatik mehr braucht und die Aussprache grundsätzlich klar ist.

    Um allein damit eine komplett neue Sprache zu lernen, ist es eher ungeeignet. Aber, wer sich für eine Sprache interessiert, sollte sich ohnehin mit mehr beschäftigen als nur einem Sprachkurs. Mithilfe von YouTube, Internet-Radiostationen oder Apps zum bilingualen Austausch (z.B. Speaky) lassen sich die ersten Kenntnisse schon vertiefen. Und im besten Fall lernt man darüber auch echte Menschen kennen, die einem bei Fragen gern und kostenlos weiterhelfen.

    Gruß, O.

    • Guten Tag Dir Ole,

      und vielen Dank Dir für Dein ausführliches Kommentar, sowie Deine persönlichen Erfahrungen mit den verschiedensten Duolingo-Versionen.

      Und natürlich hast Du recht, dass Duolingo (so wie jede Sprachenlern-App im Allgemeinen) alleine nicht geeignet ist, um eine neue Sprache zu lernen. Diese können immer nur eine (mehr oder weniger umfangreiche) Ergänzung sein.

      Die Optionen für Sprachaustausch, welche Du angeführt hast, sind schon sehr gut. Denn ja, wer suchet, der findet. Auch kostenlose und trotzdem sehr gute Möglichkeiten, um online eine Sprache zu lernen.

  • Einen schönen Guten Tag,

    im Prinzip bestätigst du den Eindruck, den auch ich von Duolingo nach einigen Jahren Nutzung habe.
    Ich hatte vor ca. vier Jahren mal mit Französisch angefangen. Ich hatte diese Sprache nie in der Schule gelernt, ab 2003 aber mit Hilfe von ASSIMIL doch einen gewissen Einblick in die Sprache bekommen.

    Der Vorteil am Duolingo(-kurs Französisch für Deutsche) war, dass sich einfache Begriffe und einfache Sätze auch mal mit etwas längeren Sätzen abwechseln. Jedoch habe ich den Eindruck, dass der Lerneffekt bei der App doch um einiges geringer ist, vor allem, was das Schreiben angeht. Es ist klar, als Handynutzer ist Texteeintippen etwas mühsamer und daher setzt Duolingo dort eher auf Satzbildung durch Wortbausteine.

    Aber die Qualität eines Kurses steht und fällt mit der Qualität der Kursautoren. Denn zu Beginn war auch beim Französischkurs nicht alles perfekt. So gibt es ja im Französischen drei Formen der Fragestellung:
    1. Est-ce que,.. [Satzstellung wie Aussagesatz]
    2. [Satzstellung wie Aussagesatz] nur eben mit Fragezeichen am Ende
    3. Inversion: zuerst das Verb, dann das Pronomen, ähnlich der deutschen Entscheidungsfrage.

    Und bei vielen Fragen war stets nur eine Variante als richtig gewertet worden. Da mussten die Kursautoren auf etliche Vorschläge von Nutzern reagieren. Immerhin taten sie das auch recht zeitnah. Aber es kommt auch schon mal vor, dass auf manche Kritiken nie reagiert wird, nicht einmal mit einer Erklärung, warum.

    Ein hingegen geradezu abstossendes Beispiel ist der Kurs Ungarisch für Englischsprachige.

    Als der Kurs vor zwei Jahren an den Start ging, hatte man den Eindruck, dass die Kursautoren zwar Ungarisch konnten, aber beim Englisch gabs derart viele hanebüchene Formulierungen. Teilweise musste man sich da aber fragen, ob das Englisch extra "verbogen" formuliert wurde, weil gewisse grammatische Eigenheiten des Ungarischen im Englischen eigentlich gar nicht ausdrückbar sind. Immerhin, die meisten Probleme dieser Art davon konnten inzwischen behoben werden.

    Zweites grossen Manko: die Kursautoren hatten alle ungarischen Sätze immer nur in einer Variante hinterlegt. So ist als englisches Wort für "schön" immer nur "beautiful" akzeptiert wurden, aber nicht "nice". Man hat also Synonyme völlig ausser Acht gelassen. Auch da hat sich der Kurs inzwischen gebessert.

