Interview mit Sprachblogger und Fremdsprachencoach Luca Lampariello von The Polyglot Dream

Heute habe ich einen weiteren bekannten Sprachblogger im Interview. Luca Lampariello aus Italien, der hinter dem  „The Polyglot Dream“ Blog steckt.

Er spricht 12 Sprachen und teilt mit uns seine Strategien, um neue Sprachen zu lernen.

Er kennt sich besonders gut mit Akzentreduzierung aus und verrät uns seine besten Tricks, um seinen Akzent loszuwerden.

Zudem hat er die viele Sprachen gelernt, ohne jemals im Land gewesen zu sein. Im Interview erzählt er, wie er das geschafft hat.

Hier ist das Video und darunter findest Du die Transkription:

Im Interview sprechen ich und Luca unter anderem über folgende Themen:

  • Wie Luca einen nahezu muttersprachlichen Akzent in Deutsch, Englisch, Französisch und all seinen anderen Fremdsprachen erreicht hat.
  • Lucas Motivation und Methoden zum Sprachenlernen.
  • Tandemgespräche – wie erzielst Du durch optimale Vorbereitung und das richtige Vorgehen dabei den größten Nutzen.
  • Das Übersetzen von Texten und warum er diese Methode als besonders empfehlenswert zum Sprachenlernen empfiehlt.
  • Welche Sprachenlern-Apps, Sprachenlern-Bücher und Sprachenlern-Programme Luca verwendet, um Fremdsprachen zu lernen.

Damit aber genug der vielen Worte und nun viel Spaß bei meinem Spachheld-Interview mit Luca Lampariello zur Frage „Akzentreduzierung und akzentfrei sprechen in einer Fremdsprache?“


Transkription Interview mit Luca Lampariello

GABRIEL: Heute habe ich Luca Lampariello im Interview. Luca kommt aus Rom und spricht 12 Sprachen. Er ist Coach für Fremdsprachen und führt den Sprachenlernen-Blog thepolyglotdream.com. Luca, wir haben uns schon ein bisschen unterhalten auf Deutsch und Du hast einen wirklich ausgezeichneten deutschen Akzent für einen Italiener vor allem. Und ich weiß, dass Du Dich sehr gut auskennst mit dem Thema „Akzent loswerden“, und Du bist auch sehr gut beim Akzentloswerden. Wie machst Du das und was sind Deine Tipps für andere Sprachenlerner?

Wie wird man am besten seinen Akzent los?

LUCA: Danke. Freut mich, erstens, mit Dir zu sprechen, zu quatschen. Also, erstens, um eine gute Aussprache zu entwickeln sollte man von Anfang an dran arbeiten. Das heißt, dass viele Leute, die denken, dass es am Anfang nicht so wichtig ist einen guten Akzent zu kriegen, aber ich glaube das ist ganz wichtig, sozusagen Teil des Sprachlernens. Viele Leute denken, dass man einen Akzent loswerden sollte, aber man sollte einen Akzent aufbauen. Das heißt, von Anfang an sollte man sich auf die Aussprache konzentrieren, aber auch, und vor allem, auf die Sprachmelodie einer Sprache. Das heißt, dass man sollte sich drauf konzentrieren, wie ein ganzer Satz lautet. Das ist das Wichtigste.

Normalerweise, in der Schule lernt man, zum Beispiel, die Aussprache einiger Wörter. Ja? Aber das ist ja wichtig. Aber das Problem ist, sozusagen, „you miss the forest for the trees“ (den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen) sagt man auf Englisch. Man konzentriert sich auf die Wörter, aber nicht auf den Satz, und das ist auf jeden Fall das Wichtigste. Zum Beispiel, ich kann eigentlich sagen: „Wir gehen heute zum Strand.“ Ja? Wir gehen heute zum Strand. Das ist ein normaler Satz. Wir gehen heute zum Strand. Siehst Du den Ton? Der fällt am Ende des Satzes.

Aber, wir gehen heute zum Strand, weil es wir bla, bla, bla. Und dann der Ton ist anders. Das ist ganz wichtig um eine Sprache gut zu sprechen, sondern die Sprachmelodie und Intonation. Ich weiß nicht, aber das sollte… Intonation kann man sagen, und die Betonung, aber ich würde Sprachmelodie benutzen. Das ist was ich normalerweise benutze. Und zweitens, hast Du jemals von Steve Krashen gehört?

