Englisch lernen für Kinder – ab welchem Alter? Und mit welchen Übungen kann man Kinder am besten zum Englisch lernen motivieren? | Sprachheld

Englisch lernen für Kinder – ab welchem Alter? Und mit welchen Übungen kann man Kinder am besten zum Englisch lernen motivieren?

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Wie lernen Kinder Englisch? Wie soll man Kindern Englisch beibringen? Und wie diese zum Englisch lernen motivieren? Diese und weitere Fragen stellen sich in regelmäßigen Abständen nicht nur Eltern, Lehrer und Sprachwissenschaftler, genauso beschäftigt sich die Politik immer wieder mit dieser Frage.

So kam in letzter Zeit auch wieder die Diskussion auf, ab welcher Klasse der Grundschule (oder ob überhaupt in der Grundschule) Kinder Englisch lernen sollen. Eine wichtige Frage, wie wir von Sprachheld natürlich finden. Und mit dieser meiner Meinung stehen wir nicht alleine da, wie Du an dem folgenden Gastbeitrag von Birgit Kasimirski sehen kannst.

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Birgit Kasimirski ist freiberufliche Journalistin, Übersetzerin und Englisch-Trainerin. Davor hat Sie nach dem erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung zur Wirtschaftsjournalistin in Köln für deutsche und englische Zeitungen geschrieben und in Budapest und Wien gearbeitet. Außerdem hat Sie 2017 das Buch „Englische Grammatik“ (für das Selbststudium) verfasst.

Als ihre Kinder (heute 11 und 9) im Kindergartenalter waren, hatte Sie dort Englisch angeboten, was von den Vorschulkindern mit Begeisterung angenommen wurde. Ihre Kinder lernen seit der 1. Klasse Englisch. Sie hat sie nie dazu gedrängt die Sprache zu „lernen“. Sie stellt aber mit Freude fest: Ihnen macht Englisch Spaß!

In Ihrem Gastbeitrag hat Sie sich nun mit dem Thema warum, ab welchem Alter und vor allem wie Kinder Englisch lernen sollten, auseinandergesetzt. Dazu gibt Sie hilfreiche Tipps und erklärt Übungen aus Ihrer Praxis. Aber nun genug der langen Vorrede und wir übergeben das Wort hiermit an Birgit.

Englisch lernen für Kinder – ab welchem Alter? Und mit welchen Übungen kann man Kinder am besten zum Englisch lernen motivieren?

Vor nicht allzu langer Zeit, zum Schuljahr 2005/2006, wurde das Fach Englisch in Deutschland in die Grundschulen geholt. Seitdem wird es dort verpflichtend gelehrt. In welcher Klasse die Schulen beginnen Englisch zu unterrichten, ist sehr unterschiedlich. Möglich ist ab der 1., 2., oder 3.Klasse.

Neuesten Studien zufolge soll es im Endeffekt keinen Unterschied machen, wann Grundschulkinder mit dem Englisch lernen beginnen, daher wird aktuell diskutiert, es flächendeckend ab der 3.Klasse vorzuschreiben. Die AFD hatte gar gefordert, den Englischunterricht in der Grundschule gänzlich zu streichen.

Als private Englisch-Trainerin stehe ich da und kann es kaum glauben: Deutschland, das in großem Maße Anglizismen verwendet, diskutiert, ob im Fach Englisch Ressourcen eingespart werden können! Letztlich geht es in der Diskussion darum: Es fehlen Lehrkräfte.

Anmerkung: Hier findest Du unsere Linksammlung mit den besten kostenlosen Englisch-Lernhilfen, die wir im Netz finden konnten.

In Online-Diskussionen wie Foren und Chats zum Thema „Englisch ab der 1. oder 3. Klasse“ finden sich zahlreiche Befürworter für den Einstieg zu einem späteren Zeitpunkt. So überzeugt alle Pädagogen des Landes argumentieren mögen, mein persönlicher Menschenverstand sagt mir – geprägt durch jahrelange Erfahrungen in der Anwendung der Sprache und mit SchülerInnen aller Altersstufen: Es gibt viele gute Gründe dafür, möglichst früh die englische Sprache zu lehren und zu lernen.