    Drittes Manko: Man hat ungarische Sätze immer nur in einer Satzstellungsfolge als richtig akzeptiert. Das Ungarische ist aber in dem Punkt sehr flexibel. Und ohne Kontext, wie die Sätze nun mal daherkommen, ist gar nicht klar, was im Satz das Wichtigste sein soll. Auch das führte zu jeder Menge Verwirrung und Kritik.

    Viertes Manko: Man wird bereits auf sehr früher Stufe mit Hauptsatz-Nebensatz-Konstruktionen konfrontiert, ganz ohne jede Erklärung. Das sind dann Sätze in der Art wie: "Diejenigen, die zwischen den roten Taxis und den gelben Bussen herumlaufen, sind keine Studenten." oder "Die bunten Kissen, die von jenem Schrank dort herunterfallen, sind nicht bunt sondern hässlich."

    Viertes Manko: Die Kursautoren gefielen sich darin, sehr lange Sätze einzubauen, also mehr als zehn Wörter. Manche Lektionen bestehen praktisch nur aus Bandwurmsätzen. Und jetzt lese man sich nochmal durch, was ich als Drittes Manko aufgeführt habe. Ein Originalbeispiel: "These bugs are not coming out from under those beds which you are lying in, but from behind the wardrobe in which there are many clothes."

    Fünftes Manko: Die Kursautoren machten sich einen Spass daraus, in den Kurs Running Gags einzubauen - die auf Dauer einfach nicht mehr lustig sind. Ständig ist die Rede von fliegenden oder herumschreienden Kindergärtnerinnen, schwarzen Autos, herunterfallenden Kissen... gegen Ende des Kurses fangen sogar Putzfrauen ("cleaning ladies") an zu fliegen usw. Beispiele im Original: "The twenty-fourth kindergarten teacher is not walking on the sidewalk either, but she is flying above the city."

    Sowas kann man einfach nicht ernst nehmen. Die einzigen, die sich hier Mühe geben, sind die Kursteilnehmer, die ungarisch beherrschen und im Forum versuchen, den halbverzweifelten Lernenden die eine oder andere Regel zu erklären.

    Und die natürlich unermüdlich Satzkorrekturen oder weitere korrekte Varianten vorschlagen. Hin und wieder bekommt man ja Rückmeldung von Duolingo: "Wir akzeptieren nun auch deine Variante von..." usw. In letzter Zeit bekam ich etliche dieser Rückmeldungen, von denen ich gar nicht mehr wusste, wann ich sie mal abgesendet habe.

    Tja, und Duolingo sagt gar nichts dazu. Aber alle Welt weiss nun, warum Ungarisch so furchtbar schwer zu erlernen ist: weil es angeblich voll von so komplexen wie sinnlosen Sätzen ist.

    • Guten Tag Dir Andreas, und vielen Dank Dir für Dein nicht nur sehr ausführliches und aufschlussreiches, sondern ebenso unterhaltsames Kommentar. Es freut mich immer wieder, wenn ich eine etwas umfangreichere Rückmeldung auf einen meiner eigenen Beiträge bekomme.

      Und weil ich gesehen habe, dass Du eine eigene Seite zum Thema Ungarisch lernen hast - falls Du möchtest bist du gerne eingeladen, unseren Lesern das Ungarische einmal in Form eines Gastbeitrages etwas näher zu bringen. Wir freuen uns immer über qualitativ ansprechende Beiträge von Gastautoren.

      LG, Jeremy-James

  • Hallo,
    Ich finde die Bewertung gut und fundiert, aber der persönliche Faktor ist wenig berücksichtigt. Ich habe babbel und duolingo, nutze aber fast nur duolingo. Babbel finde ich zu 'oberlehrerhaft', da vergeht mir der Spass. Aber ohne jede grammatikregeln zu erklären, wird's wirklich schwierig mit einer neuen Sprache. Ich hatte französisch vor einigen Jahrzehnten in der Schule, und zum auffrischen und ergänzen finde ich duolingo einfach toll..wenns in der Schule soviel Spass gemacht hätte, bräuchte ich das jetzt sicher nicht..dass es hilft, habe ich dieses Jahr in Frankreich erfolgreich getestet. Babbel erinnert mich zu sehr an schulische Lektionen - mag ja sein, dass die Qualität besser ist, aber wenn man gar nicht so weit kommt, mangels Lust, hilft das wenig.. aber ehrlich gesagt, wenn ich eine Sprache ernsthaft lernen will (oder muss) brauche ich einen Sprachkurs. Für Urlaub etc. Ist duolingo unschlagbar

