Interview mit Kerstin Cable, Sprachcoach für Deutsch und hinter fluentlanguage.co.uk

Dieses Mal habe ich Kerstin Cable aus dem Moseltal im Interview

Sie unterrichtet Deutsch über das Internet und wohnt seit 2003 in England.

Sie führt die englischsprachige Website fluentlanguage.co.uk. Dort gibt sie Tipps und Tricks zum Sprachenlernen.

Sie führt zusammen mit Lindsay Williams aus dem letzten Videointerview den Creative Language Learning Podcast.

Tipp von Kerstin: Das Language Habit Toolkit ist eine Mischung aus Tracker, Arbeitsblättern, Handbuch und Video für Sprachenlerner, die ihren Weg zum Ziel gerne alleine meistern möchten – richtige Sprachhelden also! Das System, basierend auf jahrelanger Erfahrung und Forschung, hilft dabei, die richtigen Ziele zu setzen und täglich superschnell den Fortschritt zu notieren. Es ist keine Vorlage, keine Schritt-für-Schritt Anleitung, kein Kurs: einfach die perfekten Werkzeuge für eine Routine, die jeder Lerner einhalten kann um fließend Sprachen zu lernen.


9 Tipps der Sprachlehrerin und Coach für Fremdsprachentraining Kerstin Cable zum Thema „Wie motiviert man sich richtig beim Sprachenlernen und wie lernt man eine Fremdsprache“

1. Setze Dir realistische Ziele inklusive kleinen Zwischenzielen

Die Zielsetzung „In einem Jahr möchte ich superperfekt Spanisch sprechen und zwar ohne Akzent und komplett fehlerfrei“ ist weitgehend unrealistisch – weil man kaum eine Fremdsprache zu 100 % akzentfrei sprechen wird. Darüber hinaus genauso komplett demotivierend. Nicht nur, weil auf dem Weg kleinere Erfolgserlebnisse und damit Motivationsschübe fehlen.

Das heißt, dass Du Dir ein großes Visionsziel („vision goal“) wie zum Beispiel „perfekt Spanisch zu sprechen“ setzt, ist prinzipiell nicht verkehrt. Nur ist es, um auf dem Weg zu diesem Ziel die Motivation hoch zu halten wichtig, dass Du Dir genauso kleine Zwischenziele oder Pfadesziele („path goals“) vornimmst. Je kleiner und je leichter zu erreichen, desto besser.

Diese Pfadesziele kannst Du Dir wie die Kilometersteine auf einem Wanderpfad vorstellen. Wenn Du Dir nun den Prozess des Sprachenlernens als einen Weg von A (keine Fremdsprachkenntnisse) nach B (die Fremdsprache fließend sprechend) vorstellst – und dieser Weg kann zugegebenerweise lang sein. Wie ist so ein Weg einfacher zu bestreiten?

Wenn Du diesen in einem Zug durchgehen musst, ohne dabei genau zu wissen, wo Du gerade bist? Wie viel Du schon gegangen bist und wie viel eventuell noch fehlt? So kann Dir der Weg schnell einmal unendlich und das Ziel unerreichbar vorkommen. Was dazu führt, dass Du die Motivation verlierst und aufgibst.

Oder aber, wenn am Wegesrand immer wieder kleine Hinweise auftauchen, welche Dir zeigen, dass Du schon ein weiteres Stück geschafft hast? Und damit auch schon weiteres Stück näher an Deinem Ziel bist?

2. Setze Dich zeitlich nicht unter Druck

Diese Ziele musst Du dabei keineswegs an einen zeitlichen Rahmen binden. Viele Sprachlerner setzen zeitliche Fristen und Termine sogar so sehr unter Druck, dass sie dadurch die Motivation verlieren und wiederum aufhören.

Setze Dir also lieber fortschrittsgebundene Ziele beim Sprachenlernen.

Schau Dir zum Beispiel Deine Lieblingsserie in Deiner Fremdsprache an. Zu Beginn ruhig mit deutschen Untertiteln. Und dazu setzt Du Dir das Ziel „Nach sagen wir 5 Folgen schalte ich auch die Untertitel auf die Fremdsprache um“. Und nach weiteren 5 Folgen schaltest Du die Untertitel komplett ab.

Falls Dir das gelingt, hast Du in relativ kurzer mehrere kleine Zwischenziele und damit Erfolgserlebnisse geschafft.

3. Folge dem Prinzip des „Proximal Development“

Dafür könnte man auch wieder das Beispiel aus dem vorherigen Punkt verwenden. Denn das Prinzip des „Proximal Development“ bedeutet nämlich nichts anderes, als dass Du beim Sprachenlernen immer auf bereits vorhandene Fähigkeiten aufbauen sollst. Um diese dadurch schrittweise zu erweitern.

Dabei ist wiederum nicht wichtig wie schnell oder wie viel Du in welcher Zeit machst. Wichtig ist der Fortschritt an sich, ausgehend von einem soliden Fundament.

Denn auch kleine Schritte sind Schritte.

4. Vergleiche Dich nicht mit Deinem Wunschziel, sondern mit Deinem früheren Ich

Wenn Du Deine aktuellen Fremdsprachenkenntnisse bewerten möchtest, dann vergleiche diese niemals mit Deinem Wunschziel. Wie zum Beispiel fließend sprechen können. Sondern mit Deinem früheren Kenntnisstand.

Dem vor einer Woche, vor einem Monat oder sogar vor einem Jahr. Dadurch wird Dir nämlich nicht vor Augen geführt, wie viel Dir eventuell noch fehlen sollte. Sondern wie viel Du schon geschafft hast. Was bei weitem motivierender ist.

5. Halte Deinen Fortschritt fest

Das dient in erster Linie dazu, Deine aktuellen Fremdsprachenkenntnisse mit Deinen früheren zu vergleichen. Und baut demzufolge wieder auf Punkt 4 auf.

Dazu legst Du Dir am besten ein Sprachenlerntagebuch an. Ob Du dieses dann digital oder klassisch mit Stift und Papier handschriftlich führst, ist ganz Dir selbst überlassen. In dieses kannst Du eintragen, was Du an einem Tag gemacht hast. Und dazu einen kurzen Übungssatz notieren.

Und wenn Du dann zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Sprachenlerntagebuch zurückblätterst, wird Dir eines sofort auffallen. Nämlich, dass Du jetzt schon viel mehr kannst als noch vor einer gewissen Zeit.

Außerdem behältst Du so immer den Überblick darüber, was Du gemacht hast. Und vor allem darüber, dass Du etwas gemacht hast. Das beruhigt nicht nur Dein Gewissen, sondern motiviert Dich natürlich ebenso am Ball zu bleiben.

6. Schenke allen Fertigkeiten einer Sprache gleich viel Beachtung

Beschränke Dich beim Sprachenlernen nicht nur auf eine der zum Fremdsprachenerwerb notwendigen Fähigkeiten, sondern übe alle davon gleichzeitig und abwechselnd.

Die 4 Core Skills („Kernfähigkeiten“)

  1. Hören (für Dein Hörverständnis),
  2. Sprechen (für Deine Sprachfertigkeiten),
  3. Lesen (für Dein Textverständnis) und
  4. Schreiben (für Deine Schreibkenntnisse)

sind alle mehr oder weniger gleich wichtig.

Und vor allem ist wichtig, dass Du von Anfang an auch selbst Sprache produzierst, um nicht nur passiv zu konsumieren. Dadurch verstärkst Du den Lerneffekt in einem nicht unerheblichen Maße.

Auf das Thema der Core Skills geht Kerstin übrigens in ihrem Buch mit dem Titel „Fluency Made Achievable“ verstärkt ein. Dieses wollen wir Dir an dieser Stelle ans Herz legen.

7. Integriere die Fremdsprache in Deinen Alltag bzw. in Dein Leben

Eine Sprache zu lernen, weil diese Teil Deines Lebens und nicht weil es ein Muss ist, wird Dir bei weitem leichter fallen.

