ᐅ Die Smart-Lang-Sprachkurse: Wundermittel oder plumpe Abzocke?

Die Smart Lang Online-Sprachkurse: Wundermittel zum Sprachen lernen oder plumpe Abzocke? Was hat unser Test ans Licht gebracht?

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Die Smart Lang Online-Sprachkurse machen in letzter Zeit Furore – im Wesentlichen aber nicht durch ihre überwältigenden Erfolge, sondern aufgrund von massiven Werbekampagnen in den sozialen Medien.

So wurden wir in den letzten Wochen und Monaten wiederholt gefragt, ob wir Erfahrungen mit den Sprachkursen des Anbieters hätten. Und falls nicht, ob wir nicht einen Test mit anschließender Bewertung machen könnten.

Nun gut – gefragt, getan. Wir (in Person von Jeremy) haben uns das Angebot von Smart Lang einmal genauer angesehen. Eines aber gleich vorweg: Unser Fazit ist kein allzu positives. 

Sprachen lernen mit Smart Lang – die Kritikpunkte:

1. Der erste Eindruck:

Schon bei der ersten ganz gewöhnlichen Suchanfrage (“Smart Lang”) über die Google-Suchmaschine fiel mir eines auf. Es gibt drei Webseiten, die unter verschiedenen Namen, das gleiche machen. Smart-Lang-Sprachkurse verkaufen. Denn auch, wenn sich die Kosten bzw. die Preise mehr oder weniger in Grenzen halten, kostenlos ist Smart Lang nicht.

Dabei handelt es sich um:

Nicht unbedingt vertrauenserweckend, denn üblicherweise benötigt kein Anbieter (egal von was) drei verschiedene Webseiten, um sein Produkt zu verkaufen. Dies ist eher eine etwas zwielichtige SEO-Taktik, um sich durch gegenseitige Verweise (und positive Kritiken) hochzupushen. Und auch, um die Suchergebnisse für relevante Suchanfragen zu dominieren.

Besonders die Webseiten bildungsjournal.com und fremdsprachen-online-lernen.com sind zweifelhaft – haben diese doch oben rechts groß das Wort “Advertorial” (also Werbung) stehen. Gleichzeitig soll dann aber ein “Redaktionskollege” (von beiden Webseiten), seines Zeichens IT-Chef und geborener Skeptiker, die Smart-Lang-Sprachkurse getestet und für hervorragend befunden haben. Tja..

Vielleicht liegt diese Überschneidung auch einfach daran, dass sich im Impressum der beiden Webseiten die gleiche Firma und die gleiche Eigentümerin findet.

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Hinter zwei der Smart-Lang-Webseiten steckt eine US-amerikanische Firma mit einer polnischen Geschäftsführerin. Smart Lang selbst ist laut seinem Kontaktformular tschechisch. Insgesamt gesehen nicht unbedingt das vertrauenswürdigste Firmenkonstrukt.

2. Die Smart-Lang-Webseiten selbst: 

Sind von vorne bis hinten zweifelhaft. Angefangen damit, dass die verwendete Sprache auf automatisierte Übersetzungen von Online-Wörterbüchern schließen lässt, bis hin zu dem verwendeten Vokabular und den Versprechungen, die gemacht werden.

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 Einmal abgesehen von der Rechtschreibung würde mich interessieren, was mit 97% der Sinne gemeint ist. Soweit ich weiß, besitzt der Mensch je nach Definition zwischen 6 und 10 Sinnen. Heißt das also, dass beim Sprachen lernen mit Smart Lang 6,5 oder 9,7 meiner Sinne angesprochen werden sollen? Und darunter auch mein Gleichgewichtssinn, sowie derjenige, welcher für die Wahrnehmung von Schmerzen verantwortlich ist? Mhmm…ich weiß nicht.

Weitere Versprechungen der Smart-Lang-Sprachkurse (welche mir recht unglaubwürdig vorkommen): 

  • 200 Vokabeln am Tag lernen – in weniger als einer halben Stunde täglich: Prinzipiell und mit den richtigen Methoden zum Vokabeln lernen sicherlich möglich. Als Versprechen für den durchschnittlichen Sprachlerner – und dazu noch mit so geringem Zeitaufwand – eher unseriös. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum es notwendig sein sollte 200 Vokabeln am Tag in sich hinein zu stopfen. Und vor allem, wie lange diese dann danach hängen bleiben, falls sie nicht angewendet werden.
  • Smart Lang macht das Vergessen von Vokabeln unmöglich.
  • Eine Fremdsprache in 4 Wochen lernen: Auch nicht der erste Anbieter, welcher dieses oder ähnliches verspricht. In unseren Augen unrealistisch. 6 Monate sind da schon eher im Bereich des Möglichen – mit der richtigen Motivation, den richtigen Lernhilfen und vor allem einem guten Lernplan.
  • Die Lernmethode beschleunigt je nach Seite den Lernprozess um das 3- oder das 5-fache. Tja, wäre gut, wenn wir uns hier festlegen können.

