ᐅ Die 7 grössten Mythen zum Sprachenlernen und was daran wahr (oder falsch) ist

Die 7 grössten Mythen zum Sprachen lernen

Mythen beim SprachenLernen

DIe 7 größten Mythen des Sprachenlernens, ein griechischer Mythos oder wahr?

Du glaubst, aus bestimmten Gründen ist es unmöglich für Dich eine Fremdsprache zu lernen?

Es gibt viele Mythen, die sich um das Sprachenlernen ranken. Manche stimmen überhaupt nicht, andere haben ein Fünkchen Wahrheit.

Leider stoppen diese Mythen Menschen eine Sprache zu lernen oder sie verleiten dazu schnell aufzugeben.

Nach dem Motto „Ich habe kein Talent für das Sprachenlernen, deshalb brauche ich gar nicht erst anzufangen / weiterzumachen.“.

Eine Fremdsprache zu lernen ist aber eigentlich einfacher als man denkt. Vorausgesetzt man macht es richtig.

Lies hier: Wie Du effektiv eine neue Sprache lernst.

In diesem Beitrag nehme ich die 7 bekanntesten Mythen unter die Lupe. Du erfährst welche davon wahr / falsch sind.

Mythos 1: Ich bin zu alt zum Sprachenlernen

Das ist der am weitesten verbreitete Mythos. Im Volksmund sagt man oft, dass man nur im Kindes- oder Jugendalter eine Fremdsprache wirklich lernen kann. Danach ist es zu spät oder nur sehr schwer.

Dieser Mythos entbehrt nicht jeder Grundlage. Es ist etwas Wahres dran, dass je älter man wird, desto schwieriger wird es eine Fremdsprache zu lernen. Gleichzeitig hat man jedoch im Alter einige Vorteile, die ein Kind überhaupt nicht hat. Dazu zählen: Fokus und Willenskraft.

Mit Fokus und Willenskraft bist Du jedem Kind voraus. Denn wenn ein Kind kein Interesse daran hat eine Sprache zu lernen, wird auch die strengste Lehrerin nicht viel bewirken können (so wie es vielleicht bei Dir auch in der Schule war).

Was es besser ausdrückt ist, dass man im in einem späteren Lebensabschnitt anders lernt als im Kindesalter. Ein Erwachsener kann gar nicht so lernen, wie ein Kind. Deshalb scheint es so, dass ein Erwachsener schlechter lernt.

Hier ist ein Beispiel, das es verdeutlicht:

Familie Schmitt (Mutter Sabrina, Vater Uwe und 9-jähriger Sohn Ralf) zieht nach Frankreich. Keiner in der Familie beherrscht Französisch. Ralf wird direkt in eine französische Schule geschickt. Alle Kinder und Lehrer sprechen mit Ralf Französisch, obwohl er kein Wort versteht. Nach einigen Monaten fängt Ralf an die ersten Muster aufzudecken und langsam zu verstehen. Noch ein paar Monate später fängt er auch an selbst zu sprechen. Uwe spricht nur Englisch auf seiner Arbeit. In der Kantine spricht er mit den anderen Ausländern Englisch, während die Franzosen unter sich bleiben. So kann Ralf bereits die Sprache fließend sprechen bevor Uwe überhaupt anfängt halbwegs etwas zu verstehen.

Der Vater Uwe kann gar nicht so lernen wie sein Sohn Ralf. Denn dann könnte er gar nicht seine Arbeit durchführen.

Wenn Uwe aber Folgendes macht:

  • Bei der Arbeit versucht er in der Mittagspause und zu jeder freien Minute Französisch mit seinen französischen Kollegen zu sprechen (am Anfang fällt ihm das natürlich schwer, aber es wird von Woche zu Woche besser)
  • Auf der Heimfahrt hört er französische Podcasts
  • Zu Hause schaut er nur französisches Fernsehen
  • Er lernt durchgehend französische Vokabeln, wann immer eine freie Minute hat
  • Mit Franzosen, die Deutsch lernen, führt er fast täglich Tandemgespräche

Dann wird er nicht viel langsamer die Sprache lernen als sein Sohn.