Zweitens wird der Effekt dabei auch viel langfristiger sein. Hierzu eignet sich natürlich einerseits ein Auslandsaufenthalt. Andererseits kannst Du auch in Deiner Heimatstadt oder in Deiner Heimatregion viele Aktivitäten in Deiner Fremdsprache unternehmen.

Du würdest Dich wundern, wie viele Fremdsprachenstammtische, fremdsprachige Theatergruppen oder Gruppen für fremdsprachige Filme es alleine in Deiner Nähe gibt. Um Dir die Suche danach etwas zu erleichtern, haben wir Dir für einige Städte schon solche Fremdsprachengruppen und Fremdsprachentreffen zusammengestellt.

8. Mache regelmäßig Tandemgespräche mit einem Muttersprachler

Dabei ist es nicht wichtig, ob Du Dich persönlich oder online mit deinem Tandempartner triffst. Wichtig ist nur, dass Du es machst.

Falls Du noch nicht genau wissen solltest, was ein Tandemgespräch ist oder wie Du dabei vorgehen sollst, haben wir Dir  zu diesem Thema einen kleinen Ratgeber zusammengestellt.

Durch diese regelmäßigen Treffen ist nicht nur sichergestellt, dass Du beim Sprachenlernen am Ball bleibst.

Gleichzeitig bietet sich Dir dadurch die Möglichkeit zwischen den Treffen aktiv zu sein. So kannst Du schon immer im Voraus abmachen, worüber ihr beim nächsten Tandemgespräch reden werdet. Und Dich bis zu diesem darauf vorzubereiten.

Wenn das Thema Sport sein wird, kannst Du Dir Vokabeln zum Thema Sport heraussuchen und diese Vokabeln lernen. Um Sie dann während des Gesprächs direkt anzuwenden.

Dadurch wirst Du sie Dir nicht nur merken, sie werden Dir richtiggehend in Fleisch und Blut übergehen.

Zum Thema Vokabeln lernen (und nicht nur Vokabeln) hat Kerstin übrigens ein weiteres Buch geschrieben. Nämlich „The Vocab Cookbook“, welches wir Dir hier genauso empfehlen wollen.

9. Nutze den Gemeinschaftseffekt

Hierzu bietet sich vor allem Social Media an (ein Beispiel von Kerstin).

„Social Media zum Sprachenlernen?“ – wirst Du Dich jetzt vielleicht fragen. Ja, genau. Social Media zum Sprachenlernen.

Richtig genutzt können die verschiedenen Social Media Plattformen nicht nur nützlich zum Sprachenlernen sein, sondern sich sogar als wahre Goldgruben zu diesem Zweck erweisen.

Schließe Dich einer der zahlreichen Fremdsprachengruppen auf Facebook, Twitter oder Instagram an. Wie zum Beispiel der „Instagram Language Challenge“ von Lindsay Williams.

Durch die Gemeinschaft und den Austausch mit dieser wirst Du nicht nur dazu angehalten aktiv zu sein und zu bleiben. Gleichzeitig erhältst Du auch Feedback, kannst Fragen zu Problemen beim Sprachenlernen stellen und findest gleichgesinnte Sprachlerner.

Darüber hinaus wirst Du auf diese Weise Alltagssprache und umgangssprachliche Ausdrücke hören und kennenlernen, die Du sonst in keinem Fremdsprachenlehrbuch finden würdest.

Wichtig ist hierbei vor allem, dass Du auch selbst Inhalte erstellst und nicht nur passiv konsumierst.

Ein verteiltes Like ersetzt eben leider keinen geschriebenen Satz. Kerstin beschäftigt sich verstärkt mit dem Thema Social Media und Sprachenlernen. Und hat dazu auch einen Ratgeber mit den Eigenheiten sowie Vor- und Nachteile der einzelnen Plattformen verfasst.


Transkription vom Interview mit Kerstin

Gabriel:           Heute habe ich Kerstin Cable aus dem Moseltal im Interview. Sie unterrichtet Deutsch über das Internet und wohnt seit 2003 in England. Sie führt die englischsprachige Website fluentlanguage.co.uk. Dort gibt sie Tipps und Tricks zum Sprachenlernen. Sie führt zusammen mit Lindsay Williams aus dem letzten Videointerview den Creative Language Learning Podcast. Herzlich willkommen, Kerstin, im Interview bei Sprachheld!

Kerstin:           Hi Gabriel! Freut mich auch.

Gabriel:           Fangen wir erstmal mit der Standardfrage an. Welche Sprachen sprichst du fließend?

Kerstin:           Das ist gut, dass du fließend sagst, weil „Welche Sprachen sprichst du?“ ist schon so schwierig zu beantworten. Fließend würde ich sagen… Also, ich bin ziemlich zweisprachig, mit Englisch und Deutsch. Deutsch ist meine Muttersprache, ich bin aber schon so lange in Großbritannien und Englisch ist inzwischen meine Hauptsprache, fürs tägliche Leben. Ich spreche auch Französisch, was ich schon fließend nennen würde, und ich arbeite mich im Moment so ziemlich hoch im Walisischen. Und dann habe ich noch so viele so Mittelsprachen.

Gabriel:           Und Englisch, ich habe ja ein paar Videos von dir gesehen, also dein Akzent ist wirklich ausgezeichnet. Ich kenne viele Leute, die Jahrzehnte lang in englischsprechenden Ländern sprechen, trotzdem immer noch diesen typischen deutschen Akzent haben. Wie glaubst du, dass du es geschafft hast, deinen Akzent so gut zu reduzieren?

Kerstin:           Ja, danke. Ich weiß, als ich nach Großbritannien gezogen bin, haben schon alle gedacht ich wäre Südafrikanerin. Also, ich bin schon mit einem sehr guten Akzent gekommen und habe die ersten… Also, ich habe Englisch mit 10 angefangen, wie viele Deutsche, in der Schule. Und ich glaube die ersten 10 Jahre habe ich mir nicht wirklich so Gedanken über meinen Akzent oder wie klinge ich oder so gemacht. Ich war immer sehr, sehr gut in Englisch. Es war so mein ein Schulfach indem ich so 15 Punkte hatte ohne mich kaputtzuarbeiten. Und ich war immer sehr… Ich habe immer sehr viel gemacht außerhalb von Schulstunden, einfach weil… Also, als ich Englisch gelernt habe, war so Britt-Pop-Zeit und ich war extrem verrückt nach Pulp – war so meine Lieblingsband auf der ganzen Welt, die ich inzwischen einmal live gesehen habe – aber ich habe halt viele Interviews gehört. Ich habe sehr, sehr viel gelesen. Ich habe immer so MTV Alternative Nation geguckt. Dazu gesagt, ich komme echt vom Dorf, und das war so in den 90-ern, also wir hatten MTV nur so acht Stunden am Tag, oder die Hälfte davon war so vier Uhr morgens und dann musste man den Videorekorder programmieren, also habe ich mich richtig reingehangen. Und habe dann Muttersprachler als Lehrer gehabt während meiner Ausbildung. Ich habe Fremdsprachensekretärin, Europa-Sekretärin, gelernt. Und da hatte ich einen Kanadier und einen aus Manchester, weiß aber noch genau, als ich nach Großbritannien gekommen bin, ich bin nach Preston gezogen. Preston ist im Nordwesten, in Lancashire. Da wohne ich ja jetzt noch, und die ersten paar Wochen habe ich nichts verstanden, wenn jemand richtig Preston gesprochen hat. Meine beste Freundin, oder eine meiner besten Freundinnen, mit der ich jetzt noch befreundet bin, wir haben uns angefreundet, weil sie aus London war und ich sie verstanden habe und sie konnte dann für mich übersetzen. Aber ansonsten ich glaube die Musik hat wirklich sehr, sehr viel geholfen. Ich bin auch… Ich habe immer viel im Chor gesungen und ich finde das bringt einem bei zuzuhören und zu kopieren. Und ich glaube das kann man dann von den Noten oder von der Sprache man weiß einfach wie etwas zu klingen hat und das hilft auch.