GABRIEL: Nee, ich glaube nicht.

LUCA: Steve Krashen ist ein cooler Typ. Erstens, er ist ein Linguist, und er spricht von einem Filter, „the Krashen filter“, der Filter von Krashen. Und der sagt, dass ein ganz wichtiger Teil des Lernens im Allgemeinen aus… Also, es ist psychologisch, aus psychologischer Sicht, das Problem einen guten Akzent zu kriegen. Es ist, dass es ist sehr schwierig für uns eine andere Persönlichkeit und eine andere Identität zu umarmen. Und wir haben unsere eigene Identität in unserer Gesellschaft. Das kann auch ein großes Problem sein, eine andere Identität zu kriegen sozusagen. Zum Beispiel, ich nenne Dir ein Beispiel. Das ist ganz witzig.

Ich erinnere mich ganz genau, als ich 13 war, versuchte ich auf Englisch zu reden. Als ich auf Englisch redete, verarschten mich meine Freunde. Meine Kumpel, die sagten mir die ganze Zeit „ne ne ne ne“, weil, wenn Du auf Amerikanisch sprichst, klingst Du ein bisschen nasal. Das ist ja ganz normal, und für sie – die sind Italiener; ich bin auch Italiener – das war ein bisschen komisch. Und die verspotten mich sozusagen und sagten mir die ganze Zeit: „Was?“ Und viele Leute, die würden sich sagen: „Okay. Das ist nicht gut. Das ist lächerlich. Ich klinge lächerlich. Ich sollte es nicht weitergehen.“ Aber das war mir egal. Ich wollte amerikanisch sein. Ich wollte amerikanisch werden, ein Amerikaner sein, und das hat eine große Rolle gespielt.

GABRIEL: Ja, also das ist immer… Das sage ich auch immer gerne. Am bestens sich vorzustellen, dass man ein Amerikaner ist, um einen amerikanischen Akzent zu bekommen.

LUCA: Ganz genau. Also, die psychologische Rolle, es ist super, super, super wichtig. Man sagt normalerweise, okay, Training, oder so. Ja, natürlich, weil das spielt eine Rolle, aber andererseits, aus psychologischer Sicht, ist diese Willkür um eine andere Person zu werden, das spielt eine große Rolle.

GABRIEL: Super. Also, in unserem Gespräch gerade bist Du ein Deutscher.

LUCA: Ja, ich fühle mich ein… Ganz genau, ja. Ich will wie ein Deutscher klingen.

Wie und warum hast Du 12 Sprachen gelernt?

GABRIEL: Okay, das ist cool. Du sprichst 12 Sprachen. Wie ist es dazu gekommen? Wie hast Du es geschafft? Warum? Warum hast Du das gemacht?

LUCA: Also, ich wollte alle diese Sprachen lernen. Also, es ist einfach so. Ich habe mit 12 angefangen. Also, nicht mit 12, sondern mit 10, aber das war in der Schule und ich habe überhaupt nichts gelernt, und dann haben meine… also, hat meine Mutter, nicht meine Eltern, sondern meine Mutter, hat sie beschlossen einen Coach zu kriegen und ich habe mit ihr angefangen. Sie ist ein Mädchen aus Chicago, und ich fing an mit ihr zu arbeiten sozusagen, zu lernen, Englisch zu lernen, und dann sie war so unglaublich. Sie gab mir eine Menge Dinge zu tun und sie wollte, dass ich auch Englisch gut lerne und das hat mir eine Menge Motivation gegeben im Laufe der Zeit und dann habe ich beschlossen ich lerne auch Französisch.

Das hat mir auch dabei geholfen, Französisch zu verbessern, denn ich habe angefangen mir die Glotze anzuschauen jeden Tag auf Französisch, und im Laufe der Zeit hat sich natürlich verbessert, und dann mit 15 beschloss ich endlich die erste Sprache mir selbst beizubringen – das ist Deutsch – und ich habe meine Methode entwickelt. Ich hatte probiert mit dem sogenannten grammatikalischen Approach, die grammatikalische Methode, einfach mit der Grammatik zu lernen, aber das klappte nicht, und ich habe mir gesagt ich muss eine andere Weise finden um Deutsch zu lernen. Und dann habe ich diese Methode entwickelt. Das war einfach so. Ich weiß nicht warum, aber das funktionierte.

