Deutsche Dialekte: Wie viele gibt es und wo spricht man was?

Lang ein wenig verpönt, heute wieder im Trend:

Dialekte sind etwas, das wir zwar gern hören, aber nicht unbedingt noch selber sprechen.

Warum eigentlich? Es gibt so viele charmante Dialekte in Deutschland, die es wert sind, dass man sie lernt und spricht.

Auch interessant: Deutsche Sprache, schwere Sprache: Oder – wie schwer ist es Deutsch zu lernen? Ein Erfahrungsbericht!

Erfahre, was ein Dialekt ist, wie viele es in Deutschland gibt und in welchen Regionen man was spricht. Lies auch, welche Dialekte besonders beliebt sind und wie Dir Dein Dialekt beim Sprachenlernen helfen kann.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was ist ein Dialekt?
  2. Woher kommt das Wort „Dialekt“?
  3. Wie sind die deutschen Dialekte entstanden?
  4. Wie viele Dialekte gibt es in Deutschland?
  5. Von Husum bis Holzkirchen: Welcher Dialekt gilt wo?
  6. Beispiele für verschiedene Dialekt
  7. Was sind die beliebtesten Dialekte?
  8. Können Dialekte beim Sprachenlernen helfen?
  9. Fazit: So helfen Dir Dialekte eine Fremdsprache zu lernen

1. Was ist ein Dialekt?

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Wir lieben das bairische „Griaß di” oder das ostfriesische „Moin”, weil es sich erfrischend vom förmlichen „Guten Tag” abhebt, das wir standardmäßig in der Schule lernen.

Und genau das sind Dialekte per Definition auch: Sie sind sprachliche Varianten, die sich von Region zu Region unterscheiden und von der Einheitssprache abweichen. Mit anderen Worten: Ein Dialekt ist eine Sprachfärbung in einer bestimmten Region, mit eigenen Besonderheiten und Regeln.

2. Woher kommt das Wort „Dialekt“?

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Was wenige wissen ist, dass das Wort „Dialekt“ eigentlich aus dem Griechischen kommt und sich von „diálektos“ (altgriechisch „διάλεκτος“) ableitet. Es bedeutet so viel wie „Gespräch und/oder Redensweise von Gruppen.“

Die Römer haben dieses Wort später von den Griechen übernommen, und wir von allen, die nach ihnen kamen.

Im Deutschen verwenden wir als alternativen Begriff für die verschiedenen innerdeutschen Sprechweisen auch oft die etwas altmodisch klingende Bezeichnung „Mundart“.

3. Wie sind die deutschen Dialekte entstanden?

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Lokale Sprachfärbungen hat es schon immer gegeben.

In Deutschland ging es mit der Herausbildung verschiedener, nennbarer Sprachvarianten zu Zeiten der germanischen Stämme los, und zwar zwischen 200 v. Chr. und 900 n. Chr.

Zu den germanischen Stämmen zählten zu der Zeit zum Beispiel die:

  • Alamannen,
  • Bajuwaren,
  • Franken,
  • Friesen,
  • Sachsen und
  • Thüringer.

Man konnte über die Jahre deutliche Sprachunterschiede ausmachen und sie in zwei Kategorien unterteilen: In germanische und indogermanische Sprachen. In einem Prozess, der als „erste Lautverschiebung“ bezeichnet wird, erfolgte eine Akzentveränderung im Germanischen.

In den germanischen Sprachen wurde fortan meist die erste Silbe eines Wortes betont, während der Akzent in den indogermanischen Sprachen auf jeder Silbe (auch auf der letzten Silbe) liegen konnte. Laute wie b, d und g wurden ferner zu p, t und k. So wurde aus dem Wort „ager“ beispielsweise das Wort „Acker“.

Zwischen 600 bis 800 n. Chr. fand eine weitere Entwicklung statt, die die Regionalsprachen in hochdeutsche und niederdeutsche Dialekte einteilte. Diese Entwicklung nannte man dann die zweite Lautverschiebung.

In diesem Prozess wurden im Hochdeutschen einige stimmlose Verschlusslaute (wie p, t oder k) nach einem Vokal etwas weicher. So wurde ein t zu ss (aus „etan“ wurde „essen“), ein p zu ff (aus „opan“ wurde „offen“) und ein k zu ch (aus „makon“ wurde „machen“).

In den niederdeutschen Dialekten (wie zum Beispiel im Plattdeutschen) sind die alten, etwas härter klingenden Laute noch erhalten wie beispielsweise in „dat“ (das) oder „ik“ (ich).