Gabriel:           Also, die Sprachmelodie hast du dann vor allem aus der Musik raus gehört.

Kerstin:           Denke schon. Ja, und viele Interviews, und habe halt Fernsehen geguckt, und ich habe halt alles wirklich… Das war echt vor YouTube oder so. Meine Freunde mir aus England dann den New Musical Express. Das war noch so eine richtige Zeitung und dann musste ich die Leute anbetteln,dass sie es mir mitbringen, wenn sie nach London fahren. Und habe wirklich so alles, alles aufgesogen, was ich haben konnte. Ich glaube schon, dass es geholfen hat, weil mein Französisch ist nie so gut geworden, weil ich auch nie so verrückt war auf Französisch.

Gabriel:           Also, viel hören die Sprache und…

Kerstin:           Ja, also…

Gabriel:           Viel Kontakt mit ihr haben.

Kerstin:           Ich kriege jetzt auch noch… Also, wenn ich jetzt an mein Französisch denke, oder mein Englisch, da bekomme ich auch oft, sagen wir mal, Komplimente oder Kommentare, dass mein Akzent sehr, sehr gut ist. Und ich glaube da ist wirklich dieses Hören. Ich höre genau zu und ich fange sehr früh an zu schreiben und die Verbindung zwischen der Schrift und der Aussprache herzustellen. Ich glaube als Deutsche hast du da einen Vorteil, weil Deutsch so regelmäßig ist. Ich habe da den Aussprachekurs und da habe ich wirklich… Den könnte ich eigentlich auch als „German Spelling“, also deutsche Rechtschreibungskurs, hinstellen, weil die Regeln sich so beeinflussen. Und ich glaube, wenn man da anfängt und sieht die Muster, das hilft unglaublich.

Gabriel:           Okay. Und du hast Walisisch angesprochen. Du wohnst in England, also nicht in Wales.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Wie kommt man dazu so eine Sprache lernen zu wollen und, vor allem, wie motivierst du dich dann so eine vielleicht irrelevante Sprache für dein Alltagsleben tatsächlich zu lernen?

Kerstin:           Das ist eine interessante Frage. Also, ich muss schon sagen, ich habe im Prinzip ja einen ziemlich relevanten Grundbaukasten. Ich habe Englisch, Französisch. Ich habe genug Spanisch und Italienisch, dass ich der Meinung bin, ich könnte, wenn ich mich reinhänge, innerhalb von drei bis vier Monaten da, da genug aufbauen, um mich sehr wohl zu fühlen. Also, im Prinzip lohnt das nicht so als meine Lebenssprache jetzt noch Italienisch wieder anzufangen, weil ich auch Latein gelernt habe und da halt die Grundlagen habe. Und dann hat… Meine erste so irrelevante Sprache war Russisch, und da habe ich angefangen, und irgendwie nach dem Kyrillischen ein bisschen so die Leidenschaft verloren. Und sage dazu sagen ich habe vorher beruflich bin ich sehr viel nach Kasachstan gereist und nach Russland und habe dann wirklich auch viel Kontakt gehabt mit der Sprache. Und Walisisch hat sich so ein bisschen eingeschlichen. Wir waren einmal nach Wales im Urlaub und da hatte ich so einen Sprachführer gekauft und halt aus Spaß einen Podcast gehört, wo wie dann „guten Tag“ gesagt haben und „ich möchte ein Bier“, aber in Wales spricht ja auch in Touristengegenden niemand Walisisch, aber irgendwie ist mir dann dieses… Es klingt sehr schön und ist mir dann so ein bisschen hängengeblieben. Und als dann Russisch ein bisschen abgeklungen ist, habe ich irgendwie gedacht „ach, ich könnte ja mal mit Walisisch.“ Und was dann? Warum Walisisch so gehangen hat? Weil ich wirklich jetzt schon 15-20 Minuten ein Gespräch, ich sage jetzt nicht fließend, weil mir viele Worte noch fehlen, aber ich kann mich auf Walisisch schon unterhalten. Ich bin inzwischen auf einem, ich würde sagen, auf einem A2 und fühle mich da auch ganz wohl. Ich glaube die Freude dran diese schöne Sprache aussprechen und zu… Weißt du, wenn man ein Wort ausspricht in einer Fremdsprache und man denkt so „ach, das habe ich grade gesagt, und das klingt so heil; ich bin der Held“? Weißt du? Das ist doch cool. Der Sprachenheld. Aber auch, ich wohne in Großbritannien, und Großbritannien ist nicht nur England. Und Walisisch war so… Wenn du so Anfang der 90-er guckst, war Walisisch fast eine tote Sprache. Und was die gemacht haben, was die an wirklich der Aktivismus gemacht haben für ihre Sprache, ist der Hammer. Und da dabei zu sein, bei einem Sprach-Revival, als Person, die Sprache liebt, ist super, super geil. Und die freuen sich alle so sehr und… Also, echt, wenn man… Das finden ich auch, wenn man eine Minderheitssprache lernt, bekommt man so viel mehr Unterstützung, weil sich jeder so… die freuen sich dann dreimal so, wenn man die Sprache lernt. Wenn jemand Deutsch lernt, machen wir so „Ja, gut. Schön! War auch Zeit!“, aber, wenn du Walisisch lernst, „was“, „warum“, „wie kann ich helfen“. Das ist so cool.

Gabriel:           Ja, okay. Also, ich kann also verstehen. Am Anfang hat man immer so diese Motivation und diesen Enthusiasmus. Und das haben ja viele, wenn sie auch eine Sprache anfangen, die vielleicht relevant für die Person grade ist.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Und du hast offensichtlich gehalten diesen Enthusiasmus, und ich weiß, dass es viele nicht schaffen, auch bei Sprachen, die eigentlich viel wichtiger für diese Person sind. Wie hast du es geschafft diesen Enthusiasmus tatsächlich aufrechtzuhalten und jetzt immer noch weiter zu lernen? Das sind zwar alle immer schöne Erfahrung, aber nach ein-zwei Tagen kippt dann immer oft die Stimmung oder die Motivation, nachdem man dann eine schöne Erfahrung hatte.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Verstehst du was ich meine?

