Wie wirst Du Deutscher? Befolge diese 50 Schritte! Adam Fletcher, Bestseller-Autor aus Großbritannien und Berliner im Interview.

Adam Fletcher, Autor von "Wie man Deutscher wird"

Adam Fletcher, Autor von “Wie man Deutscher wird”

Heute habe ich Adam Fletcher zu Gast bei Sprachheld.

Adam hat mehrer Bestseller-Bücher geschrieben, darunter auch “How to be German in 50 easy steps” und  war bereits in großen Publikationen wie Die Zeit, Die Welt, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Babbel und im Fernsehen auf Sat1 und ZDF.

Pünktlich zum Start seines neuen Buches Wie man Deutscher wird Folge 2, konnte ich Adam für ein Interview gewinnen.

Adam war so nett und hat uns 3 Exemplare seines Buches als Geschenk zur Verfügung gestellt. Herzlichen Glückwunsch an die 3 Gewinner!

Finde hier: Unsere gesammelte Liste mit den besten Online-Ressourcen um kostenlos Deutsch zu lernen.

1. Adam, in Deinem Buch „How to be German“ beschreibst Du ganz typisch deutsche Eigenschaften wie z. B. Apfelschorle trinken, Bier mit allen möglichen Gegenständen öffnen und Versicherungen abschliessen. Worum geht es in der zweiten Ausgabe?

Wie-man-Deutscher-wird

Erst muss ich mich Entschuldigung für mein schlechtes Deutsch [Inhalte sind leicht korrigiert]. Ich schreibe auf Deutsch eher selten. Ich habe meine ersten fünf Jahre hier die ganze Sprache komplett vermieden. Ich habe sie behandelt als ob sie ein ansteckender Virus war.

Jetzt schäme ich mich dafür und die letzte paar Jahre (relative erfolglos) habe ich ein endlich ein bisschen gelernt, aber bin noch Grammatikbehindert. Ich hoffe es reicht aus auf Deutsch deine Fragen zu beantworten. Auf Deutsch bin so Interessant wie ein drei Jahre altes Kind. Auf Englisch eher ein siebenjähriges.

Dieses Buch ist die Profi-Ausgabe, die Schritte sind subtiler und vielleicht schwieriger zu erkennen für Leute die neu hier sind. Das erste Buch war eher die Anfänger-Edition. Meine Beziehung zu Deutschland hat sich in den letzten Jahren verändert. Mit dem letzten Buch war ich wahrscheinlich noch ein bisschen naiv und sehr verliebt.

Dieses Mal, vier Jahre später, hat sich meine Verliebtheit und Kenntnisse in/über dieses Lande entwickelt und nicht nur positiv. Weniger “alles ist wunderbar” und mehr ehrlich und direkt, glaube ich. Aber das Buch ist noch sehr positiv, weil ich noch hier sehr gerne wohne.

2. Es gibt viele Schritte um Deutsch zu werden, was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten?

Klugscheißen. Hier ist Wahrheit (oft eine idyllische Idee von Wahrheit finde ich) heilig. In meinem Marketing Studium habe ich immer gelernt “don’t let the truth get in the way of a good story” aber hier es ist andersrum. Lass die Geschichte nicht von der Wahrheit ablenken oder etwas ähnliches und schöner geschrieben.

3. Was sind die wichtigsten Schritte um Britisch zu werden?

Hör auf direkt und ehrlich zu sagen was du hast und willst, egal wie viel einfacher es ist und wie viel Probleme es löst. Wir sind große Subtext-Fans. Wir sagen nicht was wir denken, sondern was wir denken die andere Person hören will. Diese Person muss dann antworten mit was er/sie denkt die andere hören will. Oft ist der Sinn des Gespräches die Vorbeifahrt wie Schiffe in der Nacht.

4. Wie bist Du auf die Idee gekommen die Bücher über Deutsche und Deutschland zu schreiben?

Ich habe oft lustige Listen in einer ähnlichen Art zu „How to be German“ online gelesen oder von Bekannten weitergeleitet bekommen. Manche waren gut aber ich habe nicht eine gefunden, die mit meiner Erfahrung hier übereinstimmt. Nach fünf Jahren, an einem Sonntagmorgen, verkatert, habe ich im Bett endlich meine Liste geschrieben.

Überraschenderweise war es sehr beliebt und dann hatte ich Kontakt zu C. H. Beck und Ullstein über die Möglichkeiten Bücher zu veröffentlichten. Vier Jahre und sechs Bücher später bin ich noch hier und zufällig heute auch verkatert, aber das ich eine andere Geschichte.

