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Warum Sprachkurse absolute Zeitverschwendung sind (oder zumindest die meisten)


Viele Sprachkurse bringen Dir wenig beim Sprachen lernen.

Ich bin der Meinung, dass die meisten Sprachkurse wenig bringen. Es gibt nur wenige gute und sinnvolle Kurse.

Alle meine Sprachkurse haben wenig dazu beigetragen, dass ich die Sprache gelernt habe. Das gilt vor allem für den Sprachunterricht in der Schule.

Das Selbststudium durch Immersion und Gespräche mit Muttersprachlern waren hauptverantwortlich dafür, dass ich meine Sprachen gelernt habe.

Die Hauptprobleme von Sprachkursen, zumindest in meinen Augen, habe ich Dir in diesem Beitrag zusammengefasst.

Problem 1: Zu viele Schüler.

Das größte Problem der meisten Sprachkurse (besonders in der Schule) sind zu viele Schüler. Dadurch findet fast nur Frontalunterricht statt. Der Lehrer lehrt die Sprache und die Schüler können kaum aktiv teilnehmen. Es gibt einfach zu viele.

Die Schüler nehmen auf, aber lernen nicht wirklich. Denn sie wenden das Gelernte kaum an. Die Anwendung ist aber entscheidend. Nur so kannst Du Deine Kenntnisse verbessern.

Wenn ein Schüler etwas sagt, kann und darf er nicht viel mehr als einen Satz sagen. Es gibt zu viele andere, die auch etwas sagen möchten. Es gibt zu viel Material, das durchgegangen werden muss. Sprechen kommt in größeren Kursen viel zu kurz.

Lies hier: Wie Du Muttersprachler findest, mit denen Du Sprechen üben kannst.

Schüler trauen sich nicht Fehler vor anderen zu machen

Es gibt ein weiteres Problem, das mit zu vielen Schülern einhergeht. Viele Schüler trauen sich nicht Fehler vor den anderen zu machen. Deshalb sagen sie lieber gar nichts im Unterricht.

Zudem ist der Lehrer in einem Dilemma. Falls er einen Schüler korrigiert, kann es sein, dass dieser und andere sich nicht mehr trauen etwas zu sagen. Falls der Lehrer nicht korrigiert, nehmen die Schüler an, dass das Gesagte fehlerfrei war.

Gruppenarbeit ist auch (k)eine Lösung

Gruppenarbeit, in der jeder die Fremdsprache spricht, kann dieses Problem lösen. Meistens tun sich aber neue Probleme bei der Gruppenarbeit auf. Die Schüler sollen zwar in der Fremdsprache mit ihren Gruppenmitgliedern sprechen, machen es aber oftmals trotzdem nicht. Wenn sie es denn doch machen, gibt es keine Rückmeldung, ob das was sie sagen richtig ist.

Da keiner der anderen Mitglieder Muttersprachler ist, kann auch niemand lernen wie Dinge richtig gesagt werden. Im schlimmsten Fall lernt man die Fehler der Anderen mit.

Eine Lösung wäre einen Muttersprachler in jede Gruppe zu schicken. Dies ist jedoch in den meisten Fällen gar nicht möglich, weil die Ressourcen fehlen.

Problem 2: Grammatik pauken, statt Sprache lernen.

Ein weiteres Problem von Sprachkursen ist, dass zuviel Gewicht auf Grammatik und Vokabeln lernen gelegt wird. Grammatik sollte aber nicht einfach so auswendig gelernt werden. Das zeigen mittlerweile auch neue Studien zum Thema Sprachen lernen.

Das Wichtigste ist das Sprechen der Sprache. Neue Grammatik wird beim Sprechen angewendet. Danach muss direkt Feedback gegeben werden, ob die Anwendung korrekt war. Bei einem Text, der erst Wochen später korrigiert wird, kommt das Feedback zu spät.