    • Vielen Dank Dir Irene für Dein ausführliches Kommentar. Und schön zu hören, dass Dir Duolingo Spass macht, vor allem auch mehr als Babbel, wenn es doch die (und eine der wenigen) kostenlosen Sprach-Apps ist. Und Du hast sicher Recht, dass die Entscheidung was besser ist - Babbel oder Duolingo - sicherlich auch eine persönliche ist. Ich habe in meinem Beitrag versucht eine möglichst objektive Sicht, rein vor dem Hintergrund, mit welcher der beiden Apps man größere Fortschritte ausgehend von nicht vorhandenen Sprachkenntnissen, machen kann. Ich hoffe, das ist mir gelungen. LG, Jeremy-James

  • Hallo Jeremy,
    Vielen Dank für Deinen interessanten Bericht.
    Mir geht es ein bisschen wie Irene Becker: Duolingo ist einfach sehr attraktiv und hält mich bei der Stange.
    Ich mache zusätzlich einen Sprachkurs, versuche die Blumen des Koran auf französisch zu lesen und zu hören und habe auch mal wieder einen Songtext (Zaz, je veux) auswendig gelernt.
    Meine Erfahrung mit Duolingo ist, dass ich vor lauter Streak sammeln und Wettbewerb häufig ein bisschen zu ungeduldig durch die Lektionen hetze.
    Ich versuche zunehmend, mir bestimmte grammatikalische Regeln nebenher aus Büchern zu ergänzen. Die neue Idee von Duolingo, sich nach einer Lektion möglichst viele Sätze nochmal aus dem Kopf aufzuschreiben bringt, glaube ich, auch etwas.
    Duolingo ist für mich also eine super Motivationsmaschine, die sich leicht aufmotzen lässt, wenn man mit den kleinen Sätzchen noch ein bisschen arbeitet.

    • Guten Tag Dir Alexander und vielen Dank Dir zuerst einmal für Dein ausführliches Kommentar.

      Und so wie Du das beschreibst macht Duolingo sicherlich auch Sinn. Als Ergänzung zu weiteren Lernmethoden und -materialien. Vor allem, falls man mal nicht so besonders motiviert ist und sich trotzdem zumindest ein bisschen mit der Sprache auseinandersetzen möchte.

      Den Zeitdruck bei Wettbewerben und um Streaks aufrecht zu erhalten, ist so wie Du das ebenfalls anmerkst sicherlich nicht förderlich. Das mit dem Aufschreiben von Sätzen aus dem Gedächtnis nach jeder Lektion hingegen sicherlich schon.

      Na dann, weiterhin viel Erfolg Dir mit dem Französisch lernen - aber Du da ja anscheinend alles richtig machst, wirst Du den sicherlich haben.

      LG,

      Jeremy-James

  • Der Niveauvergleich war für mich sehr aufschlussreich. Duolingo war für mich ein super Wiedereinstieg, reicht mir aber nicht aus. Ständige Wiederholungen von Vokabeln, die man kaum braucht und essentielle tauchen zu wenig auf. Es sind zudem viele Fehler eingebaut, die trotz Meldungen nicht korrigiert werden. Ich werde dennoch dabei bleiben, weil es Spaß macht und noch Babbel dazu buchen. Zudem habe ich mir bereis eine Menge Lernmaterial besorgt. Für den kaufmännischen Bereich kann ich auch das kostenfreie owad.de empfehlen. Im Sommer mache ich Urlaub an der englischen Küste, um Spaß mit einem hoffentlich guten Lerneffekt zu verbinden.

    • Guten Tag Dir Edeltraud und vielen Dank für Dein ausführliches Kommentar und auch für die Ergänzung mit owad.de. Falls Du nach einer Ergänzung zu Duolingo suchst, interessiert Dich vielleicht unser Vergleich der bekanntesten Sprachlern-Apps (in welchem Babbel und Duolingo auch vorkommen).