Kerstin:           Ja. Es ist eins der Hauptprobleme, die ich bei anderen Leuten sehe, die ich fast von Natur aus fast schwierig finde nachzuvollziehen, und ich habe auch lange… ich habe mir auch wirklich angeguckt, warum? Was passiert da? Warum? Was passiert den, dass mir im Prinzip nicht passiert? Und ich glaube die Leute setzen… Weil’s dadurch einfach, dass ich Erfahrung habe im Sprachenlernen und so jetzt meine nächste Sprache lerne, weiß man halt auch ungefähr, wie man die Erfahrungen zu setzen hat, wogegen, wenn jemand sehr, sehr früh anfängt, oder nicht sehr früh anfängt, sondern, wenn jemand die erste oder zweite Sprache anfängt und dann denkt „ich will fließend diese Sprache lernen“, die setzen einfach ihre Ziele nicht richtig. Da fehlt so eine Lücke und also ich dränge mich auch an oder denke, ich setze mir schon Ziele, aber ich achte halt drauf, meine Ziele auch klein zu halten und machbar, so dass ich mich freuen kann. Wenn ich Lektion 19 von Say Something in Welsh fertigkriege, dann bin ich super froh. Und dann gucke ich was ich alles schon geschafft habe und freue mich total. Und ich finde, wenn jemand die Motivation verliert, ist oft, weil die Person einfach nicht zurück gucken will, weil man dann das Gefühl hat, man ginge rückwärts, aber das ist Quatsch. Es ist totaler Quatsch. Also, ich habe jetzt wirklich dieses Jahr angefangen und habe ja schon diesen Tracker erwähnt an dem ich arbeite. Der basiert auf dem Konzept die „Envision Goal“ zu setzen, also im Prinzip ein Visionsziel, und da kann man halt alle seine Träume reinschreiben, seine tollen Sachen, die wirklich… dass… wo viele Leute einfach nicht drüber hinauskommen. Die Leute denken dann, ja, ich will dann fließend in Spanien, ein Jahr in Spanien wohnen, oder… So, einer von meinen Träumen ist es mit einem Winnebago… Wie heißen die noch einmal? Mit so einem Wohnwagen durch die ganzen USA zu fahren und wenn ich denke, ach, es wäre so cool, wenn ich Spanisch wieder… wenn mein Spanisch wieder dann fließend ist und ich dann einfach… Ich find’s immer so cool, wenn jemand nicht merkt, dass du die Sprache kannst und du dann nicht so du hast dich überhört, du hast was gehört was sie über dich gesagt haben, sondern einfach, dass du dann sagen kannst „hey“ und sprichst mit den ihre Sprache und die freuen sich dann so. Ich finde es immer so cool, wenn ich die Leute so happy machen kann. Aber diese ganzen Ziele, die sind nicht tagtäglich. Die bringen nichts, wenn du da sitzt mit einem Buch oder mit einem Podcast oder sonst was. Das ist viel zu weit weg von „ich fahre mit dem Wohnwagen durch den USA“. Das bringt nichts, weil dann fühlt man sich nur im Prinzip demotiviert, weil dieses Zukunftsbild zu weit weg ist, also gibt’s diese Visionsziele, aber ich habe halt auch „Path Goals“ – habe ich die genannt – also die Pfadesziele, die dann eigentlich die kleineren Schritte sind, wo man wirklich so wieder einfach voran arbeitet und weiß, okay, jetzt kommt der nächste kleine Schritt, nächste kleine Schritt und wissen, dass man sich auf freuen darf, auch wenn man jetzt nur fünf neue Vokabeln gelernt hat. Das sind trotzdem fünf Vokabeln. Die hat man vorher nicht gewusst. Das ist also was, wo ich wirklich denke, da hat mir die Schule viel weh getan, weil ich in der Schule nie übers Endziel nachgedacht habe, sondern einfach so nächste Klassenarbeit, nächste Hausaufgabe. Und so muss man auch, glaube ich, denken mit allem. Das ist genauso wie, wenn du 30 Kilo abnehmen willst. Du kannst nicht immer… Du musst halt irgendwie schon deine wunderbare Figur in der Zukunft im Kopf haben, aber es bringt nichts, wenn du keinen Kilometer laufen kannst.

Gabriel:           Das machen natürlich viele, vor allem die zum ersten Mal eine Sprache lernen, sich ein mega großes Ziel zu setzen. Ja, ich möchte Spanisch perfekt sprechen, ohne Fehler und ohne Akzent. Und wenn sie dann jemand treffen, der dann sagt „also, ich spreche Spanisch fließend, aber klar mache ich mal Fehler“, dann sagen die „du sprichst doch gar kein Spanisch“. Also, diesen Fehler machen halt viele Leute, bis sie dann sozusagen auf den Boden der Tatsache kommen.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Und dann kommt tatsachlich der nächste Schritt, diese Zwischenziele oder kleineren Ziele zu setzen, und da sind viele Leute verloren.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Also, wie setzt du dann solche Zwischenziele, oder wie würdest du empfehlen Zwischenziele, kleinere Zwischenziele, zu setzen, die man noch schneller erreichen kann?

Kerstin:           Ich achte da sehr, sehr drauf auf diese „Core Skills“. Das ist eigentlich so mein Steckenpferd. Es war auch das erste Buch und ich bin total froh drauf zurückzukommen, und das ist halt „Listening“, „Speaking“, „Reading“, und „Writing“, also das Zuhören, die Sprache zu sprechen, die Sprache zu lesen, und was so viele so ungern machen, auch was zu schreiben, weil Schreiben ist unglaublich wichtig. Und es muss jetzt nicht gleich irgendwie hier Krieg und Frieden sein. Man muss ja einfach nur irgendwie Vokabeln einfach von der Hand schreiben. Ich finde das hilft unglaublich mit der Erinnerung. Also, ich achte total auf diese vier Kernfähigkeiten, dass ich die alle gleichzeig… Also, ich habe heute Morgen zum Beispiel… Ich zeige dir meinen Planer. Das ist natürlich ein totaler Prototyp. Der ist nämlich hier so gemalt, aber das steht dann hier so drin, und da hast du halt vier… Ich achte halt drauf, dass ich gucke, was habe ich gemacht? Lesen, Sprechen, Schreiben, und Zuhören, und habe geguckt, und ich habe am Samstag so einen Language Exchange gemacht, also habe Walisisch gesprochen. Habe gestern Say Something in Welsh gemacht. Das ist ein Podcast, wo du auch dann antwortest. Also, habe ich zweimal am Stück zugehört und gesprochen und habe dann gedacht, uh, okay. Ist Zeit was anderes zu machen. Einfach, weil nun ich glaube, dass eins von meinen größten… eines meiner größten Ärgernisse, wenn jemand einfach acht Stunden vor YouTube sitzt und dann denkt der hat irgendwas tolles gemacht, aber hat halt im Prinzip nur eine Sache gemacht. Und da kommt halt auch diese… halt ein anderes Selbstbewusstsein dahinter, wenn man von Anfang an Sprache produziert und nicht nur konsumiert. Also, „Core Skills“, und dann achte ich einfach drauf, dass ich einen strukturierten… ein oder zwei Strukturierkurse habe, wo dann einfach mein Ziel ist, okay, nächste Lektion, nächste Session. Und da hat man schon ziemlich viel.

Gabriel:           Also, die vier Hauptfähigkeiten, Hauptfertigkeiten, zu trainieren. Genau.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Und dann zum Beispiel ein Kapitel als Ziel setzen. Hast du noch irgendwelche anderen Zwischenziele gesetzt? Zum Beispiel, das Kapitel im Buch, das ist jetzt wie jetzt nur das Ziel sozusagen lernen. Also, das ist nur einer von diesen vier.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Vielleicht Lesen oder vielleicht noch Hören. Wie sieht’s denn aus? Zum Beispiel setzt du dir Ziele in Sinne von Sprechen, also Zwischenziele was du erreichen möchtest innerhalb von einem Monat, oder wie setzt du sonst noch Zwischenziele außer jetzt ein Kapitel in dem Buch?

Kerstin:           Also, für mich persönlich, mir fällt es immer schwierig mir zeitgebundene Ziele zu setzen. Ich fühle dann einen Druck auf mich und das ist nicht angenehm zu denken, ach, ich muss bis Ende des Monats… Und warum? Also, ganz oft sage ich… ich sag’s jedem Sprachlerner immer wieder, „wenn es dir keinen Spaß macht oder wenn’s nicht gut anfühlt, lass es sein“. Es bringt nichts. Dann hören die Leute auf. Also, die größere Zwischenziele…

Gabriel:           Oder andere Zwischenziele auch, nicht unbedingt größere, sondern jetzt nicht nur das Lehrbuch, sondern eine andere Hinsicht von der vier Hauptfertigkeiten zum Beispiel.

Kerstin:           Also, ein Sprechziel. Sprechziele, zum Beispiel, oder mein… Also, mein Zuhörziel ist einfach die nächsten vier Folgen von meiner wallischen Lieblingsserie zu gucken. Das ist eine Fernsehserie auf Walisisch. Die kann ich mit englischen Untertiteln gucken und dann, wenn ich mich wohl genug fühle, wenn ich merke, okay, also wird jetzt einfach, ich denke mal dann wird mein Ziel sein die Untertitel auf Walisisch umzuschalten und dann mit walisischen Untertiteln zu gucken. Also, da gibt’s… es gibt ja diese… Es heißt „The Zone of Proximal Development“, die ich jetzt nicht weiß, wie die auf Deutsch heißt.