Fünf Gründe warum Kinder möglichst früh Englisch lernen

Grund 1:

Englisch ist Weltsprache Nummer eins und wird es bleiben. Wer Englisch kann, erschließt sich mehr Möglichkeiten später einen guten Job zu ergattern, hat zahlreichere Optionen zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Englisch bleibt wichtige Qualifikation für einen großen Personenkreis in Deutschland.

Grund 2:

Ein frühes Umgeben mit der englischen Sprache bringt Erfolge, Beispiel Niederlande. Die Niederlande als ein kleines Land verzichtet darauf, ausländische Filme für teures Geld synchronisieren zu lassen. Sie schauen im Original.

Als Folge davon wachsen holländische Kinder umgeben von Englisch auf, denn die hören die Sprache von klein auf in allen Bereichen der populären Kultur. Hier wird Englisch in die Lebenskultur integriert, darum sprechen die Holländer auch weltweit am besten Englisch (als Fremdsprache).

Grund 3:

Die Ergebnisse der oben erwähnten Studien sind, meiner Ansicht nach, ein Beweis dafür, dass in den vergangenen Jahren kein ausreichend ausgereiftes Konzept für das Fach Englisch in der Grundschule erarbeitet wurde. Man hört oft, dass inhaltliche Unterschiede von Schule zu Schule groß sind. Es wurde mehr ausprobiert in den letzten Jahren, als an einem systematischen Lehrplan gearbeitet.

Das Resultat: Aufgeben bzw. Rückzug nach dem Motto „das hat ja früher auch gereicht“. Und Ressourcen können so auch noch gespart werden. Die Scheu zu sprechen und auf Englisch zu kommunizieren, bleibt für einen Großteil der Englischlernenden bestehen. Denn diese ist hierzulande unter Erwachsenen weit verbreitet. Viele Menschen haben gute Grundlagen erworben, aber die Sprache angewendet haben sie nicht.

Die Bestrebungen sollten meiner Meinung dahin gehen zu überlegen, wie erarbeiten wir ein Konzept, mit dem unsere Kinder schon in der Grundschule den Umgang mit der englischen Sprache lernen und lernen Englisch zu hören und anzuwenden?

Grund 4:

Ab Klasse 5 ist Englisch Hauptfach. Hoppla! Deutsch und Mathe lernen die Kinder ab Klasse 1 und mit diesen Fächern kommen sie auch außerhalb der Schule in Kontakt. Da soll ausgerechnet das Fach Englisch, mit welchem Kinder in der Regel privat nicht in Berührung kommen, zukünftig in der Grundschule nicht mehr gelehrt werden? Aber ab Klasse 5 dann bitte mit Vollgas?! Für mich macht das keinen Sinn.

Grund 5:

Kinder haben Spaß an neuen Sprachen. Sie sind von Natur aus wissbegierig. Diese natürliche Neugierde sollten wir nutzen. Vier Jahre lang kann die Grundschule einen guten Dienst leisten, bzw. leistet sie derzeit teilweise auch.

Kinder lernen spielerisch den Klang der Sprache kennen, verlernen die Scheu miteinander Englisch zu singen, erarbeiten sich spielend grundlegende Begriffe in verschiedenen Themenbereichen (Farben, Formen, Früchte, Kleidung etc.) und profitieren von dem Wissen: Englisch ist wichtig.

Zumal: Die Anzahl englischer Lehnwörtern, die unsere Sprache verwendet ist immens. Denken wir an Playstation, Handy, Cheeseburger, T-Shirt, Shorts & Co. Meine persönliche Meinung hierzu – wir sollten unsere Kinder früh darauf hinweisen, dass uns die englische Sprache täglich umgibt und ein Bewusstsein für sie schaffen. So haben Kinder die Chance, für sich zu entdecken, dass Englisch Möglichkeiten eröffnet.