Die “Datenschutzbestimmungen”, welche nur in Englisch vorhanden sind, tragen auch nicht wirklich zum Vertrauensaufbau bei. Somit würde ich den vollmundigen Versprechen einer “60-Tage Geld zurück Garantie” (Warum eigentlich 60, wenn ich doch nach 28 schon die neue Sprache beherrschen sollte?), genauso wenig vertrauen.

Noch weniger, da es nicht eine einzige, noch so kurze Probelektion zum Ausprobieren gibt. Nein – um sich von der Wirksamkeit der Smart Lang Sprachkurse zu überzeugen, muss man zuerst einen Kauf tätigen. Zum Preis von nur 69 Euro (anstatt der üblichen 120). Eine Aktion, welche übrigens immer am nächsten Tag endet – welch ein Zufall.

3. Die Person Nicholas Lundin

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Angeblich ein 64-jähriger Schwede (oder doch Däne) und Multipolyglotte (richtig wäre hier Hyperpolyglot), der über 20 Sprachen fließend spricht. Komisch nur, dass man über diesen Herren im Internet absolut nichts finden kann – außer natürlich auf den Smart-Lang-Webseiten.

Darüber hinaus sind wir von Sprachheld in der “Sprachszene” recht gut vernetzt. Wir haben auf unserem YouTube-Kanal schon so gut wie alle bekannten Polyglotte interviewt und unser Gründer Gabriel besucht regelmäßig alle wichtigen Veranstaltungen wie z. B. das Polyglot Gathering. Ein Nicholas Lundin wäre uns allerdings noch nie zu Ohren gekommen.

4. Smart Lang – Erfahrungen und Bewertungen

Bei diesen muss man prinzipiell unterscheiden zwischen zwei Formen von Bewertungen.

a) Die auf den Webseiten verwendeten “Bewertungen” glücklicher und zufriedener Kunden, welche in kürzester Zeit erfolgreich eine neue Sprache gelernt haben. Wie die folgende z. B.:

Ich habe mir einreden lassen, dass ich nicht sprachbegabt bin. Mein Mann hat mir dieses interaktive Programm gezeigt und es stellt sich heraus, dass es nicht um Talent geht, sondern die eigenen Hemmungen und Angst, die das wirksame Lernen blockieren. Dank der Plattform habe ich meine Hemmungen und Angst endlich überwunden. Jetzt lerne ich blitzschnell!

Gibt man diese jedoch in die Google-Suchmaske ein, fällt einem auf, dass offensichtlich nicht nur Smart Lang solch überzeugenden Ergebnisse liefert. Denn dieselben Bewertungen finden sich in identer Art und Weise (Wort für Wort) ebenso auf der Seite von Fast Phrases,

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Wenn bei Smart Lang und Fast Phrases schon die ident selben Texte (inklusive Bewertungen) verwendet wurden, so hat man sich zumindest die Mühe gemacht den Hauptakteur auszutauschen. Zwar ähnlich väterlich und skandinavisch vertrauenswürdig – doch während er bei Smart Lang Nicholas Lundin heißt, setzt Fast Phrases auf Magnus Carlsson.

Fluent Speak (hier heißt der gute Herr dann übrigens Tim Arvidsson) oder auch Easy Speak (hier ist es ein gewisser Cristian Pettersson).

b) Echte Bewertungen von eher unglücklichen (aber echten) Kunden:

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Ich glaube diese Erfahrungen sprechen mehr als Bände.

Fazit: Sprachen lernen mit Smart Lang – lieber nicht!

Bei Smart Lang (und seinen Ablegern/Satelliten Fast Phrases, Fluent Speak, Easy Speak) handelt es sich um eine mehr oder weniger geschickt aufgezogene Abzocke. Mach uns bitte den Gefallen und falle auf diese nicht herein.

Falls Du ernsthaft eine Fremdsprache lernen willst – hier findest Du unsere Empfehlungen zum Sprachen lernen. Oder hier unsere Tests der bekanntesten Sprach-Apps und Vokabeltrainer.

Falls Du selbst schon (negative) Erfahrungen mit Smart Lang, oder einem der anderen Anbieter, gemacht hast, kannst Du uns diese gerne in den Kommentaren hinterlassen.

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Über den Autor

Jeremy-James Peter - Österreicher und Agrarwissenschaftler. Nachdem er eine Zeit lang in der Forschung tätig war, wollte er noch einmal etwas Neues erleben und ist ohne Plan, Rückflugticket und Spanischkenntnisse nach Südamerika aufgebrochen. Heute spricht er nicht nur Spanisch, sondern schreibt auch für Sprachheld.

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