Die Grammatik wird so lange angewendet, bis der Schüler nicht mehr über Grammatikregeln nachdenken muss. Die Grammatik ist dann fest im Gehirn verankert und wird automatisch angewandt.

Problem 3: Sprachkurse sind zu langsam.

Die meisten Sprachkurse sind sehr langsam. Manche sind auf viele Jahre ausgelegt. Dem Lernenden wird vorgegaukelt, er bräuchte viele Jahre, bis er die Sprache beherrscht.

Lies hier: Wie lange es dauert eine Sprache zu lernen (Auflösung: Es dauert nicht 10 Jahre).

Es werden unwichtige Details der Sprache gelernt. Details, die beim Sprechen selten gebraucht werden.

Wozu muss man zum Beispiel die Tiere des Zoos kennen? Man mag glauben, dass Löwe und Tiger wichtige Wörter sind. Die meisten Leute benutzen solche Wörter im Alltag so gut wie nie. Es sei denn Du bist Zoowärter.

Diese Wörter sind nicht wichtig für die Alltagssprache. Genau die Alltagssprache sollte aber gelernt werden.

Probleme vor allem bei Sprachkursen in der Schule

Vor allem Sprachkurse in der Schule sind kritisch zu betrachten. Leider kommt keiner von uns diesen aus. Wir müssen sie in der Schule belegen.

Die Gefahr besteht, dass den Kindern früh der Spaß am Sprachen lernen genommen wird. Das Lernen geschieht zu strukturiert.

So war es auch bei mir in der Schule. Der Sprachunterricht hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht. Deshalb entwickelte ich erst spät eine Neigung zum Sprachen lernen.

Die meisten Schüler lernen jahrelang die Sprache in der Schule, ohne sie jemals zu beherrschen. Zum Beispiel können nur 56% aller Deutschen fließend Englisch sprechen. Obwohl wir alle jahrelang Englisch in der Schule lernen. Manchmal sogar bis zu 10 Jahren.

Es wird den Schülern vermittelt, dass sie

  • jahrelang die Sprache pauken,
  • tausende und abertausende von Vokabeln lernen und
  • jede ach so kleine grammatikalische Regel kennen müssen.

Erst dann können sie die Sprache fließend. Es wird davon abgesehen, dass sogar viele Muttersprachler grammatikalische Fehler machen.

Trotzdem  schneiden unsere Sprachkurse in der Schule im europäischen Vergleich noch relativ gut ab. Natürlich abgesehen von den skandinavischen Ländern und den Niederlanden.

Alle Franzosen, Spanier und Italiener beschweren sich über die niedrige Qualität ihrer Sprachkurse. Das schlägt sich dann auch in deren Sprachkenntnissen nieder. In Spanien können zum Beispiel nur 22% der Bevölkerung fließend Englisch sprechen (siehe Link oben).

Sprachkurse sind nur am Anfang sinnvoll

Es gibt nur einen einzigen Zeitpunkt, zu dem ein Sprachkurs oder zumindest einige Lektionen eines Kurses sinnvoll sein können. Wenn Du anfängst eine neue Sprache zu lernen. Im Sprachkurs lernt man am Anfang die Aussprache, wie sie gelesen wird und andere wichtige Grundregeln.

Diese lernst Du am besten vom Profi. Alternativ kannst Du auch Videos online nutzen. Nach 5-10 Lektionen kannst Du Dir den Unterricht auch sparen. Ab diesem Zeitpunkt ist ein Selbststudium deutlich effektiver. 

Das ist eine Möglichkeit. Aber auch ohne Sprachkurs kannst Du Dir online alles wichtige Basiswissen selbst beibringen.

Es gibt Ausnahmen

Es gibt natprlich Ausnahmen, wann Sprachkurse eine sinnvolle Alternative sein können.

Mit einem Sprachkurs alleine dauert es jedoch sehr lange, bis Du die Sprache beherrschst. In diesen Fällen wäre ein Privatlehrer also eine bessere Alternative (einmal die Woche reicht völlig aus).