Ich habe mir gesagt, das funktioniert; das ist krass. Und dann habe ich begonnen diese Methode zu benutzen, und im Laufe der Zeit habe ich Deutsch gelernt, und dann nahm ich sehr sehr gut, dass ich in Sardinien ein paar Deutsche kennengelernt habe. Die haben mich gefragt, wie ist es möglich, dass Du Deutsch so gut sprichst. Hast Du in Deutschland gewohnt? Hast Du deutsche Eltern? Ich habe ihnen gesagt, nein, ich habe einfach in Sardinien einen Kurs benutzt, und die waren einfach begeistert. Und natürlich hat das mir eine Menge Motivation gegeben um weiterzugehen mit den Sprachen, und dann ich habe Spanisch auch mit derselben Methode gelernt, und dann Holländisch, und dann Schwedisch, und dann Russisch, und dann die anderen Sprachen.

Also, ich habe diese Methode entwickelt. Ich sage die ganze Zeit, das Wichtigste ist auf jeden Fall Deine eigene Methode zu entwickeln, oder eine Methode, die für Dich wirkungsvoll ist, und dann kannst Du alle Sprachen der Welt lernen. Das ist nur eine Frage der Zeit. Natürlich war es auch eine Frage der Übung und der Möglichkeit. Und das habe ich alles geschafft, denn im Laufe der Zeit habe ich zum Beispiel beschlossen mit Sprachen zu arbeiten, und das ist ganz wichtig.

Steve Jobs sagte die ganze Zeit, Deine Arbeit, das ist vielleicht der wichtigste Teil Deines Lebens und Du solltest auf jeden Fall lieben was Du tust. Und das habe ich gemacht. Und dann, natürlicherweise, habe ich auch andere Möglichkeiten geschafft. Das heißt, ich glaube es ist ganz wichtig Leute zu finden mit den Du quatschen und sprechen kannst.

Was ist Deine persönliche Methode zum Sprachenlernen?

GABRIEL: Jetzt bist Du die ganze Zeit auf diese Methode eigegangen. Jetzt mache es nicht so spannend. Was ist Deine Methode um eine Sprache zu lernen?

LUCA: Ja, das ist ein bisschen schwer zu erklären, aber okay, sagen wir mal, dass es… Ich benutze zwei Sprachen – das heißt, meine Muttersprache oder eine Sprache, die ich gut kenne, zum Beispiel Englisch oder Französisch – und die andere Sprache. Das ist die Sprache, die ich lernen will, die ich erwerben will. Und dann ich übersetze aus dem… zum Beispiel, nehmen wir an, dass ich Deutsch lernen will, oder Schwedisch, oder ich weiß nicht. Und ich kaufe, zum Beispiel, ein Material wie Assimil.

Ich weiß nicht, ob die Leute es kennen, aber in Europa es ist ganz bekannt. Bundesweit kannst Du Dir auch vorstellen. In Frankreich. Das ist eine französische Methode. Und ich übersetze aus dem Deutschen ins Italienische – das ist meine eigene Muttersprache – und dann aus dem Italienischen ins Deutsche übersetze ich wieder, also in die Sprache, die ich lernen will, und das erlaubt mir also die Patterns, die Struktur einer Sprache, zu verstehen. Aber, nochmal, das ist eine Methode um anzufangen eine Sprache zu lernen. Das ist nicht eine Methode um insgesamt die Sprache zu lernen. Es ist unmöglich nur mit dieser Methode eine Sprache zu lernen. Das ist eine Methode um die Struktur der Sprache zu verstehen und das gibt Dir die Möglichkeit auch die Sprache besser zu benutzen, wenn man sie spricht.

Aber, nochmal, das ist ganz wichtig es zu sagen. Es ist eine Methode, die ich, zum Beispiel, im Laufe vielleicht drei Monate lang oder sechs Monate – das hängt von der Sprache ab – benutze um anzufangen die Sprache zu lernen. Und dann, natürlicherweise, musst Du auch andere Dinge tun um die Sprache zu entwickeln.

Was machst Du sonst noch um Deine Fremdsprache zu lernen?