      Dir auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg beim Englisch lernen und viel Spaß an der englischen Küste.

      LG,

      Jeremy-James

  • Hallo, Jeremy-James,

    Deine Meinung zu Duolingo (und die von anderen Nutzern) habe ich mit Interesse gelesen.
    Ich bin derselben Meinung wie Du, dass Duolingo allein nicht ausreicht, um eine
    Fremdsprache zu erlernen, selbst wenn schon gewisse Vorkenntnisse in dieser Sprache
    vorhanden sind. Es wird einem - fälschlich - vorgegaukelt, wenige Minuten am Tag würden
    genügen, um die fremde Sprache irgendwann einmal zu beherrschen. Nein, dafür ist Duolingo
    definitiv ungeeignet. Ich kann keinerlei vernünftiges didaktisches Konzept erkennen.
    Grammatikalische Hinweise? Fehlanzeige. Es scheint nur darauf angelegt zu sein, dem Nutzer
    durch das Erreichen sinnfreier "Punkte" einzureden, er habe Fortschritte gemacht. Ich bin
    im Spanischen etwa auf A2-Niveau und habe mich, eher just for fun, darauf eingelassen, ein
    paar Lektionen von Duolingo durchzuarbeiten. Klar, das ging bei mir ruckzuck, aber die
    Fortschritte scheinen sich im bescheidensten Rahmen zu bewegen. Schier endlose
    Wiederholungen, bis es anscheinend auch der Allerdümmste oder sprachlich Unbegabteste
    verstanden hat. Sätze, die man dann im echten Leben gebrauchen kann, sucht man hier
    meist vergeblich - oder sollten die irgendwann doch noch kommen? So darf man
    stattdessen gefühlte 50 mal vom Deutschen ins Spanische (und vice versa) übersetzen,
    "Elefanten sind grau" und "Katzen fressen Enten". Klar, braucht man auch
    täglich...Irgendwie kam ich mir fast vor wie der berühmte Hamster in seinem Rad, er läuft
    und läuft, so schnell er kann... und kommt doch nicht von der Stelle. Wer lediglich in eine fremde Sprache hineinschnuppern will ohne den Ehrgeiz, sie auch wirklich lernen zu wollen, für den mag Duolingo als Einstieg passend sein. Allen anderen möchte ich lieber zu einem anderen Sprachlernprogramm raten. Als weitaus bessere Alternative zu Duolingo möchte ich Rosetta Stone empfehlen. Eines der besten und, allerdings, teuersten Programme, aber ich bin auf eine abgespeckte Version gestoßen, die man mit etwas Glück gratis nutzen kann. Wer Mitglied bei einer Stadtbibliothek ist, die "e-learning"-Kurse anbietet, wird dort wahrscheinlich auf Rosetta Stone und seine "Immersionsmethode" treffen. Wie ein Kleinkind wird man dort an die fremde Sprache herangeführt. Es gibt keinerlei Übersetzungen in der Muttersprache, alles wird nur durch Bilder erklärt. Klingt seltsam, aber funktioniert. Freilich, auch hier wird man an Grenzen stoßen, wenn Fragen auftauchen. Das Programm ist ziemlich realitätsnah orientiert, fliegende Elefanten und zeitunglesende Enten kommen hier nicht vor. Im Laufe des Kurses, der immerhin bis zum B1-Niveau führen soll, wird man früher oder später unweigerlich zu einer Grammatik greifen müssen. Da empfehle ich für die Interessierten die Webseite http://www.spanisch-lehrbuch.de, selbst ein umfangreicher, aber kostenloser Sprachkurs, vielleicht zu umfangreich für den Anfänger. Und was das Wörterlernen betrifft, ohne das kein seriöser Sprachkurs auskommt, so empfehle ich z.B. die App ankidroid (gibt's auch für PC), ebenfalls für lau, wo man nach dem guten, alten und bewährten Karteikartensystem seine Vokabeln lernen kann. Kann ich nur empfehlen!! Unbekannte Wörter kann man schnell bei https://de.pons.com/ nachschlagen. Mein Resümee: Wer eine Sprache ernsthaft lernen will, ohne dafür viel Geld auszugeben, sollte von Duolingo Abstand nehmen. Der Zeitaufwand steht in keinem Verhältnis zum erreichbaren Lernerfolg. VG, K.B.