Wie Kinder Sprachen lernen

Der Spracherwerb im frühen Kindesalter ist einzigartig: „Wenn ein Kind im frühen Alter zwei Sprachen lernt, entsteht ein einziges neuronales Netz für beide Sprachen. In der Computertomografie (CT) werden bei der Nutzung beider Sprachen die gleichen Areale aktiv angezeigt. Wenn ein Mensch hingegen später lernt, entwickelt sich für diese zweite Sprache teilweise ein neues Netzwerk. Und das führt dazu, dass das Erlernen dieser zweiten Sprache sehr viel mehr Anstrengung, Mühe und Üben bedeutet“ (Quelle: Gehirnforschung, Lernen und Spracherwerb, Holger Küls).

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Kinder sind wissbegierig und saugen neue Informationen auf wie ein trockener Schwamm Wasser. Diese natürliche Neugierde sollten wir uns viel mehr zu Nutze machen, anstatt sie (wie leider viel zu oft) im Keim zu ersticken.

Wie ich mit Kindern – ab Vorschulalter – Englisch lerne: Tipps und Übungen

Durch persönliche Erfahrungen in über 15 Jahren habe ich einen Weg entwickelt für Kinder eine Alltagssituation mit Englisch zu simulieren. So steht das Folgende auf dem Programm: kein „Unterricht“, sondern vielmehr ein Treffen, bei dem ich nur Englisch spreche. Entweder mit einzelnen Kindern oder in einer kleinen Gruppe.

Wir können alles Mögliche unternehmen: Auf den Spielplatz gehen, Verstecken spielen, basteln – all das, was Kinder gerne tun. Hauptsache sie haben Spaß! Allerdings werde ich Englisch sprechen. Natürlich fragen die Kinder zu Beginn „Was hast du gesagt“ und ich wiederhole den Inhalt auf Deutsch, aber mit der Zeit entwickeln sie ein Gehör für die Sprache und fragen nicht mehr nach. Der nächste Schritt ist, dass sie selber versuchen, mir auf Englisch zu antworten.

Hierfür gehe ich – anhand von Abbildungen – die bisher gelernten Begriffe mit ihnen durch, bis sie sie sicher benennen können. So entwickelt das Kind Sicherheit im Umgang mit den Wörtern und ein Gefühl für sie und oft den Ehrgeiz sie benutzen zu wollen. Das Tolle ist: Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Nutzen Sie lustige Eselsbrücken  – meine Eselsbrücke für purple ist der Popel und scissors kann man mit geöffneten Lippen aussprechen ohne den Mund zu bewegen. Dann ist der Erfolg garantiert, das Kind erinnert sich mit Sicherheit!

Angenommen wird mein Angebot von Familien, die möchten, dass ihre Kinder früh die englische Sprache lernen. Beispielsweise weil Verwandtschaft im Ausland lebt, sie selber Englisch zu spät gelernt haben oder selbst zweisprachig aufgewachsen sind.

Erfahrungen der heute 18- bis 60-jährigen

In einem Online-Forum habe ich Interessierte an meinem Buch „ENGLISCHE GRAMMATIK“ gebeten, mir über ihre Erfahrungen mit der englischen Sprache und dem Englisch lernen zu berichten.

Die Resonanzen waren zahlreich und spiegeln ähnliche Erfahrungen wieder: In der Schule machte Englisch keinen Spaß, es ist schwierig, Lücken alleine zu schließen, aber viele benötigen Englisch für Arbeit, Beruf oder Freizeit. Allen die geantwortet haben war eines gemein: Sie würden gerne besser und richtiger auf Englisch kommunizieren können.