Wenn jetzt aber die Familie in Deutschland bleibt und von dort aus Französisch lernen, hat Uwe einen klaren Vorteil. Er wird dann mit hoher Wahrscheinlichkeit schneller als sein Sohn Französisch lernen.

Lies hier: Sprachen lernen im Alter ist möglich – die Technik entscheidet.

Fazit: Erwachsene lernen anders, können eine Sprache aber auch schneller als Kinder lernen.

Mythos 2: Ich habe kein Talent zum Sprachenlernen

Du hattest in der Schule bestimmt diese Schüler in der Klasse, die scheinbar die Fremdsprache nur so aufzusaugen schienen. Bevor Du Deinen ersten richtigen Satz bilden konntest, konnten sie bereits fast fließend sprechen.

Die Schlussfolgerung lautet oft, man habe kein Talent für das Sprachenlernen und deshalb braucht man gar nicht erst anzufangen zu lernen.

So etwas wie ein Sprachtalent existiert. Aber dieses Talent hat jeder Mensch, der es geschafft hat seine Muttersprache zu lernen. Also hast Du auch dieses Talent.

Es gibt jedoch verschiedene Ausprägungen des Talents. Manche sind mehr talentiert, manche weniger.

Manche lernen eine Sprache schneller, manche langsamer. Jeder kann jedoch eine oder mehrere Fremdsprachen lernen.

Das Problem, das eher auftritt ist, dass viele Leute falsch lernen. Wenn Du falsch lernst, kommst Du nur langsam voran. Deshalb nehmen viele fälschlicherweise an, kein Talent zu haben.

Wenn Du aber eine Fremdsprache durch Anwendung lernst, wirst Du eine Sprache deutlich schneller lernen als Du es vielleicht aus der Schule gewöhnt bist.

Was heißt Anwendung?

Fazit: Jeder kann eine Fremdsprache lernen, bei manchen geht es nur etwas schneller.

Mythos 3: Es dauert viel zu lange eine Fremdsprache zu lernen

Was möchtest Du mit Deinen Sprachkenntnissen erreichen?

  • Eine philosophische Diskussion mit einem Gelehrten fehlerfrei führen?
  • Eine politische Debatte mit allen richtigen Argumenten gewinnen?

Oder vielleicht eher:

  • Dich mit Muttersprachlern problemlos unterhalten zu können (wenn auch nicht ganz fehlerfrei)?
  • Bei Gespräche mitverfolgen können, worum es geht und auch mitmachen zu können?

Wenn Du die ersten 2 Ziele erreichen möchtest, stimmt es. Du wirst sehr lange brauchen, um ein solches Niveau zu erreichen.

Wenn Dich aber eher die letzten 2 Ziele interessieren, habe ich gute Neuigkeiten für Dich: Ein solches Niveau kannst Du relativ schnell erreichen (z. B. in 6 Monaten, wie das geht, erfährst Du hier).

Leider ist es oft so, dass wir uns für eine Fremdsprache teilweise höhere Standards setzen als für unsere Muttersprache. Würdest Du es schaffen die ersten 2 Ziele in Deiner Muttersprache zu erreichen? Wahrscheinlich auch nicht ohne weiteres.

Das Problem ist das Streben nach Perfektion in der deutschen Kultur. Entweder etwas ist perfekt oder man braucht es gar nicht erst anzufangen.

Um eine Fremdsprache zu lernen, muss aber das Perfektionsstreben abgelegt werden. Nur dann wirst Du es schaffen schnell Fortschritte zu machen und schnell die Sprache wirklich benutzen zu können, wenn es wichtig ist: Im Alltag. Und eben nicht bei philosophischen Debatten.

Lies hier: Wie es das Sprachen lernen beschleunigt Fehler zu machen.

Fazit: Es geht relativ schnell eine neue Sprache fließend zu sprechen, es sei denn Du strebst akademisches Niveau an.

Mythos 4: Ich muss im Ausland sein, um wirklich eine Sprache zu lernen

Kennst Du Leute, die nach Jahre(n) aus dem Ausland kommen und auf einmal absolut ausgezeichnete Sprachkenntnisse haben?