Gabriel:           Versuchs doch einfach mal.

Kerstin:           Die Zone… Ich versuche es gar nicht. Also ich bin Über… Ich übersetze auch und habe Übersetzerin gelernt. Das setzt man Anspruche an sich.

Gabriel:           Okay.

Kerstin:           Also, im Prinzip, „Zone of Proximal Development“ heißt, sich… wenn du denkst, wenn du deine eigenen Fähigkeiten hier als so einen Kreis siehst, einfach zu gucken, okay, wie mache ich den Kreis nur ein bisschen grösser. Aber es basiert noch auf dem was du schon kannst. Mein Sprechziel war erstmal einfach nur diesen Gareth… Ich weiß nicht, ob du ihn kennst. How to Get Fluent ist seine Seite. Auch sehr empfehlenswert. Ja, ja, ich bringe euch in Kontakt. Ist kein Problem.

Gabriel:           Okay.

Kerstin:           Einfach Gareth, weil ich weiß, dass er Deutsch lernt und er hatte mir mal einen Sprachaustausch angeboten, weil er Walisisch fließend spricht und auch Walisisch unterrichtet hat auch. Also, der hat auf Walisisch an der Uni unterrichtet.

Gabriel:           Okay.

Kerstin:           Geschichte. Ja, ja, also der kann. Also, mein Miniziel war so Gareth fragen, ob er einen Austausch machen will. Und jetzt ist das Ziel… Jetzt brauche ich da keine großen Ziele zu setzen, weil ich ihn halt dabei habe, wir beide weitermachen wollen. Aber dann könnte ich mir zum Beispiel Ziele setzen, zum Beispiel, okay sprich mit Gareth über ein gewisses Thema, sprich mit Gareth über Sport, dass ich dann weiß, welche Vokabeln ich üben muss und so weiter. Aber das ist nur ein Sprechziel. Das ist schon so ein kleiner Teil. Also, wenn man die Fähigkeiten wirklich ernst nimmt und als Grundlage setzt, dann hat man so viele Ziele. Ich setze keine Zwischenziele mehr. Ich denke so, ja, wann will ich das nächste Mal nach Wales fahren?

Gabriel:           Okay.

Kerstin:           Ja, aber das ist kein Ziel. Das ist eher eine Belohnung.

Gabriel:           Also, da noch einen kleinen Baustein. Also, ich möchte mit Gareth über Sport sprechen, deshalb brauche ich Vokabeln für Tennis, Laufen, und so weiter.

Kerstin:           Genau, genau.

Gabriel:           Okay. Und du hast jetzt schon diesen Tracker angesprochen. Einmal, kannst du nochmal darüber erzählen was da jetzt kommt? Aber im selben Atemzug kannst du ja sagen, was glaubst du, wie trackt man, oder wie hält man am besten seinen Fortschritt fest, um auch motiviert auch weiter die Sprache zu lernen? Also, wenn man sieht, wie man sein Fortschritt gemacht hat, da ist man motiviert.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Also, in welcher Weise ist es am besten seinen Fortschritt festzuhalten und motiviert zu bleiben?

Kerstin:           Ja. Also, erstmal ist wirklich zu sagen den Fortschritt festzuhalten ist in sich selbst schon eine Motivation. Also, da gibt’s auch Studien zu und wenn man die Motivationsstudien anguckt und dann guckt, wie werden die in die Praxis umgesetzt, ist eine der besten Methode einfach, die Lerner ein Tagebuch führen zu lassen. Das macht man in den Schulen und das funktioniert eigentlich immer. Wie man seinen Fortschritt dann festhält, ist eigentlich individuell verschieden. Kann man machen, wie man möchte. Ich fand soziale Medien. Ich habe… Ich meine, Lindsay hat ja diesen Sozialen-Medien-Kurs und da habe ich mir… Die hat ja so einen Planer dazu. Und da habe ich mir vor Weihnachten, und über Weihnachten, den Planer mal vorgenommen und habe ganz viel selbst gemacht und habe den einfach durchgearbeitet und da ist mir aufgefallen ich bin jetzt auch bei Instagram ganz anders dabei und mache zum Beispiel… Ich gucke grade wo meine Zettel sind. Die sind da hinten jetzt – gestern aufgeräumt. Also, da mache ich zum Beispiel sowas wie ich habe mir die Prüfungsmaterialien für die Anfänger Walisisch, also die Offizielle, so das Goethe-Institut, das Goethe-Zertifikat von Wales, habe ich mir die Probeprüfung runtergeladen und arbeite die dann durch auf Instagram, die Sprechprüfung. Und, generell, soziale Medien sind super gut zum Sprechen. Zum Schreiben kann man auch sowas wie Langaid benutzen. Also, oft sind andere Leute eine sehr gute Motivation, aber es funktioniert nicht bei jedem. Andere wollen wirklich selbst halt ein Tagebuch führen. Und der Tracker ist weniger sozial, noch… obwohl es vielleicht wird’s mal eine App irgendwann, in fünf Jahren. Aber der ist… Also, ich arbeite gern handschriftlich. Ich arbeite gern mit Papier. Ich habe auch mein Vokabelbuch sieht auch eigentlich fast immer noch so aus wie 1996 in der Schule. Und, also, ich habe dann eine Methode und stelle dann nur die Schwierigen selbst in „Memrise“.

Gabriel:           Okay.

Kerstin:           Also, nur meine schwierigsten Worte, die ich mir einfach nach dem achten Mal nicht merken kann, die kommen in „Memrise“. Und ich arbeite weniger mit „Memrise“, dass mir sofort die Nase stellt. Aber der Tracker ist halt im Prinzip handschriftlich, kann aber auch einfach eine Tabelle sein, eine Excel-Tabelle oder so, und man trägt ein was man gemacht hat, wirklich nur mit so ein-zwei Worten. Man muss nicht da hier einen riesen Blog-Eintrag schreiben. Man denkt drüber nach, welche Fähigkeiten man grad trainiert hat. Man schreibt auch was man gelernt hat, und dann schreibt man einen Übungssatz mit dem, was man gelernt hat. Das ist so eins von den Prinzipien, und was der ganzen Sache unterliegt sind halt diese „Path Goals“, also die kleineren Ziele, die Zwischenziele, Pfadesziele, dass man dann gucken kann, wie hat man weitergearbeitet. Und wenn jemand wirklich den eigenen Fortschritt festhalten will, denk weniger drüber nach „Was ist mein Fortschritt auf dem langen Weg bis zum Endziel?“, sondern denk einfach „Was habe ich gemacht und guck mehr zurück als vor?“. Ich meine, da gibt’s halt viele Zen-Philosophien. Es ist schon was dran, dass man eigentlich im jetzigen Moment leben soll, und das ist mit Sprachenlernen auch kein so schlechter Rat. Es bringt ja nichts dran zu denken, wie fließend und fehlerfrei man in der Zukunft sprechen würde, es sei denn man denkt daran positiv und denkt halt „okay, es wird halt so geil, wenn ich das kann“, aber nicht „ach, jetzt habe ich einen Fehler gemacht; komme ich nie hin“. Komm, ei, Entchen! Es bring ja nichts! Und der andere Schritt dazu ist wirklich halt auch die eigenen Fehler zu korrigieren und die ganze Sache dann nochmal zu schreiben oder nochmal durchzuarbeiten. Das finde ich auch sehr, sehr, sehr wichtig. Und der Tracker ist im Prinzip einfach nur… Also, es ist keine große neue Methode. Da wird nicht das Rad neu erfunden erfunden. Das ist einfach ein Werkzeug damit man weiß, was kann ich wo eintragen, wo kreuze ich was an, und du hast halt eine Kalenderübersicht und machst dann… kannst auf jedem Kalenderblatt, auf jedem kleinen Kalenderkästchen, eintragen wieviel hast du gemacht an dem Tag. Nur wenn man ein bisschen Duolingo macht, das ist nicht ein voller Tag unbedingt, aber du hast trotzdem was gemacht. Und die meisten Leute geben sich dafür keinen „Credit“, wie man auf Englisch sagt. Die meisten Leute rechnen sich das gar nicht an. Aber dann wirklich zurückzugucken und zu denken ne, ich habe diesen Monat eigentlich super viel gemacht, finde ich super hilfreich. Und dann auch auf die Übungssätze zu gucken und zu sagen „das konnte ich vor einem Monat nicht schreiben“. Also, es geht wirklich darum, wie weit bin ich schon gekommen und nicht wo will ich hin.