    • Guten Tag Dir Klaus und vielen Dank für Dein genauso ausführliches wie fundiertes Kommentar. Demzufolge kann ich da auch nicht mehr viel hinzufügen, sondern Dir im Wesentlichen nur rechtgeben. Sowie Dir weiterhin viel Erfolg beim Spanisch lernen wünschen und Dich darauf hinweisen, dass der Rosetta Stone Test hier auch in Bälde veröffentlicht wird. LG, Jeremy-James.

  • Hi Jeremy, ganz ausgezeichnete Auswertung! Ich würde nur die unterschiedlichen Motive, sich mit einer Sprache auseinanderzusetzen, stärker berücksichtigen. Für die Leute, die für den Urlaub über "obrigado", "gracias", "chiao" oder"efcharisto" ein bisschen hinaus wollen, (wie mich) langt's allemal.
    Gruß Joe

    • Guten Tag Dir Joe, und vielen Dank Dir für Dein Kommentar. Und wie bereits erwähnt für ein grundsätzliches Sprachverständnis und eine genauso grundsätzliche Verständigung, wie z. B. bei einer kurzen Urlaubsreise, kann Duolingo ausreichend sein. Die Frage ist hald, ob ich mir dann den dazu doch recht großen Aufwand mit der App machen will, und nicht einfach einen Urlaubs-Wortschatz lerne. Das sollte schneller gehen und ist von dem her auch zielführender. Im Endeffekt steht aber natürlich jedem offen, was das Mittel seiner Wahl sein soll. Falls Dir persönlich Duolingo gefällt - der schlechtestes Zeitvertreib ist es nicht. Vor allem, weil man dabei sicherlich auch noch etwas lernt.

  • Hallo Jeremy-James,
    eine wirklich erhellende und zutreffende Beschreibung von Duolingo! Neben der schönen Idee, einen Wissensbaum zu "pflanzen" und die Äste mit Wissen zu füllen, erkenne ich leider nicht, welches Lehr-Prinzip die Macher des Programms verfolgen. KI kann im Hintergrund wohl nicht werkeln, denn ich würde sonst nicht immer wieder viele, viele Male gefragt werden, was denn "Hallo" heißen möge: "Hallo, Anna", "Hallo Tim", "Hallo". Und ich weiß es immer... "Your hard work is paying off". Haha. Praktisch kein Lerneffekt bei diesen Mikroschritten. Ja, und die berüchtigten kryptischen Sätze gibt es auch in meiner Zielsprache, Russisch: "It is she who is here." Geht's noch, das taucht bei Basics1 auf!!! Diesen Satz werde ich demnächst sicher in einer Live-Situation anwenden (Ironie aus). Dadurch, dass Erklärungen fehlen, ist Duolingo für mich eine oberflächliche Spielerei, besser als in Social Media zu daddeln allemal, aber nix Ernsthaftes. Deiner Einstufung mit 3 1/2 Sternen stimme ich zu, wenn man berücksichtigt, dass die App ja nichts kostet. Ich werde trotzdem damit aufhören, denn mir ist meine Lebenszeit einfach zu schade. Ich werde ein paar andere Programme/Apps checken.

    • Guten Tag Dir Manni,

      und vielen Dank zuerst einmal für Dein ausführliches Kommentar. Wie ich sehe, schließt Du Dich meiner Bewertung der Duolingo-App weitgehend an - freut mich zu hören, dass ich doch nicht so falsch liegen kann mit meiner persönlichen Einschätzung.

      Und falls Dich eine andere Sprachlern-App interessiert - hier haben wir ein paar der bekanntesten getestet: https://www.sprachheld.de/beste-sprach-app-sprachen-lernen/.

      Dir weiterhin noch viel Erfolg beim Russisch lernen - hier haben wir übrigens einen sehr ausführlichen Beitrag über das russische Alphabet: https://www.sprachheld.de/russisches-alphabet/

      LG,

      Jeremy-James

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