GABRIEL: Und was sind diese Dinge?

LUCA: Ich wusste, dass Du mich fragen würdest. Also, zum Beispiel, man kann Gespräche auf Skype führen. Man soll die Kommunikation… Sprachlernen ist Kommunikation am meisten. Man sollte mit den Leuten umgehen. Man kann nicht nur Bücher lesen. Man kann auch mit Leuten reden und das… Zum Beispiel was ich mache, ich nenne Dir ein Beispiel. Ich gebe Dir ein… sag konkretes Beispiel was zum Beispiel ich mit Ungarisch tue jetzt. Ich habe Assimil benutzt, und ich habe diese Methode benutzt, mit Assimil und auch mit Hungarian Pod 101, und das hat gut geklappt. Aber danach habe ich plötzlich… sollte ich reden.

Ich war zum Beispiel in Budapest und ich habe probiert ein paar Sätze mit den Leuten zu sagen und ich habe gemerkt das ist okay. Ich kann ein paar Sätze, aber ich muss mit den Leuten reden. Und dann habe ich beschlossen zum Beispiel mit einem… Ich habe eine Frau kennengelernt, also auf italki – ich weiß nicht, ob Du das kennst – und dann habe ich beschlossen zweimal pro Woche mit ihr zu reden, und das ist wunderbar. Ich habe diese Methode entwickelt. Ich habe sie benutzt und das erlaubt mir jetzt die Sprache ganz schnell zu entwickeln. Ich muss nur einfach reden worüber ich will.

Okay, ich war in Ungarn. Ich habe ja erzählt warum. Ich beschloss Ungarisch zu lernen und… weil… als ich in Ungarn war und so weiter und so fort. Das ist krass, aber natürlicherweise musst Du auch lesen. Einerseits spreche ich mit Dir und andererseits muss ich auch Materialen finden, die ich lesen kann und das mir erlauben wird, die Sprache zu entwickeln, weil es ist ganz wichtig, natürlicherweise, Dein eigenes Vokabular zu erweitern sozusagen. Aber meistens benutze ich die Sprache.

Das Fun fängt an, wenn Du anfängst eine Sprache zu benutzen. Und das ist mit den Leuten zu reden oder wenn man in Ungarn – ich spreche vom Ungarischen – oder wenn man Freunde hat, und so weiter und so fort. Und das habe ich einfach angefangen zu tun ganz jetzt.

GABRIEL: Okay, also, Du fängst die neue Sprache an. 3 bis 6 Monate übersetzt Du hin und her zwischen Muttersprache und Fremdsprache. Dann suchst Du Dir auf italki, oder auf einer anderen Plattform, einen Tandempartner.

LUCA: Ja.

Wann fängst Du mit Tandemgesprächen an?

GABRIEL: Wann genau fängst Du dann mit den Tandemgesprächen an? Also, nach diesen 6 Monaten, oder beginnst Du damit schon früher?

LUCA: Es hängt davon ab… Im Fall des Ungarischen, zum Beispiel, das war mehr als 6 Monate einfach. Es war ein Jahr, weil ich habe eine lange Pause genommen. Ich habe 6 Monate lang die Sprache gelernt. Danach habe ich eine Pause von 6 Monaten, aber normalerweise, sagen wir, im Fall des Ungarischen, Du kannst Dir vorstellen es ist sehr schwierig. Es ist eine schwierige Sprache. Ich hätte zum Beispiel von Anfang an sprechen können. Ich kann es, aber… theoretisch kann ich. Warum nicht? Aber ich habe beschlossen 6 Monate lang zu warten. Ja, aber normalerweise 3 Monate.

Zum Beispiel Portugiesisch. Als ich mit Portugiesisch anfing, das war super einfach, weil Portugiesisch sehr ähnlich zu, ich weiß nicht, Spanischen und zum Italienischen auch. Aber für schwerere Sprachen wie Ungarisch, 6 Monate würde ich sagen. Ich benutze diese Übersetzung und dann fange ich an mit Leuten zu reden, aber ich finde auch anderes Material, weil Assimil, das ist ja cool, aber man sollte auch andere Dinge finden, die man lesen kann. Es ist ganz wichtig. Und parallel tue ich diese 2 Dinge. Ich spreche einerseits und andererseits lese ich auch eine Menge um mein Vokabular zu erweitern.