5. Wie bist Du selbst vorgegangen als Du Deutsch gelernt hast?

Ich habe 3418 verschiedene Volkshochschule-Kurse gemacht (Volkshochschule ist auch ein Schritt im neuen Buch), aber nie einen zum Ende geschafft. Dann endlich hatte ich eine sehr lustige Deutschlehrerin (Claudia spielt auch manchmal eine Rolle in meinen Büchern). Wir hatten zu Hause Privatunterrichten jeden Tag für sechs Monate.

6. Was ist noch Dein Plan oder wie gehst Du aktuell vor, um Dein Deutsch zu verbessern?

Ich höre viele Podcasts und bin regelmäßig auf Meetup.com und Couchsurfing Deutsch-Stammtischen hier in Berlin. Außerdem habe ich keinen Plan. Ich bin leider noch ein faule Socke und normalerweise brauche ich mein Deutsch nur in Phasen direkt nachdem ein Buch veröffentlicht wird. Ich überlege noch Unterricht mit Claudia zu machen. Ich habe keine andere effektivere Methode gefunden gegen meine Faulheit zu kämpfen.

7. Wieso Berlin, was magst Du an Berlin und was nicht?

Wie verwandle ich mich in einen Deutschen?

Weil von allen EU-Großstädten es die höchsten Kultur und Lebensqualität für am wenigsten Geld anbietet. Aber es verändert sich schnell, so muss ich überlegen wie lange es Sinn macht hier zu bleiben. Hoffentlich noch ein paar Jahre.

Ich bin der Meinung, dass eine Stadt dein Leben verbessern sollte, sollte alles einfacher machen. In Städten in Großbritannien hatte ich oft das Gefühl, dass ich gegen die Stadt kämpfen muss, um mein Leben zu führen. In Berlin habe ich nicht dieses Gefühl. Viele Parks, Plätze, öffentlicher Verkehr, weltoffene Leute, viel Kultur, Essen. Ich kenne keine bessere Stadt (zumindest im Sommer, fast jede Stadt ist schlecht im Winter).

8. Was würdest Du einem Ausländer der nach Deutschland zieht empfehlen zu machen, um sich gut in Deutschland einzufinden?

Die Sprache ist natürlich am wichtigsten, weil es der Zugang zur Kultur ist. Als ich neu in Deutschland war hat mir jemand gesagt, dass man Sprachen am besten “either on the street or on the pillow” lernt. Ich stimme noch zu. Such dir eine/n deutschen Freund/in.

Wann man nach Berlin umzieht ist das viel schwieriger, weil die Stadt hat nicht zu viel mit Deutschland zu tun. Es ist eher ein People’s Liberal Republic of Berlinistan. Ab dem ersten Tag hier, höre auf Englisch zu sprechen. Lüge und sage, dass du aus Djibouti bist und kein Englisch kannst.

9. Ein Projekt, das ich besonders interessant finde von dir ist Deutsch retten. Kannst Du etwas mehr über das Projekt erzählen?

Ich weiß, dass viele Deutsche haben Angst, dass Englisch zu großen Einfluss auf Deutsch hat und so habe ich probiert in einer lustigen und unterhaltsamen Art Aufmerksamkeit auf dieses Problem (und ein neues Buch) zu machen. Die Grundidee ist, dass Leute ein bedrohtes deutsches Wort übernehmen und versprechen nie wieder das denglische Äquivalent zu benutzen. Unser Plan war 140.000 Adoptionen zu haben, bisher haben wir 46.000. Ich finde das in Ordnung.

10. Was für Ideen hast Du für zukünftige Bücher?

Nach vier Büchern über die Deutschen, habe ich letze Woche ein neues fertig gemacht, diesmal über andere Länder, weil ich sehr gerne Reise. Das Buch heißt Du fährst Wohin? (*) und wird im Februar 2017 von Ullstein veröffentlichtet. Die Inhalt sind viele absurde und hoffentlich lustige Geschichten von meinen Reise durch Nordkorea, Transnistrien, Tschernobyl, Israel, Palästina usw.

Adam, ich danke Dir für das Interview!

Ich danke Dir auch und hoffe es ist verständlich! VG an alle Sprachheld-Leser.

Lies hier: Welche Tipps geben 3 nicht-muttersprachliche Deutschlehrer zum Deutsch lernen.

Hinweis: Mit (*) gekennzeichnete Links sind Amazon-Affiliatelinks. Falls Du diesen folgst und einen Kauf auf Amazon tätigst, verdienen wir dadurch einen geringen Prozentsatz des Einkaufswertes. Der Preis für Dich bleibt dabei selbstverständlich derselbe.

[Gesamt: 1   Durchschnitt:  5/5]

Über den Autor

Gabriel Gelman ist Gründer von Sprachheld, Sprachenthusiast und nutzt gerne seine 6 Sprachen für Reisen und Kennenlernen neuer Leute. Er hilft Sprachlernern dabei schnell ihre Fremdsprache zu lernen.

Hinterlasse einen Kommentar 0 Kommentare