Gabriel:           Ja, also vergleichen mit dem wo man vor einem Monat war, um zu sehen, dass man wirklich deutlich besser geworden ist, als man eigentlich denkt, wenn man so Schritt für… Also, über die Tage übersieht man ja nicht wirklich seine Verbesserung, aber wenn man einen Monat zurückguckt, dann sieht man das ganz klar.

Kerstin:           Ja, und dann überleg mal sechs Monate oder so.

Gabriel:           Ja.

Kerstin:           Also, ich schreibe halt auch oft mit Walisisch darüber, dass ich eigentlich im Vergleich zu diesen Hardcore-Leuten, die irgendwie drei Stunden am Tag einfach nur da sitzen und büffeln, oder wenigstens im Internet sagen, dass sie das machen, ich gehe es halt anders an und sage meine Methode ist eigentlich eine langsame Methode. Ich setze da eigentlich fast keine Ansprüche dran und, vor allem im Vergleich, wenn ich da drüber nachdenke, dass ich eigentlich an manchen Tagen grad fünf Minuten irgendwas mache, wenn ich bedenke, dass ich jetzt eine halbe Stunde Walisisch sprechen kann und vor einem Jahr bei Weitem nicht, aber die Motivation habe und ein System habe mit dem ich das hier jetzt noch fünf Jahre weiter führen kann, darum geht’s mir, einfach, dass man wirklich die Sprache ins Leben einbaut und sich diese Sprache sozusagen angewöhnt und nicht jetzt drei Monate und dann kann ich perfekt Spanisch, weil ich… Also, ich habe das auch gemacht. Ich habe halt in meiner Ausbildung sehr schnell Spanisch lernen müssen und ich war sehr, sehr, sehr gut in Spanisch auch, weil da hatte ich vorher Französisch, Italienisch, Latein gemacht, dann ist Spanisch nicht mehr so schwer. Aber das ist die Sprache in der ich am meisten vergessen habe, meiner Meinung nach, weil sich da am wenigsten eingelebt hat in mir.

Gabriel:           Okay. Also, so gezwungen eine Sprache schnell lernen, führt dann auch zum schnellen Vergessen.

Kerstin:           Finde ich schon. Da ist halt viel Langzeitgedächtnis, und wir kennen alle diese „Spaced Repetition“. Da habe ich letzt… Wie heißt die auf Deutsch? Weißt du das?

Gabriel:           Was? Spaced Repetition?

Kerstin:           Ja. Gestaffelte Wiederholung.

Gabriel:           Ach so, ja. Habe ich, ja, genau, bei Wikipedia gesehen, aber ich habe vergessen. Also, ich sage auch…

Kerstin:           Oh, das war meine eigene Übersetzung. Da bin ich mal zufrieden mit mir.

Gabriel:           Ach so, ja, cool. Also, ich habe… ich kenne das nur als „Spaced Repetition“. Also, ich benutze das so, meine ich.

Kerstin:           Ja, es benutzt heutzutage jeder, weil’s ja auch Sinn gibt, aber „Spaced Repetition“… Wie soll man mit der „Spaced Repetition“ machen, wenn man nur drei Wochen Zeit sich gibt? Da sieht man schon, dass Sprachen… Also, meine ganze Philosophie ist, dass ich die Leute inspirieren will, dass sie sich eine Sprache angewöhnen sozusagen, dass die Sprache dann wirklich bei dir bleibt und sich einlebt, weil sich dadurch auch dein Leben bereichert. Deswegen bin ich so froh mit Walisisch, weil ich jeden Tag was neues lerne.

Gabriel:           Jetzt hast du zwischendurch kurz angesprochen, dass du auf Instagram irgendwas machst. Das hast du in einem Satz gesagt. Ich habe nicht ganz verstanden, wie das funktioniert, aber ich weiß da auch allgemein, dass du vielmehr den sozialen Medien lernst, was natürlich eine tolle Integration in den normalen Alltag ist, weil wir alle mit sozialen Medien viel zu tun haben. Also, kannst du mal erklären, was du da gemacht hast und wie du sonst auch mit sozialen Medien gut eine Sprache lernen kannst?

Kerstin:           Ja. Also, sagen wir mal, wir haben keine Zeit für… um da wirklich tief reinzugehen.

Gabriel:           Okay.

Kerstin:           Ich habe da letztens einen Vortrag drüber gehalten an der Uni und habe dann auch zwei sozialen Medien am Schluss rausgesucht. Ich habe so einen… Ich gebe dir einen Link dazu. Wenn sich jemand bei mir anmeldet in der… Also, es heißt bei mir „Cool Kids Library“, weil ich so viele verschiedene Arbeitsplätze und so gemacht habe. Ich habe die am Schluss alle hineingestellt. Aber da steht so eine Rezension über meine liebsten sozialen Medien drin, was gut dran ist, in englischer Sprache, aber, trotzdem, was gut dran ist und schlecht dran. Mir gefallt Instagram sehr gut, weil man sich da relativ einfach ein zweites Konto machen kann und dann relativ einfach von einem Konto aufs Andere immer umschalten. Also ich habe da ein spezielles Sprachkonto. Lindsay macht ja immer diese Prompts, also diese vorgeschlagenen Wörter, wo du jeden Tag ein vorgeschlagenes Wort hast – das heißt, bei ihr Instagram Language Challenge – und das macht ganz viel Spaß, weil da auch wirklich eine Gemeinschaft ist und viele Leute mitmachen. Und meine eigene kleine Mission war halt… Also, wie gesagt, ich habe mir die Testpapiere runtergeladen. Wenn du jetzt zum Beispiel das Goethe-Zertifikat, also Deutsch lernst und willst das Goethe A2 machen, dann kann man sich ja auch so Bücher kaufen oder halt einfach den Muster-Testsatz runterladen und dann stehen halt so Fragen drin und was kommt und… Also, der Waliser ist so der Anfangs… da sind so noch so Babyfragen, so „Wie alt sind Sie?“, oder „Haben Sie Familie?“, wo man ein bisschen was sagen kann, „Haben Sie Tiere?“, und die arbeite ich halt alle durch. Das heißt, ich mach einfach so ein Selfie-Video und spreche dann und sage „hey, heute mache ich diese Frage“ und lege dann einfach los und beantworte die Frage auf Video, poste das dann. Und auch in dieser Minderheitssprache gibt’s inzwischen drei-vier Leute. Die kommen immer wieder und die helfen mir jedes Mal, wenn ich was Falsches sage oder die schreiben „gut gemacht“ oder schreiben ihre eigenen Antworten. Und das… Eine Gemeinschaft zu haben, diese Ruckmeldung zu haben, ist halt total schön und auch motivierend. Und ich selbst mache auch total gern Twitter, weil man… es ist eher ein Aufnahmemedium, also ich schreibe da nicht viel auf Walisisch hier und da, eher an meinen Französisch-Tagen, weil mein Französisch halt besser ist und ich dann eher was mit der Größe machen kann, besser als „heute Morgen hatte ich Porridge zum Frühstück“. Es bringt ja niemandem was. Also, aber mit Walisisch es gibt ja viele Leute, die… viele Waliser, auch die Twitter benutzen, und viele Deutsche, viel alles. Und man kann sich dann eine kleine Liste machen. Wenn man in diese Liste reinschaltet, dann sieht man halt nur diese Konten, die öfter Walisisch schreiben, und das ist super cool, weil die Sprache dann so Natursprache ist, also im Prinzip naturbelassen. Das ist Alltagssprache, die man in keinem Buch lernen würde, und das finde ich super cool.