Wie viele Texte übersetzt Du täglich und was für Material liest Du?

GABRIEL: Okay, 2 Nachfragen. Erstens, wie viele Texte übersetzest Du? Also, nimmst Du Dir dann jeden Tag eine halbe Stunde Zeit oder jeden zweiten Tag eine Seite? Also, wie gehst Du da vor?

LUCA: Mehr oder weniger 30 bis 40 Minuten jeden Tag.

GABRIEL: Okay, und was für Material liest Du dann? Also, Du hast gesagt nach 3 Monaten fängst Du an mit dem Lesen. Was für ein Material liest Du?

LUCA: Also, jetzt… Es hängt natürlicherweise von der Sprache ab, aber, zum Beispiel, ich glaube Du kennst LingQ. Ich benutze LingQ zum Beispiel für einige Sprachen. Für Chinesisch – oder Chinesisch, wie man im Deutschen sagt – habe ich LingQ benutzt, und das ist super. Es ist einfach super. Aber mit anderen Sprachen, zum Beispiel auf Ungarisch gibt es sowieso nichts auf LingQ, und dann es ist eine seltsame Sprache. Und dann habe ich beschlossen… Okay, ich habe Glück gehabt, denn Hungarian Pod 101, das ist wunderbar. Das ist auf Upper-Intermediate und Advanced. Aber ich habe auch beschlossen The Little Prince, Der Kleine Prinz, auf Ungarisch zu lesen.

Ich fange immer mit kleinen Büchern an und dann, im Laufe der Zeit, größere Bücher. Aber ich lese immer was mir gefällt. Das ist das Wichtigste. Auch wenn es ein bisschen schwierig ist, ist es ganz normal. Am Anfang ein Buch zu lesen, es ist immer schwierig. Es gibt ein Haufen Wörter, die Du nicht kennst, aber wenn Du wirklich am Buch interessiert bist, dann hast Du Bock das Buch zu verstehen, und dann wirst Du die Wörter nachschlagen und so weiter und so fort. Das ist das Wichtigste – Kommunikation, aber auch Dein Wille etwas zu verstehen.

Du musst immer lesen und Du musst immer hören Dinge, die Dich einfach interessieren, und das macht man normalerweise in der Schule überhaupt nicht.

Die Studenten, die tun Dinge, die… Es ist ihnen Wurscht. Die wissen nicht warum die Sprache eigentlich erwerben sollten. Das ist das größte Problem.

GABRIEL: Ja, wenn man dann die Möbel oder Tiere im Zoo…

LUCA: Ganz klar.

GABRIEL: Oder das Gemüse lernt, dann hat man nicht wirklich den Bezug zu der Sprache.

LUCA: Ganz genau.

GABRIEL: Ja, LingQ kenne ich. Steve Kaufmann hatte ich auch, oder Steve Kaufmann, wie man auf Deutsch sagen würde, hatte ich auch im Interview und da hat er mir ein bisschen über LingQ erzählt. Es ist auf jeden Fall eine Interessante Plattform.

LUCA: Ja, ich hab’s mir angeschaut. Es war ganz interessant, und interessante Plattform.

Was für Fragen werden Dir am meisten auf Deinem Blog gestellt?

GABRIEL: Du hast ja deinen Blog, The Polyglot Dream. Und da hast Du eine Serie. Die heißt Ask Luca Anything. Da stellen Deine Leser Dir Fragen zum Thema Sprachenlernen. Was sind so Fragen, die öfters kommen, und wie beantwortest Du die? Also, mal die wichtigsten Fragen kurz aufgezählt.

LUCA: Die wichtigsten Fragen, die sind immer „Wie sollte man eine Sprache lernen?“ und ich sage die ganze Zeit, dass die Methode… Du solltest Deine eigene Methode finden, um eine Sprache zu lernen. Es gibt keine beste Methode. Die Leute, die sind auf der Suche nach der besten Methode. Das sowieso gibt’s nicht, leider. Und dann eine andere Frage, die man mir ganz oft stellt, ist „Wie kannst Du akzentlos und reibungslos eine Sprache sprechen?“. Das ist immer ein bisschen schwer diese Frage zu beantworten. Ich habe Dir ein paar Tipps gegeben, und ich sage immer, Dein Wille – nochmal – Dein Wille eine andere… nicht eine andere Persönlichkeit, sondern eine andere Kultur… Du musst eine andere Kultur umarmen sozusagen.