Wie es aussieht, werden auch die heutigen Erstklässler ähnliche Erfahrungen machen. Wenn sie Glück haben, fällt ihnen das Fach leicht und sie kommen gut durch die Schule. Dennoch wird Englisch ein Schulfach bleiben – wobei längst nicht jeder Lehrer mit den Kindern Englisch spricht – und kein Bestandteil ihrer täglichen Umgebung.

Mein persönlicher Wunsch wäre hingegen:  Gewöhnt unsere heute 6-jährigen Kinder besser an die Sprache, nutzt ihre natürliche Neugierde und ihr Aufnahmevermögen und motiviert sie, spielerisch die Sprache Englisch anzunehmen. Damit sie erkennen, dass Englisch auch außerhalb der Schule wichtig ist. Statt beim Fach Englisch einen Rückzug in Betracht zu ziehen, indem Englisch-Schulstunden reduziert werden.

ENGLISCHE GRAMMATIK – Regeln, Beispiele und Übungen für ein fehlerfreies Englisch

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Meine Motivation dieses Buch zu schreiben und die Zielgruppe:

In vielen Englisch-Trainings mit SchülerInnen und Erwachsenen fiel mir auf – es gab oft Unsicherheiten bei ähnlichen Themen und den Lernenden fiel es schwer, zwischen den Zeiten zu unterscheiden oder die Verwendungen zu begründen.

Für mich gibt es nur ein Ziel: Englischlernenden zu helfen, sich schnell zu verbessern und sicher in der englischen Sprache zu bewegen. Viele verfügen über gute Grundlagen, haben aber Unsicherheiten bei der Bildung und Anwendung einzelner Grammatikthemen.

Ich folge keinem Lehrplan, der auf Vollständigkeit abzielt und Themen nacheinander abarbeitet. Außerdem gebe ich dem Lernenden zu verstehen: Es geht ganz vielen so! Meine Herangehensweise ist stark von meiner Arbeit als Journalistin geprägt, wo Selektieren zwischen Wichtigem und weniger Wichtigem eine Kernkompetenz ist. Zielgruppe des Buches sind alle, die noch Unsicherheiten in der Grammatik haben.

Aktuelle Bewertung bei Amazon (17.4.018):

 „…Das Buch „Englische Grammatik – Regeln, Beispiele, Übungen für ein fehlerfreies Englisch“ von Birgit Kasimirski hat einen anderen Ansatz gewählt. Denn liest sich ein wenig so, als ob der Nachhilfelehrer oder Coach neben einem sitzen würde, um mit einem eine Problemstellung der englischen Grammatik zu besprechen. Und das ist genau das, was mir an diesem Buch so gefällt. Es gibt einem nicht das Gefühl: „Hey, alles ist völlig klar und logisch, nur du bist zu doof es zu verstehen!“. Die Autorin weiß um die Schwierigkeiten, die Kinder und Erwachsene mit der englischen Sprache haben….“

Damit sind wir auch schon am Ende des Gastbeitrags von Birgit Kasimirski zum Thema „Ab welchem Alter und wie sollen Kinder Englisch lernen“. Wir bedanken uns an dieser Stelle und hoffen, dass Dir der Beitrag gefallen hat.

Falls Du Dich noch weiter zum Thema „Mehrsprachigkeit bei Kindern fördern“ informieren möchtest, dann interessiert Dich vielleicht unser Interview zum Thema mit Zwetelina Ortega (ausgebildete Sprach- und Literaturwissenschaftlerin, Autorin, Übersetzerin, Dolmetscherin, Workshopleiterin und Beraterin).

Über den Autor

Birgit Kasimirski ist freiberufliche Journalistin, Übersetzerin und Englisch-Trainerin. Davor hat Sie nach dem erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung zur Wirtschaftsjournalistin in Köln für deutsche und englische Zeitungen geschrieben und in Budapest und Wien gearbeitet. Außerdem hat Sie 2017 das Buch „Englische Grammatik“ (für das Selbststudium) verfasst.

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