In jedem Fall sollte der Sprachkurs so klein wie möglich sein. Ein Kurs mit 15 oder mehr Schülern (pro Lehrer) ist auf keinen Fall hilfreich.

Informiere Dich ausführlich über einen Sprachkurs, bevor Du dich entscheidest ihn zu belegen. Zum Beispiel was andere Schüler über den Kurs sagen.

Hier ist meine Alternative zum klassischen Sprachkurswie ich in 6 Monaten jede Fremdsprache lerne.

Was hältst Du von Sprachkursen? Hast Du ebenfalls schlechte Erfahrungen gemacht oder hast Du bessere Erfahrungen mit Sprachkursen? Hinterlasse mir doch Deine Meinung in den Kommentaren – Dein Gabriel Gelman.

Und – wie hat Dir mein Beitrag gefallen? Hinterlasse mir doch gerne eine Bewertung:

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    Kategorien: Allgemeine Themen zum Sprachenlernen
Gabriel Gelman :Gabriel Gelman ist Gründer von Sprachheld, Sprachenthusiast und nutzt gerne seine 6 Sprachen für Reisen und Kennenlernen neuer Leute. Er hilft Sprachlernern dabei schnell ihre Fremdsprache zu lernen.

Kommentare ansehen (6)

  • Danke für den tollen Beitrag!
    Ich kann nur bestätigen was du über Sprachkurse schreibst. Ich lerne seit über 2 JAhren Französisch an einer Schule und es macht ab einem bestimmten Punkt einfach keinen Sinn mehr. Der Unterricht ist sehr komplex geworden und es fällt mir schwer die Konjunktionen der verschieden Zeitformen auswendig zu lernen. Die Sprache spreche ich dadurch nicht besser. Als ich letztes Jahr für drei Tage in Paris war, konnte ich schon Small Talk halten. Sogar innerhalb dieser kurzen Zeit konnte ich mich schon etwas ans Sprechen gewöhnen und verbessern. Ich hab mich gefragt wie es wäre wenn ich mehrere Wochen geblieben wäre.
    Wie bringst du dir denn die Sprache selbst bei, abgesehen von Sprachtandems? Ein längerer Aufenthalt in Frankreich ist momentan leider nicht machbar.
    Grüße,
    Vicky

    • Hallo Vicky,

      danke für Dein Kommentar. Genau so geht es mir auch. Ein paar Tage im Land können problemlos viele Monate Sprachkurs ersetzen. Die Zeitformen auswendig zu lernen aber nicht wirklich anzuwenden, ist nicht förderlich für die Sprache. Dann lieber mit Fehlern sprechen aber nicht ständig lange überlegen müssen. Sprach-Tandems sind für mich der Kern meiner Strategie. Was Du aber machen solltest, wenn Du nicht nach Frankreich fahren kannst: Bring Frankreich zu Dir. Versuch so viel wie möglich in Deinem Alltag auf Französisch umzustellen. Hör Musik auf Französisch, guck Fernsehen auf Französisch, stell Deine Geräte auf Französisch um. Immersion in die Sprache ist auch problemlos in Deutschland möglich. Hier findest Du mehr zu dem Thema.

      Viele Grüße
      Gabriel

  • Vielleicht muss man nicht komplett auf das Medium der Gruppenkurse verzichten, wenn Du dir überlegst einen Kurs zu eröffnen, dessen Ziel es ist nicht eine Sprache beizubringen, sondern die Prinzipien wie man selber am schnellsten dort ankommt. Ich denke nämlich, dass Gruppenkurse deswegen erfolgreich sind, weil Menschen gerne Sache zusammen machen. Wenn man die revolutionäre Ideen beim Sprachen lernen implementiert ist es immer noch der Fall. Man will einer Gruppe an Menschen zugehören, die genau das tun. Mit Gamafication könnte man die Gruppe in ihren Zielen begleiten.