Bei mir war das so, als ich aus Australien nach 10 Monaten zurückkehrte und auf einmal wirklich gut Englisch sprechen konnte (davor war ich unterdurchschnittlich).

Natürlich lernst Du eine Fremdsprache im Ausland deutlich schneller als im Inland (das ist aber nicht zwingend der Fall).

Warum ist das so? Das haben wir uns schon in Mythos 2 angeschaut: Die Anwendung.

Wenn Du täglich mit der Sprache interagierst und sie täglich anwendest, lernst Du eine Sprache wirklich schnell.

Der Umkehrschluss, dass es im Inland unmöglich ist, ist jedoch nicht richtig.

Natürlich lernst Du eine Sprache langsamer, wenn Du einmal wöchentlich zum Sprachkurs gehst (oder auch 2 Mal) und einmal die Woche Hausaufgaben machst und Vokabeln lernst. Auf diese Weise hast Du deutlich weniger Kontakt mit der Fremdsprache als im Ausland.

Was Du machen musst, um im Inland genauso effektiv zu lernen ist, das Ausland simulieren.

Das heißt, Du musst täglich Kontakt mit der Fremdsprache haben, wie im Ausland auch (Immersion).

Das bedeutet:

  • Du führst täglich Gespräche in der Sprache
  • Du liest Zeitungen, Bücher und sonstige Texte in der Sprache
  • Du hörst Musik und Radio in der Sprache
  • Du hast regelmäßig Kontakt mit Muttersprachlern

Durch die Globalisierung und das Internet ist es einfacher denn je, diese Voraussetzungen auch im Inland zu erfüllen.

Wie das genau geht, liest Du im Beitrag „Wie Du in Deiner Stadt eine Fremdsprache lernst“.

Fazit: Im Ausland lernst Du schneller, aber Du kannst ähnliche Bedingungen auch im Inland schaffen.

Mythos 5: Die Sprache ist zu hart, um sie zu lernen

Du hast Dir vorgenommen Chinesisch zu lernen. Dir wird jedoch die ganze Zeit eingeredet, dass Chinesisch viel zu schwer ist. Das passiert so oft, bis Du wirklich glaubst, dass es der Fall sei und versuchst es gar nicht erst.

Es ist wahr, dass einige Sprachen schwieriger zu lernen sind als andere. Ein weiterer Faktor ist, dass es für Muttersprachler einer Sprache schwerer ist eine Sprache zu lernen, die sich stark unterscheidet.

Als deutscher Muttersprachler ist es deutlich einfacher Niederländisch zu lernen als für einen japanischen Muttersprachler. Umgekehrt gilt das Gleiche.

Asiatische Sprachen, wie Japanisch und Chinesisch, sind schon deshalb schwer zu erlernen, weil sie wenig mit der deutschen Sprache gemeinsam haben.

Nichtsdestotrotz ist es möglich quasi jede Sprache zu lernen. Es dauert nur eben länger.

Es hängt aber auch von Deinen Zielen ab. Wenn Du Chinesisch fließend und akzentfrei sprechen und am besten noch alle chinesischen Zeichen beherrschen möchtest, wirst Du wahrscheinlich sehr lange brauchen, um am Ziel ankommen (und vielleicht sogar nie dort ankommen).

Wenn Du Dir aber vornimmst fließend sprechen zu können. Zwar mit Akzent aber zumindest verständlich, wird es möglich das Ziel zu erreichen. Zwar nicht so einfach wie bei Holländisch oder Englisch, aber es ist trotzdem möglich.

Lies hier: Wie lange Du im Durchschnitt brauchst, um eine Fremdsprache von Grund auf zu lernen.

Fazit: Manche Sprachen sind schwerer zu erlernen als andere, trotzdem kannst Du alle Fremdsprachen lernen

Mythos 6: Ich werde von Muttersprachlern ausgelacht

Eine große Angst vieler Sprachenlernenden ist, von Muttersprachlern ausgelacht zu werden. Deshalb warten auch so viele endlich mit dem Sprechen anzufangen. Denn man könnte sich ja blamieren.