Gabriel:           Also, das heißt, was du machst, ist nicht nur die Sprache konsumieren in den sozialen Medien. Das heißt, sich irgendwelche Freunde zu suchen, oder Twitter-Accounts zu suchen.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Wo man die Sprache dann lesen kann, sondern tatsachlich auch Sprache zu kreieren, also Videos zu erstellen, vielleicht noch Texte schreiben.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Und dann zu schauen, ob dann Leute dazu kommen und dir vielleicht dabei helfen und dich sogar motivieren.

Kerstin:           Ja, helfen, oder motivieren. Und ich gucke auch halt auch gerne drauf, was andere Leute machen, aber da kann man sich ja ein bisschen verrückt machen, deswegen, wie schon gesagt, ich bin kein YouTube-er. Aber echt, soziale Medien ist halt super cool, weil man sehr viel selbst produzieren kann, weil man durch diese Gemeinschaft dann auch ein bisschen nicht kontrolliert wird, aber so drangehalten wird. Das heißt so… Wie heißt „Accountability“ auf Deutsch?

Gabriel:           Ja… ja…

Kerstin:           Dass man weiß, oh, da habe ich gesagt ich mache was; da muss ich mich auch dranhalten; da gucken die Leute. Ich find’s immer… Also, für mich ist das sehr… Ich habe da… Ich weiß nicht, ob das motivierend ist oder mein innerer Zwang ist. Wenn ich gesagt habe, ich mache was, dann mache ich das auch. Und wenn ich dann im Internet oder auf Facebook geschrieben habe ich mache jetzt so, dann mache ich das auch. Ich habe auch eine eigene Facebook-Gruppe und das ist auch eher für diese Gemeinschaft und die Motivation, und da frage ich dann jede Woche „Was habt ihr für eure Sprache gemacht diese Woche?“ und merke dann aber auch, okay, wenn ich die Leute frage, dann muss ich selber auch was zum Vorweisen haben. Und das ist schon cool. Also, Gemeinschaft hilft auf jeden Fall, wenn man dann echt denkt, ja, ne, dann muss ich auch hier… ich kann ja nicht nur hier so stehen und nichts machen, nichts zum Vorweisen haben, aber das Produzieren ist auch… deshalb je nachdem… Ich finde ich habe sehr, sehr viel Englisch gesprochen bevor ich Leute hatte mit den ich sprechen konnte. Ich habe unglaublich viel… Ich habe…. Ich glaube ich habe jede Britpop-Band bei mir im Kopf interviewt.

Gabriel:           Okay.

Kerstin:           Ja, also, ich habe da echt bei mir im Schlafzimmer und so „Hey, Noel Gallagher was hast du heute gemacht?“ Und na ja, jedem das seine, aber es hat halt super viel geholfen, weil ich im Prinzip mit mir selbst gesprochen habe. Und vielen Leuten, vor allem wenn man in einer ziemlich monolingualen Umgebung wohnt, dann fehlt einem der Partner, und der ist ja nicht immer verfügbar. Und auch, wenn man einen Sprachpartner hat, die können so nett sein, wie sie wollen, dann ist ja trotzdem… Das ist schon sehr, sehr anspruchsvoll. Und am Anfang ist man noch nicht da, es sei denn, macht halt diese Bennie-Lewis-Knallhart-Methode. Die habe ich einmal probiert mit Isländisch und ich habe mich nicht wohl gefühlt. Ich will schon auch was zu sagen haben und wissen, ich mache die Sätze ungefähr richtig. Und da denke ich ist halt soziale Medien eine super gute Methode, weil man diese Videos in Instagram, in Twitter, oder so, da hat man normalerweise nur 45-60 Sekunden Zeit und also man muss gar nicht viel sagen und das Video ist schon voll.

Gabriel:           Also, der Vorteil ist wahrscheinlich auch das Thema, das wir vorher schon besprochen haben, dass du etwas aufzeichnest woran du dich vergleichen kannst einen Monat später.

Kerstin:           Ja, das stimmt schon. Wenn man dann zurückguckt, dann denkt man auch, ja, okay, viel gelernt. Das ist echt… Ich hatte früher schon in der Schule immer total gern. Wenn wir Lektion sieben hatten, habe ich öfter so zurück geguckt und habe gedacht Lektion drei kann ich schon. Das ist unglaublich motivierend. Es hilft wirklich.

Gabriel:           Also, das ist dann noch ein bisschen wie so eine Check-Liste, so Lektion eins habe ich fertig, Lektion zwei habe ich fertig; jetzt bin ich bei Lektion sieben.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Und das heißt ich habe was geschafft.

Kerstin:           Genau, genau. Und das ist halt… unterliegt halt auch den Prinzipien von diesen, oder eins von den Prinzipien von diesem Tracker.

Gabriel:           Dann, nochmal, um ein anderes Thema zu sprechen, du bist ja, wie Lindsay auch, Sprachcoach und ich weiß, dass du viel Wert darauf legst keine Methode den Leuten aufzuzwingen, sondern dass du sagst, jeder hat seine eigene Methode zu lernen.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Und die sollte er nutzen. Und wie findest du jetzt heraus, was die beste Methode ist für eine Person? Also, die meisten wissen ja nicht was deren optimale Methode ist.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Bis sie zwei-drei Sprachen gelernt haben. Also, wenn sie die erste Sprache lernen, wie können die deren optimale Methode herausfinden?

Kerstin:           Ich würde jetzt sagen, dann einfach, wenn man sowas sucht und wenn man versucht die eigene perfekte Methode aufzubauen, erstmal vielleicht ein bisschen vom Gas runter und denken die Methode kommt, wenn sie kommt. Wenn ich unterrichte, wenn ich Deutsch unterrichte, oder mit anderen halt an einer Sprache arbeiten, die ich auch kenne, finde ich so Lehrbücher gar nicht so schlecht, und noch so Sachen wie Teach Yourself und so, weil da halt sehr viel vorgedacht ist und das sind alles Gedanken, die muss man am Anfang bei der ersten oder zweiten Sprache muss man nicht auch noch dann überlegen, was die perfekte Methode ist, man soll sich halt eher beobachten und merken wo bleibe ich dabei, was mache ich von Natur aus öfter und halt immer wieder denken „Habe ich diese Kernfähigkeiten abgedeckt?“. Und dann merkt man halt, wenn jemand nur Michelle Thomas macht, dann fehlt was, meiner Meinung nach. Aber du kannst halt Michelle Thomas transkribieren und dann hast du es wieder reingebracht. Also, dann geht’s wieder nicht um die Methode an sich, dass sie schlecht ist. Es geht um den Nutzer fast. Ich habe aber auch gute Ergebnisse gesehen mit Rosetta Stone, das von vielen Leuten so verhasst ist. Also, es ist wirklich… Die Grundmethode ist einfach Disziplin, konzentrieren, und sich selber beobachten.

Gabriel:           Okay. Und wie kann man sich dann selbst beobachten? Also, ich achte darauf, was mir besonders viel Spaß macht oder… Also, es ist ja… Ergebnisse siehst du ja nicht sofort. Also, ich mache jetzt viele verschiedene Sachen, aber einen Monat später weiß ich nicht was jetzt den ausschlaggebenden… was der ausschlaggebende Faktor war.

Kerstin:           Ja.

Gabriel:           Also, wie könnte man da das Ganze herausfinden?