    • Hey Slava,

      das ist ein interessanter Gedanke. Du hast auf jeden Fall recht, dass es motivierender ist in einer Gruppe zu lernen. Gamification ist ein schöner Zusatz, um die Teilnehmer auch beim Sprachenlernen am Ball zu halten.

      Ich finde aber auch Sprachkurse, die ganz stark auf das Sprechen fokussiert sind, können motivierend sein, da die Teilnehmer schnell Fortschritte sehen.

  • Hallo Gabriel,

    ich habe persönlich mit Sprachkursen (an der Uni, aber eher VHS-Niveau, d.h. für Leute, die die Sprache nicht studieren) bisher ganz gute Erfahrungen gemacht:

    Mir hilft es persönlich sehr, wenn ich zu zwei festen Terminen in der Woche den Kurs besuche und mich in der Zwischenzeit mindestens mit den Hausaufgaben beschäftigen muss. Mehr kann ich natürlich immer machen, wenn die Zeit dafür da ist, aber durch den Kurs komme ich auch in einer anstrengenden Woche auf mindestens fünf Stunden Beschäftigung mit der Sprache.
    Dazu kommt, dass unsere Lehrerin sich bemüht alltägliches Vokabular in die Übungen einfließen zu lassen und die Themen soweit als möglich am Alltag auszurichten.

    Ich verstehe persönlich grammatikalische Zusammenhänge besser, wenn ich sie mal als abstraktes Konzept kennengelernt habe, als wenn ich sie nur "vom Hören/Lesen" her kenne. Außerdem kann ich damit grammatikalische Fehler umfassender ausmerzen.
    Zumindest für die wichtigsten Strukturen finde ich es sehr hilfreich, einen Kurs zu haben, bzw. nachfragen zu können, wenn etwas unklar ist. (Ab einem gewissen Sprachniveau geht das auch durch Medienkonsum, aber auf dieses Niveau muss man erstmal kommen.)

    Ich habe allerdings nicht das Problem, dass ich mich nicht traue aktiv am Kurs teilzunehmen. Das ist in der Schule definitiv ein Problem, aber davon möchte ich ehrlichgesagt nicht anfangen.

    Mit Privatlehrern habe ich keine Erfahrungen gemacht, ich vermute aber, dass ein Kurs unterm Strich günstiger ist.

    Als Motivation, dauerhaft dranzubleiben und für konkrete Rückfragen bei Grammatikthemen finde ich Sprachkurse gut und hilfreich.
    Mir ist aber auch klar, dass er weder Sprachpraxis noch umfangreiches, praktisches Vokabellernen abnehmen kann. Allerdings sehe ich ihn auch eher als Grundstein für's Selbststudium, als als "Ich mache die Kurse, danach kann ich die Sprache".

    Viele Grüße,
    Katja

    • Hallo Katja,

      zunächst danke ich Dir für den umfangreichen Kommentar und Deine Sicht auf die Dinge.

      Ich stimme Dir zu. Als Ergänzung kann ein Sprachkurs hilfreich sein. Vor allem, wenn es Dir dadurch einfacher fällt Dich zu motivieren, da Du zum Kurs 2 Mal die Woche gehen "musst".

      Es ist natürlich einfacher sich für einen solchen Pflichttermin zu motivieren als für andere Aktivitäten, die keinen Termin haben. Hier eignen sich aber Termine für Tandemgespräche ausgezeichnet, da diese ebenfalls verpflichtend sind.

      Wie Du auch schon richtig angemerkt hast, ist jedoch ausschließlich ein Kurs wenig effektiv. Leider glaube viele, die einen Kurs besuchen, dass sie sonst nichts machen müssen, um die Sprache zu lernen. Ausschließlich der Kurs ist jedoch eben nicht ausreichend.

      Viele Grüße
      Gabriel

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