Und was noch? Wie solle man die Grammatik lernen? Das ist auch eine ganz interessante Frage, die ich kriege die ganze Zeit, und ich sage die ganze Zeit, dass man die Grammatik von der Sprache lernen sollte und nicht umgekehrt. Das ist auch wichtig. Du kannst viele grammatikalische Regel gucken und versuchen zu verstehen, aber ein Kind, ein sechsjähriges Kind, das kann die Grammatik ohne die Grammatik zu kennen.

Es gibt ein sehr interessantes Buch. Ich weiß nicht ob Du davon gehört hast. Es ist „Learn“ von Manfred Spitzer. Er ist ganz bekannt in Deutschland, bundesweit glaube ich, und er hat dieses wunderbares Buch geschrieben. Das ist wie das Gehirn funktioniert insgesamt, aber das hat mir eine Menge… das war ganz interessant aus sprachlicher Sicht auch. Und der sagt, dass wir eine Menge können, aber nicht so viel wissen. Und das stimmt auf jeden Fall. Wir wissen nicht über die Sprache, aber wir können die Sprache. Ein Kind kann die Sprache, aber es kennt über die Sprache nicht. Die lernen, die Kinder im Allgemeinen, die lernen über die Sprache hinterher. Das war in der Schule, aber später. Und deswegen sage ich… Auch Kató Lomb. Sie ist… Ich weiß nicht ob Du sie kennst.

GABRIEL: Ich habe gehört, ja.

LUCA: Die Kató ist einfach super, ja? Sie ist… sie war – es ist gestorben – sie war eine ganz bekannte Dolmetscherin und sie sagte die ganze Zeit „You don’t learn the language from grammar, you learn the grammar from language“ (Du lernst nicht die Sprache von Grammatik, Du lernst die Grammatik von der Sprache). Sie sagte das die ganze Zeit und ich bin mir mit ihr total einig.

Was für Apps, Bücher und Programme benutzt Du zum Sprachenlernen?

GABRIEL: Okay, super. Und noch zum Abschluss, Du hast schon Assimil angesprochen, aber was für andere Programme, Apps, Bücher benutzt Du sehr gerne für Dich auch selbst um Deine Fremdsprache zu lernen?

LUCA: Also, erstens sage ich die ganze Zeit, dass das Wichtigste ist immer um zu lernen. Das ist das Wichtigste; um zu lernen wie man das zu benutzen, wie man lernt. Dann Du kannst alle Bücher benutzen, aber im Allgemeinen habe ich Assimil benutzt, sowie Teach Yourself. Und Colloquial habe ich auch benutzt. Und dann was Apps angeht, LingQ habe ich benutzt. Duolingo habe ich niemals benutzt, aber ich weiß, dass es ganz populär ist. Tell Me More, ich habe Tell Me More benutzt um meine Chinesische Aussprache zu verbessern. Das war super für die Aussprache. Und ich glaube das ist ja alles.

Also, ich benutze die ganze Zeit nur ein paar Bücher und ein paar Plattformen um die Struktur einer Sprache zu verstehen und dann benutze ich die Sprache, also kaufe ich Bücher, oder ich glaube auch das Wichtigste für mich ist immer das Geheimnis besteht darin, Leute zu finden mit den Du Zeit verbringen kannst. Und wenn man Deine Sprachkenntnisse entwickeln kannst, das heißt, zum Beispiel, man denkt normalerweise, dass… Das ist eine Frage, die ich die ganze Zeit kriege. Luca, Du musst in einem Land, in Deutschland, gewohnt haben um Deutsch zu sprechen, oder in Griechenland, oder ich weiß wie auch immer.