Der germanische Sprachraum war nun also auch in Nord und Süd untergliedert. Und dieses Nord-Süd-Gefälle existiert noch heute.
Während der Gebrauch von Dialekten im Norden jedoch seit Jahren abebbt, sprechen im Süden Deutschlands noch verhältnismäßig viele Menschen Dialekt. Bairisch stellt das größte zusammenhängende Dialektgebiet im mitteleuropäischen Sprachraum dar. Es umfasst 150.000 Quadratkilometer und mehr als 13 Millionen Sprechende.

4. Wie viele Dialekte gibt es in Deutschland?

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Obwohl Zahlen zur genauen Anzahl voneinander abweichen, sind um die 20 deutsche Dialekte allgemein bekannt und benennbar – darunter so berühmte wie Bairisch, Sächsisch und Hessisch, aber auch weniger populäre wie Saarländisch oder Saterfriesisch.

5. Von Husum bis Holzkirchen: Welcher Dialekt gilt wo?

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Dass man in München Bairisch spricht und in Ostfriesland Platt, das wissen die meisten. Welche der restlichen Dialekte wo genau dominieren, sehen wir vor unserem geistigen Auge dann oft schon nur schwammig.

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Auf einer Deutschlandkarte würden wir ganz oben im Norden die Dialekte:

  • Ostfriesisch (Niedersachsen),
  • Saterfriesisch (Niedersachsen),
  • Mecklenburgisch (Mecklenburg-Vorpommern) und
  • Hamburgisch (Hamburg) finden.

In der Mitte hätten wir:

  • Berlinerisch (Berlin)
  • Westfälisch (Nordrhein-Westfalen)
  • Ruhrpottdeutsch (Nordrhein-Westfalen)
  • Niederrheinisch (Nordrhein-Westfalen)
  • Kölsch (Nordrhein-Westfalen)
  • Sächsisch (Sachsen) und
  • Thüringisch (Thüringen).

Und ganz im Süden können wir:

  • Hessisch (Hessen und Rheinland-Pfalz)
  • Moselfränkisch (Rheinland-Pfalz)
  • Pfälzisch (Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen, Saarland)
  • Saarländisch (Saarland)
  • Schwäbisch (Baden-Württemberg)
  • Alemannisch (Baden-Württemberg)
  • Fränkisch (Bayern)
  • Allgäuerisch (Bayern)
  • Bairisch (Bayern) ausmachen.

Die Übergänge sind fließend, und in manchen Bundesländern treffen wir auf gleich mehrere Sprachvarianten.

6. Beispiele für verschiedene Dialekt

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  • Ostfriesisch: Kopp hooch, ook wenn de Hals schietig is (Kopf hoch, auch wenn dir das Wasser bis zum Hals steht)
  • Saterfriesisch: Iek häbe swit as n Otter (Ich habe geschwitzt wie ein Otter)
  • Mecklenburgisch: Wat is denn dat? (Was ist denn das?)
  • Hamburgisch: Du büst’n baldadig Bangbüx. (Du bist ein richtiger Angsthase)
  • Berlinerisch: Keene Haare uff´m Kopp, aba´n Kamm inner Tasche (Auf dicke Hose machen, aber nichts dahinter)
  • Westfälisch: Wo kommst du denn wech? (Woher kommst du?)
  • Ruhrpottdeutsch: Kommt oben auffe Pommes noch wat bei? (Möchten Sie eine Sauce für Ihre Pommes Frites?)
  • Niederrheinisch: Dem ess de Kopp dör de Hoor jewaase (Dem ist der Kopf durch die Haare gewachsen)
  • Kölsch: Wat kütt, dat kütt (Was kommt, das kommt)
  • Sächsisch: Feense hier ni ega so rum! (Irgendwann ist ja auch mal gut mit jammern!)
  • Thüringisch: Na, wie en? (Hallo, wie geht´s)
  • Hessisch: Du muschd mol ubedingt werrer de Aschebescher ausleere. (Du musst mal wieder den Aschenbecher ausleeren)
  • Moselfränkisch: Jó, unn selwat? (Mir geht es gut, danke der Nachfrage, und selbst?)
  • Pfälzisch: Du machscht mich ganz heckewelsch (Du bringst mich ganz durcheinander)
  • Saarländisch: Mach kenn so Zores! (Mach keine Schwierigkeiten)
  • Schwäbisch: ´s kommt, wie ´s komma muss (Es kommt, wie es kommen muss)
  • Alemannisch: Bischd uffam Märkt eikaufa gwäa? (Warst du auf dem Markt einkaufen?)
  • Fränkisch: Des is gloar wäi Glousbrii (Das ist klar wie Kloßbrühe)
  • Allgäuerisch: A so a gschwollanes Gschwätz (So ein übertriebenes Gerede)
  • Bairisch: Host mi?! (Hast du mich verstanden?)
Grafik1 Babbel German Map 1
Deutschlandkarte mit 6 Dialekten