Zunächst einmal ticken wir Deutschen da ein bisschen anders. In Deutschland ist der Perfektionismus tief verwurzelt. Wenn etwas gemacht wird, am besten perfekt oder gar nicht.

Und ich habe tatsächlich schon einige Leute in meiner Umgebung erlebt, die sich über das Deutsch von Ausländern lustig machen.

Mit den meisten anderen Kulturen ist es jedoch etwas anderes. Die freuen sich alle, wenn es jemand auch nur versucht deren Sprache zu sprechen.

Als ich in Lateinamerika war, waren alle total erstaunt, dass ich Spanisch sprechen konnte. Egal ob ich Fehler gemacht habe oder nicht. Egal ob ich mit Akzent gesprochen habe. In den seltensten Fällen hat jemand tatsächlich gelacht.

Und selbst wenn jemand lacht, bedeutet das nicht, dass er jemanden auslacht. Oftmals sind die Formulierungen so kurios oder es wird ein falsches Wort benutzt, dass man gar nicht anders kann als zu lachen.

So was passiert aber auch zwischen Muttersprachlern, z. B. bei einem lustigen Versprecher.

In einem solchen Fall solltest Du Dich nicht ärgern, sondern die Muttersprachler fragen was so lustig ist und dann mitlachen.

Lies hier: Wie Du Deine Angst davor verlierst Unterhaltungen in einer Fremdsprache zu führen.

Fazit: Muttersprachler lachen selten über Deine Sprachkenntnisse, egal wie gut oder schlecht sie sind und selbst wenn sie lachen ist das nicht so gemeint.

Mythos 7: Ich bin noch nicht bereit mit dem Sprechen anzufangen

Dieser Mythos ist stark mit dem letzten verwoben. Sprachenlernende sagen, sie seien noch nicht bereit mit dem Sprechen anzufangen, weil die Angst vor dem Ausgelachtwerden tief liegt.

Aber was bedeutet es überhaupt bereit zu sein mit dem Sprechen anzufangen?

Wann kennt man genug Vokabeln und genug Grammatikregeln, um wirklich mit dem Sprechen anzufangen?

Die meisten Leute haben kein Ziel definiert und deshalb wird die Ausrede noch nicht bereit zu sein, Monate oder sogar Jahre vor sich hergeschoben.

Du kannst jedoch nie früh genug mit dem Sprechen anfangen.

Je früher Du anfängst, desto schneller machst Du die notwendigen Fehler, um besser zu werden und fließend zu sprechen. Und Fehler wirst Du so oder so nicht umgehen können, egal wie lange Du mit dem Sprechen wartest.

Deshalb lieber früh anfangen, schnell alle Fehler machen und schnell fließend sprechen als auf einen magischen Moment warten, der wahrscheinlich nicht kommen wird.

Lies hier: Warum Anwendung der entscheidende Faktor ist, um eine Sprache zu lernen.

Fazit: Bereitsein mit dem Sprechen anzufangen ist eher Kopfsache

7 Mythen beim Sprachenlernen

Das waren die 7 Mythen, die ich am häufigsten von Sprachenlernenden höre.

Zwar ist an jedem Mythos zumindest ein bisschen was dran. Jedoch stellt keiner davon wirklich ein Problem dar, wenn es zum Sprachenlernen kommt.

Ich hoffe Du bist jetzt ein bisschen motivierter Deine Fremdsprache zu lernen.

Was für Mythen zum Sprachen lernen kennst Du noch? Haben Dich diese Irrglauben auch schon davon abgehalten eine neue Sprache zu lernen? Kannst Du dich jetzt endlich dazu überwinden Deine Fremdsprache zu lernen?

Über den Autor

Gabriel Gelman ist Gründer von Sprachheld, Sprachenthusiast und nutzt gerne seine 6 Sprachen für Reisen und Kennenlernen neuer Leute. Er hilft Sprachlernern dabei schnell ihre Fremdsprache zu lernen.

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