Und ich sage die ganze Zeit, dass das Wichtigste ist nicht in einem Land zu wohnen, ist nicht wo Du wohnst, sondern mit wem Du Deine Zeit verbringst. Das heißt, zum Beispiel hier in Rom – ich wohne in Rom – aber ich spreche die ganze Zeit auch Russisch. Warum? Weil ich mit einem russischen Mädel wohne, und dann spreche ich die ganze Zeit. Und das ist auch wie… Ich will. Ich will mit Dir auf… Wir quatschen die ganze Zeit auf Russisch und auch auf Italienisch, aber das erlaubt mir die Sprache jeden Tag zu sprechen, und im Laufe der Zeit geht es besser und besser. Und das ist ein Polyglott-Still oder Lebensstill. Ich benutze wenigstens mindestens, ich weiß nicht, 4 oder 5 Sprachen jeden Tag. Und das hängt davon ab, wie ich mein Leben führe. Das ist das Wichtigste.

GABRIEL: Ja, die Frage kenne ich. Also, viele Leute denken, dass man ins Ausland lange gehen müsste, und das habe ich früher auch gedacht, deshalb bin ich damals nach Australien gegangen um Englisch zu lernen. Aer im Endeffekt musst Du nur diese Immersionsblase betreten. Also, es gibt auch viele Leute; die kommen nach Deutschland oder ein anderes Land, ohne jemals ein Wort dieser Sprache zu sprechen.

LUCA: Ganz genau.

GABRIEL: Sie betreten diese Immersionsblase, diese englische, diese französische Immersionsblase, umgeben sich nur von Leuten, die dieselbe Sprache sprechen, und brauchen dann gar nicht die Sprache des Landes zu lernen. Und man muss einfach diesen Prozess umgekehrt machen. Man betritt die fremde Immersionsblase und so schafft man es die ganze Zeit sich mit der Sprache zu umgeben, ohne das Land zu verlassen.

LUCA: Ganz genau. Und natürlicherweise hat… Wenn Du in einem Land wohnst, wie in Deutschland oder, hat es seine Vorteile. Du kannst die Kleinigkeiten verstehen, Du kannst die Kulturreferenzen und so, aber ich glaube, im Grunde genommen, um eine Sprache fließend zu sprechen braucht man nicht in einem Land zu wohnen. Du kannst die Sprache fließend sprechen, wenn man Du zum Beispiel Dir Fernsehen ganz oft siehst oder wenn man Du mit deinen Kumpeln aus, ich weiß nicht, aus Russland sprichst und dann es hängt davon ab, was Du jeden Tag machst, was Du jeden Tag da tust.

Ich glaube Du kannst einige Dinge durch andere ersetzen. Zum Beispiel einige Dinge, die Du auf Deine eigene Muttersprache tust. Das ist auch der Grund warum auch in der Schule, die fragen mich die ganze Zeit „Luca, wie kannst Du so gut Französisch?“. Ich habe ihnen gesagt „Also, ihr guckt euch etwas auf Italienisch an. Ich gucke mir alle Filme auf Französisch an“. Und im Laufe der Zeit macht das einen großen Unterschied.

GABRIEL: Ja. Super! Das waren meine Fragen. Gibt’s noch irgendetwas, was ich vergessen habe zu fragen, was Du hinzufügen möchtest?

LUCA: Ich weiß nicht. Es gibt eine Menge Fragen, die Du mich…

GABRIEL: Wichtige Fragen.

LUCA: Nein, wichtige Fragen nicht. Du hast die wichtigsten Fragen gefragt.

GABRIEL: Okay, super! Dann danke ich Dir vielmals, Luca, für das Interview. Das war sehr aufschlussreich und wird bestimmt auch hilfreich für die Zuschauer sein.

LUCA: Danke. Es war sehr angenehm für mich auch.

GABRIEL: Freut mich. Mach’s gut!

LUCA: Tschau!

GABRIEL: Tschau!

Damit sind wir auch schon am Ende und ich hoffe, mein Interview mit Luca Lampariello zum Thema „Akzentreduzierung und akzentfrei sprechen in einer Fremdsprache“ hat Dir genauso Spaß gemacht wie mir. Über Anregungen, Bemerkungen, Ratschläge oder auch einfach nur Lob von Dir in den Kommentaren würde ich mich natürlich wie immer sehr freuen. Dein Gabriel Gelman und das Sprachheld-Team.

Über den Autor

Gabriel Gelman ist Gründer von Sprachheld, Sprachenthusiast und nutzt gerne seine 6 Sprachen für Reisen und Kennenlernen neuer Leute. Er hilft Sprachlernern dabei schnell ihre Fremdsprache zu lernen.

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