7. Was sind die beliebtesten Dialekte?

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In den letzten Jahren erfreuen sich unsere wunderbaren deutschen Dialekte neuer allgemeiner Beliebtheit. Wir werden uns immer mehr bewusst, dass verschiedene Sprechweisen Identität stiften und unsere Sprachlandschaft enorm bereichert. Denn was wäre Deutschland ohne das sächsische „Mach hier keene Fiesematenten!” oder das berühmte „Uffbasse!” der Pfälzer?

Einige Dialekte sind jedoch beliebter als andere. Bei den Lieblingsdialekten der Deutschen liegen mal Bairisch, mal Kölsch oder Berlinerisch vorn. Babbel hat im Juni eine nicht-repräsentative Online-Befragung durchgeführt und die Teilnehmenden gefragt, welches ihre Favoriten sind. Dabei kam Folgendes heraus:

  • Der beliebteste Dialekt ist Berlinerisch, gefolgt von Bairisch und Hamburgisch.
  • Als lustigster Dialekt wird das Sächsische empfunden.
  • Als freundlichste Dialekte gelten Hamburgisch und Ostfriesisch.
  • Besonders sexy finden die Befragten Hamburgisch, Berlinerisch oder Kölsch.
Grafik2 Babbel Main awards graphic 1
Was sind die beliebtesten Dialekte?

8. Können Dialekte beim Sprachenlernen helfen?

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Dialekte sind zwar keine eigenen Sprachen per se. Aber wenn ein Sachse so richtig lossächselt, dann kann einem Westfalen das Gehörte in der Tat wie eine völlig andere Sprache vorkommen.

Bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass wir im Prinzip bilingual sind, wenn wir Hochdeutsch und einen Dialekt beherrschen? Ja. Denn wer Dialekt spricht, wechselt im Alltag ständig zwischen zwei verschiedenen „Sprachen” hin und her.

Das Gehirn macht einer Studie zufolge keinen Unterschied zwischen Spanisch und Deutsch oder Hessisch und Deutsch. Das Switchen zwischen zwei verschiedenen Sprechweisen fördert darüber hinaus Konzentration und Erinnerungsvermögen. Und das wiederum verschafft uns beim Sprachenlernen enorme Vorteile, denn ohne diese beiden wichtigen Fähigkeiten geht es nicht.

Gestützt wird diese These auch vom Sprachforscher Anthony Rowley. Er denkt laut baby-und-familie.de, dass Kinder, die Hochdeutsch und Dialekt lernen, es beim späteren Erlernen einer Fremdsprache höchstwahrscheinlich leichter haben, da sie von klein auf mit verschiedenen Sprachgefügen, einem umfangreicheren Wortschatz und unterschiedlichen grammatikalischen Strukturen umgehen.

9. Fazit: So helfen Dir Dialekte eine Fremdsprache zu lernen

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Wieder mehr Dialekt zu sprechen, verhindert nicht nur das Aussterben unserer schönen deutschen Sprachvarianten, sondern bringt uns also auch persönliche Vorteile.

Wenn Du Hamburgisch, Kölsch, Berlinerisch oder einen der anderen deutschen Dialekte beherrscht, solltest Du diesen Vorteil unbedingt nutzen, um Dir eine neue Sprache anzueignen.

Möglicherweise fällt es Dir super leicht, eine Sprache zu lernen, die Dich in Deiner Karriere weiterbringt – oder die Dir einfach Spaß macht.

Autor: Babbel Didaktik-Team

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Das Didaktik-Team von Babbel besteht aus Linguisten, Lehrenden, didaktischen Designern und natürlich Sprachenthusiasten. Gemeinsam gestalten sie Lerninhalte und -methoden, die Lernenden dabei helfen, ihre individuellen Lernziele zu erreichen. 

Über den Autor

Gabriel Gelman ist Gründer von Sprachheld, Sprachenthusiast und nutzt gerne seine 6 Sprachen für Reisen und Kennenlernen neuer Leute. Er hilft Sprachlernern dabei schnell ihre Fremdsprache zu lernen.

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