Kerstin:           Es hängt davon ab, was man verbessern will. Ich finde, wenn man wirklich denkt „Bin ich jetzt besser geworden oder schlechter geworden?“, dann stellt man sich eigentlich eine kleine Falle, weil man nicht wirklich weiß, worin man überhaupt schlechter oder besser werden wollte. Wenn man sich jetzt wirklich hingesetzt hat und hat versucht Vokabeln zu lernen, und es waren immer die gleichen Vokabeln, und die hängen einfach nicht, dann muss man anfangen, drüber nachzudenken, okay, wie kann ich die Vokabeln besser zum Kleben bringen, sagen wir mal. Und das ist halt mein zweites Buch. Ich habe jetzt geschafft alles zu erwähnen. Das ist gut. Ich habe halt ein Buch geschrieben, The Vocab Cookbook, und das ist wirklich ein Kochbuch. Der ganze Sinn davon war, ein Kochbuch zu schreiben im Sinne von du hast Rezepte, du kannst halt ein Rezept kochen oder nicht, und jeder probiert mal ein Rezept aus, aber die, die wirklich funktionieren, die gewöhnt man sich dann an. Aber ich habe halt sehr viel auch wieder in der Forschung geguckt. Ich lese ziemlich viel akademische Sachen, und Studien, und so, zu dem Thema. Es interessiert mich sehr. In der Forschung geguckt, wie lernt man und halt diese Sachen mit der gestaffelten Wiederholung und warum das Langzeitgedächtnis wichtig ist. Und dann wirklich, also, wenn man denkt ich mache keinen Fortschritt, oder ich habe Fortschritt gemacht, dann muss man genauer beobachten, wo der Fortschritt war und warum man denkt, man hat den Fortschritt gemacht. Man kann halt mit diesen ganzen Kernfähigkeiten die Grammatik nicht vernachlässigen. Meine Einstellung zur Grammatik nach vielen Jahren Deutschunterrichten ist, es bringt nichts die Grammatik so sich vorzunehmen, einfach so „So, heute mache ich das Plusquamperfekt“. Es ist schön, aber Gott, ich meine, das langweilt jeden. Das will eigentlich… wen interessiert’s? Aber was ich gesehen habe, was wirklich immer hilft, ist wenn ein Student oder ein Schüler ein Fehler macht, wenn du als Lerner dann merkst, ich habe einen Fehler gemacht und dann denkst „Moment! Ich kenne die Regeln nicht“. Also, mal wirklich denken, okay, warum mache ich den Fehler immer wieder, oder warum habe ich hier eine Lücke? Und ganz oft fehlt einem dann einen grammatischen Fehler. Und dann ist man aber auch bereit, dann ist man in dieser „Zone of Proximal Development“, dann ist man so am Ende der Bequemlichkeit und da kann man ein bisschen weiter kommen, aber man hat halt die Grundlage, man ist halt genau an dem Punkt, wo man es auch wirklich braucht. Und das habe ich in meiner eigenen Erfahrung, und da haben wir sehr viel Glück als Privat-Coaches und Privatlehrer, da hat man hald Glück, weil du nur mit einer Person arbeitest und die armen Schullehrer sehen es nicht, aber das ist wirklich, wenn man selbst lernt und sich selbst beobachtet, dann merkt man das auch. Und ich habe in diesem… in meinem Tracker habe ich, also in meinem eigenen auch, habe ich unten ein kleines Feld, wo dann einfach drinsteht „Sachen, die ich einfach nochmal nachgucken will“.

Gabriel:           Okay.

Kerstin:           Und da kommt dann irgendwie Grammatik rein, oder Sachen, die vielleicht in Say Something in Welsh kamen, die in dem Moment ich so kopieren konnte, aber hab eigentlich schon gemerkt eigentlich denke ich „Heee? Was?“ Okay, und dann habe ich da ein Grammatikbuch und dann werden die nachgeguckt, weil man dann auch so ein folgendes Erlebnis hat und denken kann, ach, okay, jetzt verstehe ich das.

Gabriel:           Also, aus deinen Antworten ziehe ich jetzt zwei Sachen. Das erste ist, verschiedene Dinge ausprobieren. Also, zum Beispiel in deinem Kochbuch, verschiedene Rezepte ausprobieren, gucken welches am besten funktioniert, und dann das machen, nur noch das machen.

Kerstin:           Ja. Nur noch das machen…

Gabriel:           Also…

Kerstin:           Bis es halt nicht mehr funktioniert. Ich glaube das macht man irgendwann von Natur dann.

Gabriel:           Und das zweite war Relevanz. Das heißt, ich lerne Grammatikregeln nicht, weil das Lehrbuch mir sagt, ich soll das jetzt lernen, oder weil der Lehrer im 20-Personen Sprachkurs es sagt, sondern weil ich gerade ein Problem habe und deshalb lerne ich diese Grammatikregeln genau jetzt und kann sie dann auch verstehen, weil ich das Problem bereits mit der Grammatikregel hatte.

Kerstin:           Ja, genau. Oder, weil man einfach gemerkt hat, ich wollte jetzt sagen nächste Woche mache ich das und ich weiß nicht, wie ich die Zukunft beschreibe.

Gabriel:           Was ja wieder dann Relevanz ist.

Kerstin:           Genau, genau. Dann denkt man nämlich, dann hat sich diese… Ich meine, Alex Rolling hat es so schön zusammengefasst und sagt, man muss das Bedürfnis haben. There has to be a need. Und dann, also wirklich ohne Bedürfnis, bringt nichts. Ohne Bedürfnis, es ist alles irrelevant, und was irrelevant ist hält nicht.

Gabriel:           Ja, ja. Ja, super. Also, ich glaube wir sind auf viele Themen zu sprechen gekommen.

Kerstin:           Ja, ich rede viel von Natur aus.

Gabriel:           Also, das ist interessant. Bei dir waren’s viel weniger Fragen, weil du zu jeder Frage sehr viel zu sagen hattest. Gibt’s noch irgendein Thema, das wir auf jeden Fall ansprechen sollten, oder irgendwas, was du sagen möchtest?

Kerstin:           Ne, ich denke ich habe eigentlich… Also, danke für die Fragen, weil die waren auch wirklich so grundsätzliche Fragen, was mir dann die Möglichkeit gibt die Grundsätze zu erklären. Und ich find’s wichtiger… es ist gut und nützlich über Instagram zu reden, aber ich will halt wirklich, dass verstanden wird, die Grundprinzipien von was meiner Meinung nach funktioniert. Und das sind diese Kernfähigkeiten. Das ist die Selbstbeobachtung und halt dieses Tracking, dieses irgendwie Tagebuch führen, aber… und da kommt halt hoffentlich der Tracker dann so zu Geltung. Und ich bin wirklich total. Ich freue mich so drauf. Weil man halt einfach, dann hat man halt einfach die Felder und kann sich selbst organisieren. Und die Probleme, die ich immer wieder sehe, ist entweder ich habe keine Zeit, oder ich habe mir jetzt acht Lehrbücher gekauft und die stehen jetzt da. Und dann fällt den Leuten mal auf, dass man sich keine Sprache kaufen kann.

Gabriel:           Ja, zum Tracker, wenn er online ist, oder wenn er fertig ist, dann verlinke ich ihn noch im Artikel oder in der Transkription von diesem Video.

Kerstin:           Ja, der wird März, wahrscheinlich Ende März.

Gabriel:           Ja, super.

Kerstin:           Aber vorher gebe ich dir halt gerne halt auch diesen Guide. Den schicke ich dir auch so, diese PDF.

Gabriel:           Ja. verlinke ich dann alles.

Kerstin:           Ja. Und lest meine Bücher. Die sind gut und die sind sehr kurz.

Gabriel:           Alles klar. Ja, ich danke dir vielmals. Super!

Kerstin:           Mit Freude! Mit Freude! Ja, vielen Dank!

Gabriel:           Ja, bis dann!

Kerstin:           Okay, tschüss!

Gabriel:           Tschau!

Über den Autor

Gabriel Gelman ist Gründer von Sprachheld, Sprachenthusiast und nutzt gerne seine 6 Sprachen für Reisen und Kennenlernen neuer Leute. Er hilft Sprachlernern dabei schnell ihre Fremdsprache zu lernen.

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